Unermüdlich im Einsatz für die Kinder von León

Wann? 24.03.2017

Wo? Bramfelder Chaussee 265, Bramfelder Chaussee 265, 22177 Hamburg DE
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Dr. Jürgen Steidinger (3.v.r.) bei einer Visite am Universitätskrankenhaus in León Foto: privat
 
Kinder und Erwachsene suchen in den Müllbergen nach essbaren Dingen Foto: privat
Hamburg: Bramfelder Chaussee 265 |

Wandsbeker Oberarzt arbeitet seit 25 Jahren in Nicaragua für die „Kinder vom Müllberg“. Spenden willkommen

Von Martin Jenssen
Wandsbek/Bramfeld
Der Mensch braucht Abwechslung in seinem Leben. Das fand zumindest der Kinderarzt Dr. Jürgen Steidinger kurz vor seinem 50. Geburtstag im Jahr 1992. Von 1978 bis 1992 hatte er als Oberarzt die Neugeborenen-Intensivstation im Allgemeinen Krankenhaus Wandsbek geleitet. Nach 14 Jahren Arbeit für die Säuglinge aus Wandsbek und Umgebung wollte er sich noch einmal neu orientieren. Den Kinderarzt zog es nach Nicaragua. Er kannte das Land bereits, hatte es mehrmals besucht und wusste: Die Kinder und Jugendlichen in Nicaragua brauchen Hilfe.

Weniger Kindersterblichkeit


In dem zentralamerikanischen Land (etwa sechs Millionen Einwohner, halb so groß wie die ehemalige Bundesrepublik) herrschte damals unter anderem eine hohe Sterblichkeitsrate unter Neugeborenen. Am meisten betroffen war die Universitätsstadt León. Was für Wandsbek ein großer Verlust war, wurde für León ein großer Gewinn. Dr. Steidinger ließ sich in Hamburg beurlauben und packte die Geräte für eine Kinderintensivstation in Container und ließ sie nach Nicaragua verschiffen. Er selbst arbeitete fortan als Kinderarzt, Dozent und Ausbilder am Universitätskrankenhaus Heodra in León. Der Einsatz und die Ausbildung der Ärzte und Krankenschwestern führte dort schnell zum Erfolg. Innerhalb eines Jahres sank die Kindersterblichkeit, die vorher bei 155 Todesfällen bei 1000 Geburten gelegen hatte, auf 65 Todesfälle bei 1000 Geburten.

Kinder leben im Müll


Hamburg und die Stadt León verbindet seit 1989 eine Städtepartnerschaft, die anfangs als „Entwicklungspartnerschaft“ bezeichnet wurde. Viele der von Hamburg finanzierten Maßnahmen haben zu einer Verbesserung der Lebensbedingungen in León geführt. Modernisiert wurden zum Beispiel Wasserversorgung, Hygiene und Müllentsorgung. Von besonderer Bedeutung waren die finanziellen Hilfen, die von Hamburg nach León flossen, nachdem im Oktober 1998 das Land durch den Hurrikan „Mitch“ verwüstet worden war. Rund 6000 Menschen starben durch diese Katastrophe. Dr. Steidinger war damals (von 1992 bis 2001) ehrenamtlicher Koordinator der Städtepartnerschaft Hamburg-León. Außerdem leistete er in all den vergangenen Jahren mit Hilfe von zahlreichen Hamburger Initiativen, Vereinen und Organisationen Projektarbeit für Menschen in Not; setzte sich vor allem für die Rechte zum Schutz von Kindern, Jugendlichen, Frauen und behinderten Menschen ein. Noch immer leben in León viele Menschen mit ihren Kindern davon, dass sie den Müllberg und den Straßenmüll nach essbaren und verwertbaren Dingen durchwühlen.

Kinder brauchen weiterhin Hilfe


Vor wenigen Monaten, nach rund 25 Jahren Arbeit in Nicaragua, ist Jürgen Steidinger nach Hamburg zurückgekehrt. Im Gepäck zwei Projekte, die er vor 20 Jahren zusammen mit der nicaraguarischen Psychologin, Amalia Quardra, ins Leben gerufen hat: „Chavaladas“, das Projekt, welches ehemals drogenabhängigen Straßenkindern hilft. Mit dem zweiten Projekt „Ninos del Fortin“ werden die „Kinder vom Müllberg“ unterstützt. Beide Projekte wurden viele Jahre vom Hamburger Verein „Helft Nicaraguas Kindern e.V.“ getragen. Ein Verein, der im Jahre 1984 von Hamburger Bürgern gegründet wurde und Ende 2014 aus Mangel an Mitgliedern schließen musste. In beiden Projekten bekommen die Kinder täglich eine warme Mahlzeit, Hilfe zur Schulbildung, medizinische Versorgung und Freizeitangebote unter Anleitung von Erziehern und Lehrern. Wichtig ist dabei vor allem das Vermitteln von Wissen. Dr. Steidinger: „Ohne Schulbildung werden diese Kinder auch später als Erwachsene keine Chance im Leben bekommen.“„Die Hilfe für Kinder in León soll und muss weitergehen“, sagt Dr. Steidinger. „Deshalb freuen wir uns über jede Spende, die dazu beiträgt, diese Arbeit fortzuführen.“

Spenden willkommen


Unterstützt werden die Projekte vom Bramfelder Kulturladen „Brakula“ und vom Nicaragua Verein Hamburg. Wer sich über die Projekte für León informieren möchte wendet sich an Dr. Konstantin Ulmer (Brakula) Tel. 6421700 oder an Dr. Jürgen Steidinger, Telefon 0174/9064934 oder Telefon 040/79025977, E-Mail: pelon1942@gmx.de. Weitere Infos: Helft Nicaraguas Kindern e.V.

„Kinder vom Müllberg“: ab Anfang ist März ist die Foto-Ausstellung im Brakula zu sehen – inklusive einer Infoveranstaltung am 24. März um 19 Uhr
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