Letzte Ernte in Hamburg

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Nieke und Paula-Luise sind fasziniert von dem Riesenkürbis Fotos: Christa Möller
 
Susanne Buhl hat einige kleine Kürbisse geerntet

Die „Grünen Hammer“ machen ihren Garten winterfest

Von Christa Möller
Hamburg. Gelb-orange Kapuzinerkresse, orangefarbene Ringelblumen und rosa-rote Zinnien leuchten um die Wette. Und ob Salbei, Zitronenmelisse, Spitzwegerich, Chinesischer Lauch, Mangold, Rote Bete, Mais, Prunkbohnen oder weiße Erdbeeren – noch wächst und gedeiht so allerlei im Stadtteilgarten Hamm, wenn auch die Gartensaison schon fast vorbei ist.
Während Paula-Luise (4) und ihre Freundin Nieke (5) den Riesenkürbis bewundern, hat Paulas Mutter, Susanne Buhl, verschiedene Kräuter, Tomaten und ein paar kleine Kürbisse geerntet. „Wir haben keinen Vorsitzenden und wir sind kein Verein, sondern eine lockere Initiative, die sich aus der Initiative ‚Hamm’ wir alles‘ im Kulturladen an der Carl-Petersen-Straße gegründet hat“, erzählt die Initiatorin der offenen Gruppe „Grüne Hammer“. Die 37-Jährige ist die jüngste Stadtteilgärtnerin, abgesehen von den Kindern.

Jeder wie er mag

Am ersten Treffen nahmen, außer ihr, Karin Schanzenbach und Kräuterexpertin Gudrun Glöckner teil, die eine Kräuter-spirale auf dem etwa 1.300 Quadratmeter großen Grundstück anlegte. Praktisch, dass sich auch der landwirtschaftliche Berater Georg-Friedrich Horn der Initiative angeschlossen hat. Die Stadtteilgärtner arbeiten nach verschiedenen Anbaumethoden und tauschen ihre Erfahrungen aus. Festgelegt wurde gleich anfangs, dass nach biologischen Grundsätzen gegärtnert werden soll.
Finanzielle Unterstützung erhielt die Initiative unter anderem von der Norddeutschen Stiftung für Umwelt und Entwicklung, von der Günter Fielmann Stiftung und Wohnungsbaugenossenschaften in Hamm. Der Stadtteilgarten gehörte früher zum benachbarten Kleingartenverein. Vor etwa 20 Jahren wurde daraus der Schulgarten der Stadtteilschule Griesstraße. Als die Initiative den Garten 2012 übernahm, „war das hier alles Rasen. Beete waren nur noch rudimentär vorhanden. Die Jugendlichen vom Verein Rückenwind und von der Ambulanten Maßnahme Altona (AMA) haben uns sehr geholfen“, ist Susanne Buhl heute noch dankbar. Nur das alte Gartenhaus und einige Apfel-, Zwetschgen- und Pflaumenbäume sind von damals erhalten.
Heute lernen wieder Schüler (in zwei Schul-Arbeitsgemeinschaften der Stadtteilschule Perthesweg), unterstützt von den Stadtteilgärtnern, den Umgang mit Pflanzen und betreuen außerdem unter Anleitung von Celine Müller-Berg zwei Bienenvölker. Im Lauf der Zeit entstanden im Stadtteilgarten unter anderem ein Bauerngarten-Rondeel mit Blumenumrandung, ein Feuchtbiotop und ein Sonnendeck, wo sich Pflanzen wie Lavendel wohlfühlen.
„Jeder ist einem anderen Bereich verbunden“, sagt Susanne Buhl. Ihrer ist der Bauerngarten. Gerade hat Susanne Buhl Rezepte für die Verarbeitung von Gewürz-Tagetes gefunden: „Damit kann man Schokolade und Muffins würzen“, schwärmt sie Mit-Gärtnerin Rita Maschke vor, die sagt: „Mir ist hier ein Herzenswunsch erfüllt worden.“ Im Garten mit lieben Menschen zusammen sein, sei das Paradies, so die 73-Jährige, die die Schul-AGs mitbetreut.

Dünger gesucht

„Wir sind keine Selbstversorger, es wird naschend geerntet“, sagt Susanne Buhl. Ihre Nachbarin kocht aus den Früchten gern Marmelade, die dann wieder der Gruppe zugute kommt, etwa beim „Hammer Abendbrot“ (an jedem 1. und 3. Freitagabend ab 17 Uhr). Jetzt ist allerdings erstmal Winterpause. Ab Mai geht es wieder los. Auch zu den anderen Veranstaltungen der Initiative, wie dem Pflanzfest, dem Tag der offenen Tür, Lagerfeuer oder Kartoffelfest, kommen viele Anwohner des Stadtteils.
Während des Winterhalbjahres ruht die Arbeit keinesfalls. Die Geräte müssen gepflegt, Kaninchenzäune repariert und die Beete fürs Frühjahr vorbereitet werden. „Wir brauchen Mist von Tieren, die keine Antibiotika bekommen“, sagt Susanne Buhl und hofft auf Unterstützung. Und es gilt, Pflanzpläne zu machen, damit sich Stark-, Mittel- und Schwachzehrer auf den Beeten abwechseln können. Allerdings wird vor jeder Aussaat im Frühjahr erstmal abgewartet, welches Grün sich von allein zeigt. „Wir achten die Pflanzen.“

Infos bei Susanne Buhl Telefon  0179 - 765 18 81 oder gruene.hammer@yahoo.de
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