Hamm-Süd: Wohnungen statt Idylle?

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Offensichtlich wird hinter den Kulissen sehr intensiv darüber diskutiert, ob westlich des Rückerskanals in Hamm-Süd neue Wohnungen gebaut werden können. Dafür müssten die Kleingärten aber auf die östliche Seite des Rückers-kanals verlegt werden, wo definitiv keine Wohnungen entstehen sollen Foto: fbt
Hamburg: Rückerskanal |

Dialog über Baupläne mit beteiligten Kleingärtnern angekündigt

Von Frank Berno Timm
Hamm
Dort, wo im südlichen Hamm jetzt noch Gärten am Wasser liegen, könnten in Zukunft Wohnungen entstehen. Die Grundstücke sind im offiziellen Wohnungsbauprogramm des Bezirkes Mitte 2016 als „Neue Potenzialfläche“ beschrieben. Die Fläche gehört außerdem zum Pilotgebiet „südliches Hamm“ des Bündnisses für Quartiere, dem der Bezirk Mitte und Wohnungsunternehmen angehören. Es geht um das schöne Gelände, das sich an die zuletzt neu errichteten „Hansaterrassen“ anschließt: Die Diagonalstraße ist eine Begrenzung, der Rückerskanal die andere und in Richtung Eiffestraße schließt ein kleines Plätzchen am Ende der Wendenstraße das Gebiet ab. Michael Osterburg (Grüne), der im zuständigen Regionalausschuss und der Bezirksversammlung sitzt, sagt, es gebe zu dem Projekt eine lange Vorgeschichte über mehrere Jahre.

Kleingärten verlagern

Die Idee sei, Kleingärten auf die andere Straßenseite auf das Grabeland zu verlagern „und dabei neu zu ordnen“. Viele Kleingärten, so Osterburg, hätten viel größere Parzellen als die üblichen 400 Quadratmeter. Auch die Kleingartenvereine kennen nach seinen Angaben diese Überlegungen „und werden über den Landesbund einbezogen“. Die Grünen, so der Fraktionschef, fänden es gut, „wenn die tollen Grundstücke mit Wohnungen vielen Menschen zur Verfügung gestellt werden und es auch eine gute Lösung für die Kleingärtner gibt“. Im Sinne der Gemeinschaft müsse jeder
seinen Beitrag leisten, „um Wohnungen zu schaffen“.

Lösung für Jugendtreff und Sportplatz

Yannick Regh (SPD), ebenfalls Mitglied der Bezirksversammlung und des zuständigen Regionalausschusses, betont, bei den bisherigen Treffen zu dem Pilotprojekt südliches Hamm habe sich herausgestellt, dass östlich des Rückerskanals keine Wohnungen gebaut werden sollen. Die Gärten westlich des Kanals sollen ausgeglichen (also durch neue Flächen ersetzt) werden, fügt der Abgeordnete hinzu. Für die SPD sei klar, dass eine Verlagerung der Kleingärten nur „im Dialog mit den Betroffenen vorgenommen werden kann“. Auch der Jugendtreff und die Sportanlage auf der anderen Seite der Diagonalstraße sollten vor Ort gehalten, Einkaufsmöglichkeiten verbessert werden.

Kleingärten absichern

Dirk Sielmann, Geschäftsführer des Landesbundes der Kleingartenfreunde, sagt, das Projekt sei noch nicht „in trockenen Tüchern“. Auch er bestätigt die lange Vorgeschichte und die Idee, auf die Ostseite des Rückerskanals umzuziehen und die Flächen neu zu ordnen. Der Geschäftsführer bringt ebenfalls eine Verkleinerung großer Parzellen ins Gespräch und fügt hinzu, dass bei der Gelegenheit auch die Infrastruktur der Gärten saniert werden solle. Laut Dirk Kienscherf (SPD, Mitglied der Bürgerschaft) geht es durchaus darum, die Kleingärten langfristig abzusichern, und zwar „immer mit den Gärtnern zusammen“, dann sei „80 Jahre Ruhe“. Sehr deutlich spricht sich Kienscherf auch für den Erhalt des Jugendtreffs Hamm-Süd aus, der sich derzeit auf einer Fläche befindet, die ebenfalls mit Wohnungen bebaut werden soll (das Hamburger Wochenblatt berichtete). Kienscherf bekräftigt, der Jugendtreff sei ein fester Bestandteil des Stadtteils „und soll es bleiben“.

Dialog mit allen Beteiligten

Im Dezember fand der letzte Dialog-Workshop des Bündnisses für Quartiere in Sachen Pilotprojekt „südliches Hamm“ statt. In dem entsprechenden Protokoll wird Michael Mathe, zuständiger Amtsleiter im Bezirk Mitte, mit der Aussage, dass es einen „Planungs- und Beteiligungsprozess auf Augenhöhe mit allen Betroffenen“ geben werde, zitiert. Mathe spricht auch gegenüber dem Hamburger
Wochenblatt von der Erarbeitung eines neuen Bebauungsplans für das gesamte Areal. Während in dem Wohnungsbauplan des Bezirks noch von 70 Wohneinheiten die Rede ist, spricht das Workshop-Protokoll davon, dass die Planungen für neue Wohnungen noch ganz am Anfang stünden.

Kleingartenverein lehnt Gespräch ab

Uwe Vollmer vom betroffenen Kleingartenverein lehnte trotz zweimaliger Anfrage jedes Gespräch zum jetzigen Zeitpunkt ab. „Wer lange weckt, weckt die Verkehrten“, sagt er. Was im Wohnungsbauplan stehe, sei „absolut nichts Neues“, er werde sich möglicherweise zu einem späteren Zeitpunkt äußern.

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