Jede Menge Eigen-Arten

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Kai Peters hat Eigenarten vor 16 Jahren mit ins Leben gerufen hat und gehört seither zum Organisationsteam Foto: cb

Festival startet am 29. Oktober. Was im Goldbekhaus los ist

Winterhude Das Eigenarten Festivalsteckt voller interkultureller Energie und Fantasie: Worum andernorts gerungen wird, das wird hier gelebt. Ob Schauspielerinnen mit türkischen, polnischen und chinesischen Wurzeln ihr Theaterstück zum Thema „Heimat“ präsentieren oder Musiker aus Deutschland und Bulgarien sich gegenseitig inspirieren. Mal geht es um Poesie, mal um Flucht, mal um politischen Diskurs, mal um Lebenslust . Bereits zum 16. Mal kommen Künstler aus aller Welt, die in Hamburg leben und arbeiten, unter dem Dach des Eigenarten Festivals zusammen. Im Goldbekhaus und an weiteren Veranstaltungsorten in ganz Hamburg sind vom 29. Oktober bis 8. November, ihre neuen Produktionen aus den Bereichen Tanz und Theater, Film und Musik, bildender Kunst und Literatur zu sehen. Insgesamt 37 Veranstaltungen, darunter neun Premieren, und zwei Ausstellungen. Im Winterhuder Stadtteilzentrum Goldbekhaus, Moorfuhrtweg 9, machen am Freitag, 30. Oktober, um 19.30 Uhr zehn junge Darsteller, die aus Afghanistan, Kurdistan und Montenegro geflüchtet sind, den Auftakt. In ihrem Theaterstück „Djihad für die Liebe“ inszenieren sie in Anbetracht der aktuellen Weltlage ihre Sicht auf Gott und die Welt – mit Texten von Rilke und Hafez, von muslimischen Gelehrten und Zitaten aus der Bibel und dem Koran, die sie mit ihren Choreografien verbinden (Eintritt 12/10 Euro).

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enn Saxofon auf Schlagzeug trifft


Um 20.30 Uhr trifft das bulgarisch-deutsche Duo Doublepuls auf eine Herausforderung der besonderen Art: Die Melodien der Saxofonistin Boriana Dimitrova und der in Deutschland geborene Niels Henrik Heinsohn mit seinem Schlagzeugspiel verschmelzen mit den Klängen von Pianistin Daria Karmina Iossifova. (1 4/12 Euro).
Was bedeutet Heimat den Deutschen? Und was den unfreiwillig Heimatlosen und den Hin-und-her-Gerissenen? Dem gehen die zehn Schauspielerinnen des interkulturellen Theaterprojektes ‚Fremd so nah‘ in ihrer Premiere von „Neue Heimat“ am Sonnabend, den 31. Oktober, um 20 Uhr im Goldbekhaus nach. Ihr Ausgangspunkt: Die bunte Mischung ist längst Realität. Aber statt auf ein fröhliches Fest der Kulturen trifft man im Alltag auf Trennungen, Vorurteile und Unverständnis. (12/10 Euro).
Das World Drum Trio hat seinen ganz eigenen Sound aus afrikanischen, indischen und südamerikanischen Trommelklängen geschaffen und damit bereits eine große Fangemeinde um sich versammelt. Gäste beim Auftritt am Sonnabend, den 31. Oktober, um 20.30 Uhr, sind ein Sitarspieler aus Kolkata und eine klassische indische Tänzerin, die mit ihrer Ausstrahlung die Musik zu neuen Höhepunkten führt (14/12 Euro).

Die Frage nach dem Habenwollen


Familienunterhaltung bietet das Schauspiel „Vom Fischer und seiner Frau“ am Sonntag, 1. November, um 15 Uhr. Wer kennt es nicht, dieses Märchen vom Habenwollen, Holenmüssen und Loslassensollen, das nichts von seiner Aktualität verloren hat? In diesem Stück für Zuschauer ab vier Jahren soll die auch für Erwachsene wichtige Frage kindgerecht beantwortet werden (8/5/3 Euro). (cb)

Weitere Informationen zum Programm und Karten unter www.festival-eigenarten.de, Telefon 43 28 07 67 und per E-Mail an karten@festival-eigenarten.de

Interview: „Es geht ums Besser- und ums Überleben“
Kai Peters hat Eigenarten vor 16 Jahren mit ins Leben gerufen hat und gehört seither zum Organisationsteam. Mit Winterhude ist der Kulturmanager besonders über das Goldbekhaus verbunden. Hier engagiert er sich seit vielen Jahren im Vorstand.

Wochenblatt: Herr Peters, dieses Jahr konnte die Eigenarten-Jury für das Festival-Programm aus über 80 kulturellen Beiträgen auswählen. Was fällt Ihnen dabei am meisten auf, wenn Sie 16 Jahre Eigenarten überblicken?
Kai Peters: Die interkulturellen Produktionen sind im Laufe der Zeit spürbar selbstbewusster, frecher und mutiger geworden. Die Künstler verstehen sich zunehmend als Menschen, die selbst etwas einbringen können. Dabei muss man sehen, dass die Künstler, die bei uns mitmachen, bereits in Hamburg ihre Heimat gefunden haben - die Stimmung wird von einem positiven Grundgefühl bestimmt.

WB: Spiegelt sich denn trotzdem auch die aktuelle Flüchtlingssituation im Programm wider?
Peters: Die Kunst ist da ganz nah dran – schon im vorigen Jahr reflektierte zum Beispiel das Stück „Mare nostrum?“ ganz konkret das Sterben im Mittelmeer. Die Flüchtlingsfrage ist natürlich inzwischen noch stärker in den Fokus gerückt, weil sich die Probleme verschärfen: Es geht nicht nur um ein besseres Leben, sondern es geht ums Überleben.

WB: Die Frage danach, wie wir zukünftig zusammenleben können und wollen, ist eines der zurzeit wichtigsten Themen. Welchen Beitrag kann ein Festival wie Eigenarten dazu leisten?
Peters: Unser Kernsatz lautet: Das Interessante liegt im Zwischen. Nicht das Internationale im Sinne von Gleichförmigkeit, sondern gerade die Andersartigkeit interessiert uns. Uns geht es darum, sich im Unterschiedlich-Sein mit Selbstvertrauen und auf Augenhöhe zu begegnen. Man gibt sich gegenseitig eine Chance, tritt miteinander in Kontakt, man hört dem anderen zu und geht aufeinander zu. (cb)
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