Eishockey in Hamburg boomt

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Die Eishockeymannschaft Crocodiles Hamburg (Gründung: 1990) spielt in der Eissporthalle Farmsen Foto: H. Beck
 
Christoph Schubert (34) startet als Kapitän der Crocodiles in der Oberliga Nord durch. Sein Ziel: die Eissporthalle Farmsen zum Beben bringen Foto: H. Beck

Der Beinahe-Retter der Freezers Christoph Schubert ist jetzt Kapitän der Crocodiles und verhilft dem Oberligaclub zu mehr Popularität

Von Sonja Schmidt

Farmsen Die Schlittschuhe: frisch geschliffen. Die Vorfreude: riesig. „Jetzt kommt endlich der Spaß zurück“, sagt Christoph Schubert im Hinblick auf das erste Testspiel am 4. September gegen den dänischen Eishockeyclub Odense Bulldogs. Dann steht der 34-Jährige in Farmsen erstmals öffentlich als Kapitän der Crocodiles auf dem Eis. In der Oberliga Nord, zwei Klassen tiefer als zuvor. Mit der 13 auf seinem Trikot, wie damals bei den Freezers.

Mehr als diese Nummer aber nimmt er aus seiner sechsjährigen Zeit in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) bei den „Eisschränken“ nicht mit, „nur ganz viel Wut“ sei ihm geblieben und die Erkenntnis, dass im Eishockey nichts ohne viel Engagement und Zusammenhalt funktioniert. „Ich will, dass Eishockey in dieser Stadt lebendig bleibt und deswegen muss ich was tun“, sagt er entschlossen.
Bei den „Crocos“ hat der ehemalige Spieler der nordamerikanischen Profiliga NHL einen Vierjahresvertrag unterschrieben. Für die Zukunft des Clubs hängt er sich voll rein – ähnlich wie damals im Mai, als „Schuby“ ganz Hamburg auf den Kopf stellte um Geldgeber für den Erhalt der Freezers zu finden. „In diesen sechs Tagen konnte ich kaum realisieren, was da eigentlich passierte. Ich habe manchmal nur drei Stunden pro Nacht geschlafen. Unglaublich, was man als Mensch körperlich und geistig leisten kann.“

Die Freezers sind dennoch Geschichte. „Trotz Niederlage aber haben wir gewonnen, so sehe ich das“, betont der 1.90-Mann, nippt an einer Tasse Kaffee und lehnt sich lässig im Stuhl zurück. Im Café „Estoril“ in Eimsbüttel wirkt Christoph Schubert beim Gespräch mit dem Wochenblatt leicht müde, aber dennoch arbeitswütig. Vier Topteams der deutschen Eishockeyliga hatten ihm gut honorierte Verträge angeboten, doch der gebürtige Münchner lehnte dankend ab. Warum? „Eishockey ist mein Leben. Und ohne Eishockey ist Hamburg keine Sportstadt mehr, darum geht es mir.“

Aufbau von unten


Schubert will nicht einfach irgendwo oben mitspielen. Er will etwas bewegen – und bei den Crocodiles hat er die Chance dazu. „Ich finde es derbe interessant, die Mannschaft von unten mit aufzubauen“, schwärmt er. Bei den Crocodiles unterstützt der Eishockey-Profi auch die Geschäftsstelle und erfindet sich mit 34 Jahren noch einmal ganz neu. Bilanzen schreiben, Sponsoren suchen, Verträge aufsetzen und telefonieren, telefonieren, telefonieren.

Für eine bessere Zukunft arbeitet der Kapitän auch mit Ex-Freezers-Marketingprofi Christian Schuldt und einigen Ehrenamtlichen zusammen. Gemeinsam wollen sie die vorhandenen Strukturen aufpolieren und dem Club zum Erfolg verhelfen. „Wir sind nonstop unterwegs, doch der Sommer ist eine schwierige Zeit, weil die meisten Budgets schon zu Jahresanfang vergeben werden. Das Geld ist momentan einfach nicht da, aber wir nehmen alles, was wir kriegen können – jeder Cent hilft uns“, betont Schubert. Größter Coup: Eventim übernimmt zukünftig das Ticketing der Crocodiles. Mehr als 900 Dauerkarten wurden bereits für die kommende Spielzeit verkauft. Nicht mal 120 Karten wären es noch im Vorjahr gewesen, erzählt Schubert. „Ich bin sicher, wir knacken bald die 1000er-Marke.“
Seit der Gründung der Crocodiles 1990 hält sich der Club, der im Vorjahr den Abstieg verhinderte, trotz wiederkehrend wirtschaftlicher Schwierigkeiten über Wasser. Mit dem Budget könnten sie aber keine großen Sprünge machen, sagt Schubert. Also lautet der Plan: Etat erhöhen, Potenzial voll ausschöpfen und zukünftig den Aufstieg in die DEL2 meistern. Schubert sagt: „Wir haben ein kleines Eisstadion, keine Multifunktionsarena. Aber wir sind die hochklassigste Mannschaft in dieser Stadt und wir wollen, dass die Fans unsere Halle zum Beben bringen.“

Den neuen Kader führt der Verteidiger gemeinsam mit seinem Vorgänger Stefan Tillert an. „Stefan ist ganz großer Sport. Wir kommen super miteinander aus.“ Auch zur Hamburger Fangemeinde hat Schubert einen guten Draht. Ohne Umschweife spricht er offen über alles, worüber derzeit heftig in Internetforen diskutiert wird. Die Angst, dass durch die Umstrukturierungen der alte Charme des Clubs verloren gehen könnte. Oder die Sorge um zu wenig Platz in der Farmser Eissporthalle, weil immer mehr ehemalige Freezers-Fans nun die Crocodiles anfeuern wollen. Schubert aber weiß: „Wenn wir Eishockey in Hamburg etablieren wollen, geht das nur gemeinsam.“

„Big Daddy“ auf dem Eis


Er organisierte einen Fantreff und vermittelte zwischen den streitenden Parteien: „Es war wichtig, das wir das mal gemacht haben. Am Ende sind alle Fans mit offenen Armen aufeinander zugegangen.“
Schubert legt sich für den Hamburger Eishockey mächtig ins Zeug. Nach knapp 1200 absolvierten Eishockey-Spielen im In- und Ausland ist der Wahl-Hanseat zum sympathischen „Big Daddy“ auf dem Eis avanciert. Trotz seiner Erfahrung ist er sich nicht zu schade, neue Wege zu bestreiten.

Die Crocodiles Hamburg treten am 23.9. beim ersten Saisonspiel in Farmsen gegen die Rostock Piranhas an. Infos und Karten unter: www.crocodiles-eishockey.de

Steckbrief
Christoph „Schuby“ Schubert
Geboren: 5. Februar 1982
(München)
Wohnort: Hamburg (Eimsbüttel)
Größe: 1.90 m, Gewicht: 100 kg
Spiele gesamt: 1144
(davon 377 in der DEL)
Tore: 118 (davon 38 in der DEL)
Quelle: DEL-Datenbank
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