„Exil“ im Museum

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Zweimal Chang Ping: der chinesische Dissident neben seinem Porträt von Antoine Wagner Foto: Hanke
 
Der Fotograf Antoine Wagner, Ururenkel von Richard Wagner, hat 21 Künstler im Exil fotografiert Foto: wb

Ausstellung über ein Lebensgefühl

Rotherbaum Exil und Migration werden immer bedrückendere Themen unserer Zeit. Rund 60 Millionen Flüchtlinge suchen derzeit Schutz vor kriegerischen Konflikten, Naturkatastrophen oder unhaltbaren Lebensumständen.
Tausende versuchen in kleinen Booten Europa zu erreichen. Die, die es geschafft haben, und anschließend einen Aufenthaltsstatus erhielten, stehen vor neuen Problemen. Wie lebt man in einer fremden Welt und mit dem Gefühl, vielleicht nicht mehr in die Heimat zurückkehren zu können? Diese Fragen beschäftigen den Fotografen und Regisseur Antoine Wagner, der 21 Künstler im Exil fotografiert und diese Werke mit Fotos von Berglandschaften zusammengehängt hat. Unter dem Titel EXIL sind diese Arbeiten jetzt im Völkerkundemuseum zu sehen. „Mir ging es um einen Dialog zwischen Landschaft und Porträt, die Kombination der universellen Sprache der Landschaft mit der Individualität des Porträts“, erläuterte der Künstler bei der Vorstellung der Ausstellung. Die seelischen Veränderungen durch den Wechsel in eine andere Kultur und das Lebensgefühl der Exilanten standen für Wagner im Mittelpunkt. Und da spielen die Landschaften der neuen Heimat der Migranten eine große Rolle. Die Porträts nehmen nur einen kleinen Platz in Wagners Bildern ein. Der Rest der Bilder besteht aus Grautönen: Die Umgebung der Migranten ist von ihnen noch nicht ausgefüllt worden und wird es vielleicht auch nie werden.
Wagner hat selbst Erfahrungen mit verschiedenen Lebensorten. Er wurde in den USA geboren und wuchs in Frankreich und Großbritannien auf. „Ich habe mich nie irgendwo zuhause gefühlt“, sagt er. Und er hat einen berühmten Ururgroßvater, der zehn Jahre im Exil verbringen musste: Richard Wagner. Der Komponist lebte von 1849 bis 1858 in der Schweiz, weil er als aktiver Revolutionär in Deutschland steckbrieflich verfolgt wurde. Auf den Spuren seines Ururgroßvaters fotografierte Antoine Wagner Landschaften zwischen dem Bodensee und Zürich. „Das bin ich sechs Wochen lang abgelaufen“, berichtete der Fotograf. Richard Wagner ist übrigens ein gutes Beispiel dafür, wie kreativ Exil sein kann. „Er hat die meisten seiner berühmten Opern in den zehn Jahren seines Exils geschrieben“, erzählt der Ururenkel.

Lebensgeschichten


Die 21 Künstler, die Antoine Wagner fotografiert hat, sollten ein breites Spektrum von Migranten darstellen. Aus möglichst vielen verschiedenen Ländern kommen und möglichst verschiedene Künste betreiben. Sie sind aus China, dem Irak, aus Afghanistan und Vietnam geflohen oder durch ihre Eltern nach Deutschland gekommen. Sie sind Musiker, Schauspieler, Illustratoren, Maler, Journalisten. Der chinesische Journalist und Kolumnist Chang Ping ist einer von ihnen. Er erhielt 2008 in China Berufsverbot, weil er sich immer wieder kritisch über Vorgänge in seiner Heimat geäußert hatte. Seit 2011 lebt er in Deutschland. Ihm hat die Natur in Deutschland, die er als noch nicht so zerstört empfindet wie in China, geholfen, über seine Situation nachzudenken. „Das hat mich beruhigt, so konnte ich meinem Inneren etwas näher kommen“, sagte er bei der Ausstellungseröffnung. (ch)

Die Ausstellung „Exil“ ist bis zum 4. Oktober im Völkerkundemuseum zu sehen. Weitere Infos zur Ausstellung: www.voelkerkundemuseum.com
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