Der Pferde-Flüsterer von Hamburg

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Herbert Kruse mit dem dreijährigen Hengst „Dornier K.“, einem Vollbruder von „Don K.“ Foto: to
 
Auf den Weiden haben alle Pferde genügend Auslauf Foto: to
Hamburg: Fahrenkrön 58 |

Zuchtexperte Herbert Kruse ist ein echter Bramfelder – der Hof seit 100 Jahren im Familienbesitz

Von Thomas Oldach
Bramfeld
Wer von der Ellernreihe kommend in die Heukoppel und danach in den Fahrenkrön abbiegt, ist dem Naturparadies mitten in der Großstadt sehr nahe. Dort, wo die Osterbek sich durch die Landschaft schlängelt, grasen Pferde auf weiten, satten Wiesen in aller Ruhe, nebenan liegen flache Ein- und Zweifamilienhäuser – und der Hof von Herbert Kruse, dem Pferde-Flüsterer von Hamburg. Durch die Stallungen fliegen die Schwalben, Pferdemist sucht man vergeblich. Hier ist alles in einem Top-Zustand. Kein Wunder, wie der 69-Jährige sagt: „Die Tiere brauchen eine vernünftige Umgebung, um gesund aufwachsen und leben zu können. Wir bieten diesen Rahmen.“ Zumal „Bauer Kruse“, wie er in der Umgebung liebevoll genannt wird, genau weiß, dass die Tiere seine Lebensgrundlage und sein Kapital sind.

Dritte Generation am Fahrenkrön

Den Hof Kruse gibt es bereits seit rund 100 Jahren. Herbert und seine Frau Marion (63) sind in dritter Generation am Fahrenkrön aktiv. Vor 40 Jahren übernahm der Mann mit dem „goldenen Händchen“ für Pferde den Hof von seinen Eltern, damals noch „klassisch“ mit Hühnern, Schweinen und Kühen. Doch dann entdeckte Kruse die Pferdezucht. Heute stehen auf Flächen in Bramfeld und Hemmoor (bei Stade in Niedersachsen) auf etwa 120 Hektar rund 100 Pferde und 40 Rinder. Marion Kruse hat jahrelang mit viel Freude die Hundezucht von Border- und Jack Russell-Terriern sowie Australian Shep-herds betrieben. Heute liegt der Fokus längst auf der Pferdezucht. Vom Schul- über das Freizeit- bis zum Dressur- und Springpferd hat Herbert Kruse alles im Portfolio – auch Deckhengste sind dabei.

360 Fohlen in 40 Jahren

18 Außenboxen sowie Innenställe mit Fenstern, mehrere Weiden zum Freilauf – auf denen auch gern mal Graugänse Rast machen –, drei Reithallen, zwei Außenvierecks, ein Longierzirkel und ein Springplatz stehen zur Verfügung. Zehn Angestellte sowie kompetente und engagierte Reitlehrer kümmern sich um die Pferde und deren Unterricht. Und das mit Erfolg: In 40 Jahren hat Herbert Kruse die Geburt von rund 360 Fohlen auf seinem Hof erlebt, 130 Pferde wurden auf der Auktion in Verden (Niedersachsen) vorgestellt, 14 Hengste ausgezeichnet. Kein Wunder, dass Kruse viele Pferde auch ins Ausland – etwa nach Amerika und Kanada – verkauft.

Hengst „Don Nobless“

Doch die 1,22 Millionen Euro, die 2012 für seinen Hannoveraner Hengst „Don Nobless“ gezahlt worden sind, hat Kruse nie gesehen: Schließlich war der lackschwarze Rappe bereits vorher vom ihm in gute Hände verkauft worden – und machte in der Dressur mehr als nur eine gute Figur. Obwohl Herbert Kruse nicht vor großen Summen zurückschreckt, beginnen die Verkaufspreise für junge Reitpferde bereits bei 5000 Euro. Die Kosten für ein fünfjähriges ausgebildetes Pferd liegen dann aber schon mal bei 25.000 Euro aufwärts: „Da stecken dann auch viel Liebe, Zuneigung, Erziehung, Arbeitslohn für den Beritt und Futterkosten drin – das sollten Außenstehende nicht unterschätzen“, sagt Kruse, der trotz seines weltweiten Erfolges bodenständig geblieben ist, sich seinen „Laden“ mit viel Eigenarbeit und Ideen aufgebaut hat und um gute Nachbarschaft bemüht ist. Kürzlich kaufte er rund 2000 Tulpenzwiebeln und spendete sie – für das bessere Erscheinungsbild seines Stadtteils.

Das „Feld“ ist bestellt

„Ich bin in Bramfeld geboren, aufgewachsen – und will hier auch nicht wieder weg“, sagt der angesehene Pferdezüchter, der zudem die Umgebung seines Hofs so erhalten sehen will, wie sie ist: „Hier gibt es die Natur noch zum Anfassen, hier können sich Mensch und Tier zu Hause fühlen. Das soll so bleiben.“ Und dafür sollen in der bereits in den „Startlöchern“ stehenden vierten Kruse-Generation die Töchter Tanja und Nancy sorgen – um es später an den Enkel weitergeben zu können. Viele Flächen sind im Besitz der Familie, andere langjährig gepachtet. Das „Feld“ ist bestellt: Der „Laden“ läuft, namhafte Kunden – zudem das Cafe/Restaurant „Zum Hufschlag“, das dienstags bis sonntags von 12 bis 22.30 Uhr geöffnet ist (Mittagstisch bis 16 Uhr, Telefon 631 29 499) und einen Blick in die Reithalle bietet. Pferdefleisch steht deshalb auch nicht auf der Karte.

Pferdesteuer in Tangstedt

Dafür bei Herbert Kruse das Thema Pferdesteuer: „Was da in Tangstedt angeschoben wurde, ist dem Pferdesport nicht zuträglich (das Wochenblatt berichtete). Wir brauchen den Nachwuchs im Sattel. Wenn jetzt noch Steuern erhoben werden, will doch keiner mehr rauf aufs eigene Pferd. Eine Hundesteuer macht für den normalen Bürger zweifellos noch Sinn. Aber unsere Pferde setzen ihre Hinterlassenschaften nicht auf öffentlichen Straßen ab – und wenn, dann kümmern wir uns um die Entsorgung. Eine Steuer macht keinen Sinn.“

Pony-Reitschule ab 6 Jahren

Den aber macht die Jugendarbeit. Und deshalb gibt es im Reitstall Kruse auch das Angebot für Kinder im Alter ab sechs Jahren in der Pony-Reitschule. Die Kinder sind dann meist für drei bis vier Jahre dabei. Die Wartelisten sind entsprechend lang. „Aber wir sehen daran – der Spaß am Reiten und dem Kontakt zum Pferd ist nach wie vor da“, sagt Kruse. Und all das wollen Kruse und sein Team auch Olaf Scholz vermitteln, denn der hat seinen Besuch zum „Tag der offenen Tür“ im Reitstall Kruse im Rahmen des Stadtteilfestes „Bramfelder Fenster“ am 10. September angekündigt.

Weitere Infos: Reitanlage Kruse und auf Facebook
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