Sie wollen einfach nur spielen

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Peter G. Dirmeier (41), Philipp K. Djanali (50) und Silke Roca (50, v.li.n.re.) auf ihrer Bühne Foto: Flüß

Das Echtzeit-Studio in der Alsterdorfer Straße 15 ist die kleinste Bühne im Stadtteil

Winterhude „Seid Ihr eine Sekte?“ Das wurden Silke Roca und Peter G. Dirmeier vom Echtzeit-Studio vor sieben Jahren häufig von Passanten gefragt, die sich über die hochgezogenen Jalousien in der Alsterdorfer Straße 15 wunderten. Sektenmitglieder sind Roca und Dirmeier nicht. Die beiden sind Schauspieler und wollen einfach nur spielen. Im Januar 2008 verwirklichten sie ihren Traum vom eigenen Theater in Winterhude. Und weil die „kleinste Bühne“ im Stadtteil nicht aus dem Stand heraus und ohne Subventionen vom Spielbetrieb leben konnte, wurden die Räume für eine Galerie und Kursräume mitgenutzt. Vor der Bühne fand dann bei geschlossenen Jalousien auch mal Autogenes Training statt. „Gewartet hat auf uns niemand“, erinnert sich Dirmeier (41). Der Bayer und die gebürtige Marburgerin Roca haben sich 1999 beim Bochumer „Jedermann“ kennengelernt und zusammen am Duisburger Stadttheater gespielt. Zufällig landeten beide in Hamburg, nur wenige Meter entfernt voneinander in Winterhude. Zusammen spielten sie im Monsun Theater, im Gedok oder in der Kunsthalle, immer auf der Suche nach Orten, zu denen ihre Stücke passten. „Eigentlich wäre es doch super, mal einen eigenen Raum zu haben“, fanden sie. Dass sie diesen in ihrem Kiez fanden war ein großes Glück. Die Kursräume wurden mittlerweile aufgegeben, dafür beherbergt das Echtzeit Studio seit 2010 ein Café mit Silkes selbstgebackenem Kuchen und dritter im Bunde ist Philipp Djanani. „Hier ist unser Spielplatz. Wir machen das Theater, worauf wir Bock haben“, schwärmt Peter G. Dirmeier. „Das ist eine große Freiheit, die zwischendurch aber auch bezahlt werden muss. Wir machen deshalb ein Programm, das wir auch weiterverkaufen können.“ Verbiegen müssen sich die leidenschaftlichen Schauspieler, die auch viele Uraufführungen auf die Bühne bringen, dafür aber nicht. „Unser Ding ist es, die Leute zu unterhalten mit gut gemachten, intelligenten Texten, die auch zu Herzen gehen dürfen. Auch sehr ernste Stücke sind dabei“, erzählt Dirmeier und Roca ergänzt: „Wir überraschen uns selbst gern und möchten alle Altersgruppen abdecken.“ Besonders ältere Winterhuder hätten das Echtzeit Studio als ihr „zweites Wohnzimmer“ entdeckt: „Wir sind mit dem Stadtteil sehr verbunden“, schwärmt Dirmeier. „Wenn der 109er vorbeibrettert, kriegen wir heimatliche Gefühle!“ Spielzeiteröffnung war am 29. August und am 5. September zur Theaternacht werden sich vermutlich wieder viele Neugierige in der Alsterdorfer Straße 15 drängen. (flü)

Weitere Infos: echtzeit studio
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