Ayla Yeginer führt Regie im Theater und im eigenen Café

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Ayla Yeginer inszeniert seit drei Jahren im Theater „Kontraste“ im Winterhuder Fährhaus Foto: Flüß

Winterhuderin ist kreativ im Café Al Volo und im Theater Kontraste

Von Miriam Flüß
Winterhude
Was Rezepte und Theaterstücke miteinander zu tun haben? Eine ganze Menge, findet Ayla Yeginer. Beide setzen beim Lesen Kreativität frei: „Ich liebe es, aus Dingen etwas zu machen, die einem hingelegt werden!“ Die 33-jährige Winterhuderin feierte gerade den ersten Geburtstag des Cafés Al Volo in der Hudtwalcker Straße, mit dem sie sich zusammen mit einem Freund einen Traum verwirklicht hat. Nur wenige Meter weiter feierte die Deutsch-Türkin vor drei Jahren im Theater Kontraste im Winterhuder Fährhaus ihr Regiedebüt. Aktuell ist ihre Inszenierung „Mutti“, eine groteske Komödie von Juli Zeh und Charlotte Roos, zu sehen. Für das Frühjahr 2017 bereitet Ayla Yeginer die Inszenierung von Lutz Hübners „Phantom“ vor, ein Stück über die Migrationsthematik und die Frage, wie Assimilation stattfindet. Ein Thema, das auch für die Tochter eines türkischen Vaters und einer deutschen Mutter, beide Schauspieler, relevant ist. Die Großeltern väterlicherseits kamen in den 1960-er Jahren nach Deutschland, Sohn Murat – Aylas Vater – absolvierte eine Schauspielausbildung in Hamburg und erhielt sein erstes Engagement unter Ida Ehre in den Kammerspielen. „Meine Eltern lernten sich im Theater kennen, ich bin ein Ensemble-Baby“, erzählt Ayla Yeginer lachend in ihrem gemütlichen Café mit Wohnzimmer-Atmosphäre.

„Nine-to-five ist nichts für mich“


Sie wuchs im Theater auf, zog als Kind mit den wechselnden Engagements ihrer Eltern häufig um und landete mit einem Umweg über ein erfolgreich abgeschlossenes BWL-Studium auch auf der Bühne. „Es geht nicht ohne Theater. Ein Nine-to-five-Job ist nichts für mich“, resümiert die Regisseurin. Nicht weniger als das Theater läge ihr aber die Liebe zur Bewirtung von Gästen im Blut. Als die Vorbesitzer des Al Volo vor einem Jahr verkaufen wollten, griffen sie und ihr Freund Noel Oliveira deshalb zu. „Beim Lesen von Stücken und Rezepten experimentiere ich im Kopf. Beides macht mir wahnsinnig viel Spaß und in beiden Fällen kommt ein Produkt für einen Konsumenten bei dem kreativen Prozess heraus“, schwärmt Ayla Yeginer. Den Kredit fürs Café gab es von Vater Murat, für den seither ein Stammplatz inklusive graviertem Messingschildchen reserviert ist.
Das Quartier rund ums Theater und Café ist Ayla Yeginers Kiez, die „kleine Kleinstadt“, in der sie auch wohnt. Die Schiefertafeln vor ihrem Café verführen jeden Tag mit lockeren Sprüchen zu Koffeingenuss und süßen Sünden. In den Texten, die Ayla und ihr Kompagnon gemeinsam ersinnen, liegt vielleicht doch ein kleiner Unterschied zum Theater: „Theater sehe ich als Teil der Gesellschaft und reflektierendes Moment. Mit meinen Stücken möchte ich etwas aufzeigen. Es soll mehr dahinter stecken als nur Spaß.“
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