Literatur im Minibuch

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Häufiger Gast im Café May in der Alsterdorfer Straße: Autor und Verleger Lou A. Probsthayn (55) Foto: Flüß

Autor und Verleger Lou A. Probsthayn steht auf „Quickies“

Winterhude „Wir haben die Gummibärchen erlöst“, freut sich Lou A. Probsthayn. Der Autor aus Winterhude verlegt Kurzgeschichten renommierter Schriftsteller im Pixi-Buchformat. Mehr als 30 Hotels deutschlandweit finden die Idee so gut, dass sie die kariesfördernden Süßigkeiten-Beutel auf den Kopfkissen gegen die Gute-Nacht-Lektüre im Pocketformat eingetauscht haben. Darunter auch das Elysee Hotel. „Literatur Quickie“ heißt der schnelle Kulturgenuss treffend. „Entstanden ist die Idee aus einer Rotweinlaune, als ein Freund eines dieser kleinen Kinderbücher mitbrachte. Das müsste es auch für Erwachsene geben, fanden wir“, erinnert sich der Winterhuder. „Wir“ – das waren damals Probsthayn und Gunter Gerlach, ebenfalls Autor. Die beiden veranstalteten bereits erfolgreich die wöchentlich stattfindende Kurzlesereihe „Literatur Quickie“.
Aus den Verlagsplänen verabschiedetet Gerlach sich angesichts des hohen administrativen Aufwands schnell wieder, aber Probsthayn blieb dran und gab der Kurzgeschichte ein eigenes Format: „Das Genre geht sonst unter, nur wenige Verlage publizieren Erzählbände.“ Mittlerweile hat er 80 literarische Titel, fünf Kunsttitel und fünf Graphic Novels im Programm. Fast alle renommierten Autoren der Gegenwartsliteratur wie Juli Zeh, Monique Schwitter, Karen Köhler, Finn-Ole Heinrich oder Mirko Bonné sind bei ihm zu finden. 90 Prozent von ihnen wurden erstmals als Literatur Quickie verlegt. Neben Hotel-Kopfkissen findet man die kleinen Bücher auf zahlreichen Design-Märkten, kann sie im Abonnement oder in jeder Buchhandlung bestellen.

„Das Genre geht sonst unter, nur wenige Verlage publizieren Erzählbände.“ Lou A. Probsthayn

„Ich erhalte ein bedrohtes Genre am Leben und biete mit diesem Zwischenformat die Möglichkeit, einen Autor auf 20, 30 Seiten kennenzulernen“, resümiert Probsthayn. Auch für die Belebung der „Kulturwüste Winterhude“ setzt der Autor, der im Spätsommer mit einem Arbeitsstipendium der Kulturbehörde in Dänemark an seinem neuen Roman arbeiten wird, sich ein: Die Kurzlesereihe „Literatur Quickie“ hat nach ihrem erfolgreichen Start 2007 in Eimsbüttel nun ihre Heimat in Winterhude gefunden. An jedem letzten Sonntag des Monats laden Probsthayn und Gunter Gerlach fünf Autoren ein, die jeweils 17 Minuten aus ihrem Werk lesen. Am Sonntag, 31. Mai, um 16 Uhr findet der letzte Quickie vor der Sommerpause statt. Es lesen Michael Weins, Frank Schulz, Kristine Biklau, Lars Henken und Gunter Gerlach im Tengg im Tafelspitz, Himmelstraße 5a.
Auch wenn das kulturelle Leben für Probsthayns Geschmack stagniert, ist um ihn herum vieles in Bewegung in Winterhude. Mit Frau, zwei Kindern und Wolfshund Ida lebt er nahe der Alsterdorfer Straße: „Die Alsterdorfer Straße hat sich nach unserem Einzug 2002 sehr zum Positiven entwickelt. Die Mischung ist hier gesund, es gibt noch viele Einzelhändler“, beobachtet der Autor, dessen Eltern wenige Monate nach seiner Geburt 1960 von Ost-Berlin nach Hamburg flüchteten. Seit seinem 17. Lebensjahr lebte Probsthayn immer abwechselnd in Eppendorf und Winterhude, unter anderem am Mühlenkamp: „Dort gab es früher eine Migranten- und Studenten-Szene, aber die ist nicht mehr vorhanden“, bedauert er und macht sich auf den Weg zurück in sein Wohn- und Arbeitshaus im Baumkamp, zur Gummibärchen-Befreiung und „Autoren-Ernte“ für kommende Literatur Quickies. (flü)

Weitere Infos: Literatur Quickie
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