Prozess um Kofferleiche

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Foto: thinkstock

Gericht verurteilt 51-Jährigen zu acht Jahren Haft

Von Martin Jenssen
Barmbek

Gericht verurteilt 51-Jährigen zu acht Jahren Haft

Die Geschichte, die Reno G. (51) dem Hamburger Landgericht am
26. Oktober vergangenen Jahres auftischte, klang wie eine Gruselgeschichte aus einem Horrorroman. Der Maschinenbauer, angeklagt wegen Totschlags an seiner Lebensgefährtin Silke M. (49), erklärte zu Prozessauftakt, er sei unschuldig. Seine Freundin habe Selbstmord begangen. Sie habe sich in der Nacht vom 8. auf den
9. Mai selbst ein Küchenmesser in die Brust gerammt. Er habe sie am Morgen des
9. Mai tot aufgefunden. Sie saß am Küchentisch, das Messer ragte ihr aus der Brust.
Das war kaum glaubhaft, vor allem als die weitere Vorgeschichte des Todes von Silke M. bekannt wurde. Das Paar hatte in den Wochen zuvor in der Wohnung von Reno G. viel Alkohol getrunken und sich häufig gestritten. Am 11. Mai hatte die schwangere Tochter von Silke M. ihre Mutter bei der Polizei als vermisst gemeldet. Auf der Suche nach der verschwundenen Frau kontrollierten zwei Polizisten die Wohnung von Reno G. in der Tischbeinstraße in Barmbek.
„Wir suchen Silke M., wissen sie, wo sie ist“, fragte einer der Beamten den Wohnungsinhaber. Reno G.: „Ja. Sie ist im Rollkoffer in der Küche!“ Der Beamte: „Sie machen einen Scherz?“ Reno G.: „Nein, ich habe sie getötet, und jetzt ist sie im Koffer!“ Die Polizisten öffneten den Koffer, fanden die Leiche und nahmen den Verdächtigen fest.
Vor Gericht widerrief der Angeklagte sein Geständnis und tischte die Selbstmordversion auf. Er sei nach dem Tod seine Freundin völlig verwirrt gewesen, habe drei Tage mit der Toten am Küchentisch gesessen und habe Alkohol und Tabletten zu sich genommen, erklärte er das Geständnis. Schließlich habe er den Leichengeruch nicht mehr ausgehalten.
Gericht erhöht Strafe
Er holte den roten Rollkoffer vom Dachboden und verstaute die Leiche darin. Als Motiv für den Selbstmord erklärte er, Silke M. sei sehr depressiv gewesen und habe an Epilepsie gelitten. Schon früher habe sie Selbsttötungsabsichten geäußert.

Das Gericht ließ sich von dieser Geschichte nicht beeindrucken. Reno G. wurde wegen Totschlags zu acht Jahren Gefängnis verurteilt. Die Vorsitzende Richterin: „Nach Auffassung des Gerichts kann sich Silke M. zweifelsfrei nicht umgebracht haben.“ In der Begründung des Gerichts hieß es weiter, Silke M. sei lebensfroh gewesen und habe sich auf ihr Enkelkind gefreut. Die erste geständige Aussage vor den Polizisten werte das Gericht als Geständnis. Belastend für den Angeklagten war auch, dass er das Tatmesser versteckt hatte. Die Polizei fand es in einer Schallplattenhülle. Die Tochter von Silke M. ist, seitdem ihre Mutter tot in einem Rollkoffer gefunden wurde, in psychologischer Behandlung.
Mit der Verurteilung zu acht Jahren Haft ging das Gericht über die von der Staatsanwaltschaft geforderten sechs Jahre hinaus. Die Vorsitzende Richterin: „Das hielt das Gericht für zu wenig.“
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