Alte jüdische Buchkunst

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Dieses Gebetbuch a stammt aus den Jahren 1800/01 Foto: Hanke

Universitätbibliothek zeigt erste restaurierte Exemplare, die in der Nazi-Zeit gerettet wurden

Rotherbaum Von der Vielfältigkeit und der Buchkunst der jüdischen Gemeindebibliothek Hamburg gibt die Ausstellung „Wer Bücher findet, lese darin...“ in der Staats- und Universitätsbibliothek, Von-Melle-Park 3 (Ausstellungsraum), einen ersten Eindruck. Erste restaurierte Exemplare aus jahrhundetealter jüdischer Publikationsgeschichte gibt es zu bewundern. Ein dickes Gebetbuch der neuen Synagoge Altona aus den Jahren 1800/01 zum Beispiel mit farbigem Deckblatt, das Moses und Aaron zeigt. Verschiedene Talmud-Exemplare mit großen roten Lettern auf dem Titel, aber auch Druckerzeugnisse aus den verschiedensten Bereichen, Belletristik, Literatur, Zeitschriften aus neuerer Zeit.

10.000 Bände


Rund 10.000 Bände umfasst die Bibliothek der Jüdischen Gemeinde Hamburg. Nur wenige Bände sind bislang restauriert. Die meisten befinden sich noch in einem schlechten Zustand, denn die Bibliothek hat eine abenteuerliche Geschichte hinter sich. 1923 aus verschiedenen Beständen zusammengefasst wurde sie 1938 beschlagnahmt und 1939 ins Reichssicherheitshauptamt nach Berlin gebracht. 1942 gelang es dem damaligen Leiter der Staatsbibliothek, Gustav Wahl, sie als „Hamburgensie“ für die Staatsbibliothek zurückzubekommen, vermutlich auch, weil das Reichssicherheitshauptamt mit Lagerung und Durchsicht der Massen von jüdischen Büchern überfordert war. Die Hamburger Gemeindebibliothek kam aber nicht nach Hamburg zurück, sondern wurde in sächsischen Außenlagern der Stabi vor Bomben geschützt. Einem einsatzfreudigen Mitarbeiter der jüdischen Gemeinde Dresden ist es vor allem zu verdanken, dass die Bibliothek 1957 nach Hamburg zurückkam. Aufgrund der verschiedenen Transporte waren 31 Kisten verlorengegangen. Die erhalten gebliebenen Bücher befanden sich zum Teil in einem sehr schlechten Zustand. Die kleine jüdische Gemeinde konnte sich nicht um die Bücher kümmern, weshalb sie unbearbeitet in Kellerräumen lagerte, bis die Jüdische Gemeinde sie 2003 der Staatsbibliothek übergab. Aufgrund eines 2012 geschlossenen Depositumsvertrages zwischen der Jüdischen Gemeinde und der Staatsbibliothek und Stiftungsgeldern und Mitteln der Stadt in Höhe von zusammen rund 350.000 Euro kann die jüdische Bibliothek nun endlich restauriert werden. Seit Anfang des Jahres kümmern sich zwei teilzeitbeschäftigte Hebräistinnen um die Bücher. Um erste Erfolge sichtbar zu machen, wird nun die besagte Austellung gezeigt. Einige wenige Exemplare der Bibliothek sind auch bereits öffentlich zugänglich. Maria Kersting, die Projektleiterin für die Restaurierung der Jüdischen Gemeindebibliothek, freut sich: „Der Schatz beginnt wieder, in die Stadt hineinzuwachsen.“ (ch)
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