Hamburg: SC Europa im Abseits

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Osman Talu (r.), erster Vorsitzender des SC Europa und Zeugwart Klaus Schüttrich haben mit Problemen zu kämpfen Foto: Jenssen

Sponsor weg, Parkplatznot und marode Spielfläche

Hamburg. Seit seiner Gründung 1992 ist der SC Europa ein Hamburger Vorzeigeverein. Viele Fernsehsender und überregionale Zeitungen berichteten über die Multikulti-Kicker aus Mümmelmannsberg. Deutschland staunte über elf Freunde aus elf verschiedenen Herkunftsländer. Auch heute noch stehen bei den meisten Spielen des SC Europa elf Sportler aus elf Nationen auf dem Platz. Das Motto des Vereins: Kein Rassismus, keine Drogen. Das brachte dem Verein viel Sympathie und großen Zulauf. Vor allem die Jugendlichen aus Mümmelmannsberg waren stolz, für den SC Europa anzutreten.

Grandplatz bei Regen fast unbespielbar

Doch jetzt hat der SC Europa zahlreiche Probleme. Die liegen unter anderem in der Beschaffenheit des Fußballplatzes und an der Erreichbarkeit der Sportanlagen. Eltern können ihre Kinder mit dem Auto nicht direkt zu dem Sportplatz fahren. Und im Umkreis des Platzes ist es oft sehr schwer, Parkmöglichkeiten für die Sportler und Zuschauer zu finden.
Außerdem braucht der Verein dringend einen Kunstrasen. Der Grandplatz, auf dem die Spieler zurzeit ihre Spiele austragen, ist bei starkem Regen kaum bespielbar. Die Probleme sind seit langer Zeit bekannt. Immer wieder wurde an runden Tischen verhandelt, um Verbesserungen für den multikulturellen Sportverein zu erreichen. Geschehen ist danach kaum etwas. „Die Situation nervt“, sagt der Vereinsvorsitzende, Osman Talu (45).
Vor allem die schlechte Erreichbarkeit des Platzes hat den Verein in den vergangenen Jahren viel Geld gekostet. Die Zuschauer blieben weg. Dadurch hat nun auch noch einer der wichtigsten Sponsoren seinen Vertrag gekündigt. Das Argument: „Wenn nur ein paar Zuschauer kommen, bringt die Werbung wenig!“
Eine Spirale nach unten. Den Abwärtstrend möchte der Verein wieder in eine positive Richtung drehen. Dabei, so stellt es sich Osman Talu vor, könnten die Bezirkspolitiker, der Hamburger Fußball-Verband und die Schulbehörde helfen. „Wenn alle an einem Strang ziehen“, so Osman Talu, „dann kann es mit dem Sportangebot für die Jugendlichen in Mümmelmannsberg wieder aufwärts gehen!“
Der Bezirk soll seiner Meinung nach helfen, eine Zufahrtsmöglichkeit zum Vereinsgelände zu schaffen. Möglich wäre eine verkehrsberuhigte Anfahrt über die Große Holl. Aber es gibt auch andere Möglichkeiten. „Wichtig wäre es, dass bald etwas geschieht“, sagt Osman Talu. „Die Eltern möchten ihre Kinder direkt vor dem Vereinsgelände absetzen.“ Bisher müssen Eltern und Zuschauer in der Nähe des Vereinsgeländes einen Parklatz suchen, und dann, je nachdem welches Parkplatzglück man hatte, 500 bis 700 Meter laufen. „ Am Wochenende, wenn die meisten Mümmelmannsberger zu Hause sind, wird es noch schwerer, einen Parkplatz zu finden“, sagt Talu. „Darüber schimpfen auch die Gastspieler und die Schiedsrichter.“ Das zweite Problem: die Beschaffenheit des Platzes. Bei starkem Regen gerät das Spielen auf dem Grandplatz mehr zu einem Schlammbad denn zu einem Fußballvergnügen. Die erste Mannschaft des SC Europa, der derzeit in der Bezirksliga Ost um den Klassenerhalt kämpft, gehört zu den Mannschaften mit den meisten Spielausfällen. Die Vereinsführung hofft möglichst bald auf einen Kunstrasen. Das würde die Jugendarbeit neu beleben. Der Verein, der früher zehn Jugendmannschaften betreute, ist derzeit nur noch für drei Nachwuchsteams zuständig.
„Ein Kunstrasen würde dem Verein Auftrieb geben“, ist Osman Talu sicher. Die Jugendlichen aus Mümmelmannsberg würden wieder in den Verein strömen. Rund 6000 junge Menschen leben im Stadtteil. Neidvoll schauen die Spieler des SC Europa auf den Rasenplatz nebenan. Dort spielen und trainieren – wenn auch nur selten – die Cricket- und Baseballspieler des HSV. Im Rahmen der Hamburger Olympiabewerbung bekamen sie dort sofort einen Rasenplatz.
Osman Talu hofft, dass sich Bezirksamt, die Hamburger Schulbehörde und der Fußballverband zusammenraufen können, um seinem Verein einen Kunstrasen zu ermöglichen. Denn auch die Kinder der Grundschule Rahewinkel, die den Platz des SC Europa oft und gerne nutzen, würden davon enorm profitieren. (je)
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1 Kommentar
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Erich Heeder aus Billstedt | 12.03.2014 | 13:33  
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