Theater Kontraste mit neuer Inszenierung

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Frau Ting (Yvonne Yung Hee Borgmann) lässt‘s krachen. Die deutschen Kinder (Dominik Bliefert, Meiek Anna Stock) sind begeistert, Mutti (Rabea Lübbe) und Vati (Konstantin Graudus) (im Hintergrund) dagegen schockiert Foto: Oliver Fantitsch

„Hinter der Mauer ist das Glück“ zeigt eine typisch deutsche Familie in nicht allzu ferner Zukunft

Winterhude So könnte eine deutsche Familie in nicht allzu ferner Zukunft leben: Gegessen und getrunken wird nur Bio aus der Region. Plastik und Technik sind als Teufelszeug gebrandmarkt. Die Kinder sind artig und schlafen viel. Und vor allem: Man bleibt als Deutsche unter sich und reist nicht mehr in andere Länder. Denn die Deutschen haben in Benjamin Lauterbachs Stück „Hinter der Mauer ist das Glück“ im „Theater Kontraste“ im Winterhuder Fährhaus, Saal 2, wieder eine Mauer gebaut. Sie haben sich abgeschottet von allen Nichtdeutschen und führen ein streng geregeltes Leben aus Gesundheit und Deutschtümelei. Nationalismus und Ökologie sind eine schaurige Allianz eingegangen. Murat Yeginer, der hier vor einem Jahr bereits zum selben Thema das Stück „Wir sind keine Barbaren“ inszenierte, lässt die deutsche Musterfamilie um einen Holztisch herum spielen, in dessen Inneren sich Räume befinden. Dort fertigt der Familienvater, der Erfnder ist, einen mysteriösen „Teiler“ an, dessen Bedeutung im Dunkeln bleibt. Hier wird auch „der Chinese“ ein Zimmer beziehen, den die Familie sehnsüchtig erwartet, ein Gast aus Fernost, der das Leben einer deutschen Familie studieren soll, damit die Chinesen auch endlich glücklich und zufrieden leben können. Denn die Chinesen sind arm, erklärt Vati. Doch schon die erste Begegnung mit dem Gast lässt die Musterfamilie zur Salzsäule erstarren: „der Chinese“ ist eine Chinesin. Frau Ting hat Spielzeug für die Kinder und einen vollautomatischen Staubsauger für die Hausfrau mitgebracht. In den Augen der Gastgeber Teufelszeug. Noch bleibt man höflich, doch der Besuch der Chinesin hat Folgen. Die Kinder sind begeistert von dem chinesischen Spielzeug und stellen die Erziehung ihrer Eltern zunehmend in Frage. (ch)

Noch zu sehen bis 26. Oktober im Theater Kontraste, Winterhuder Fährhaus, Hudtwackerstraße 13. Karten: 26 (19) Euro, Telefon 480 680 80
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