Hamburg: Erst klischeehafte Langeweile, dann Horror-Trash

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Frau Grau (Nina Petri), Frau Töss (Julia Jäger) und Frau Merz-Dulschmann (Marion Martienzen) (v.l.) lassen sich von Horst (Kai Hufnagel) verwöhnenFoto: Bo Lahola/wb

„Die Damen warten“ von Sibylle Berg in den Kammerspielen enttäuscht mit Dauerplauderei frustrierter Ü-40-Frauen

Hamburg. Eine kleine bissige Plauderei über die Rollen der Geschlechter. So beginnt „Die Damen warten“ von Sibylle Berg.
Zwei Damen und ein Mann tauschen ihre Standpunkte aus. Dann beginnt die Handlung, sollte man meinen. Vier Damen über 40 spendiert die Regierung einen kostenlosen Wellnesstag. Bevor die verschiedenen Prozeduren beginnen, müssen sich die Glücklichen an einer Art Wahrheitsautomaten anmelden und dabei die Gründe für ihr nicht gerade glücklich verlaufendes Leben nennen.
Dann nimmt Horst sie in die Mangel, der Mann, der heute nur für sie da ist, weniger physisch als sprachlich. Die Plauderei geht weiter. Eine Handlung bleibt aus. Die vier Damen klagen über ihr Leben, ärgern sich über Männer, schildern mal sarkastisch, mal bissig, mal lakonisch trocken ihre desillusionierten Gemütslagen.
Horst hält weinerlich dagegen, macht die Frauen für sein Unglück verantwortlich. Der Geschlechterkampf ist voll entbrannt. Auf nicht gerade hohem Niveau.

Klischeehafte Damen

Die vier Damen könnten klischeehafter nicht sein: eine emanzipierte Wissenschaftlerin, die der Liebe abgeschworen hat, eine vollbusige Dauergeliebte, eine Mutti mit Familie, die alles schön haben will, und eine wortkarge alleinerziehende Angestellte. Die hauen sich ziemlich abgestandene Argumente und Ansichten um die Ohren, die in immerhin mitunter ganz unterhaltsamen Dialogen vorgetragen werden. Doch dabei bleibt´s. Eine Entwicklung findet nicht statt. Bis zum Ende. Dann mutiert die Dauerplauderei in schlechten Horror-Trash, wenn die frustrierten Über-40-jährigen sich auf Horst stürzen und ihn massakrieren, um anschließend auf Schaukeln das Hohelied auf die Frau zu singen.

Gut besuchtes Nischenprogramm

Die Kammerspiele sollten sich Gedanken über das Niveau ihrer en-suite-gespielten Produktionen machen. Sie haben so schöne „Nischenprogramme“, die nur sehr selten zu sehen, aber gut besucht sind, wie kürzlich zu erfahren war. Vielleicht wären sie doch mal etwas fürs Hauptprogramm? „Die Damen warten“ ist bis zum 2. März in den Hamburger Kammerspielen, Hartungstraße 9-11, zu sehen. (ch)
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