Achtung, Achtung – Taube im Anflug!

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Wer seinen Balkon länger nicht betreten hat, könnte unfreiwillig zur „Taubenmutti“ werden. In der Stadt sind die Vögel jetzt vermehrt auf der Suche nach Brutplätzen Foto: ife
 
Eine falsche Krähe bewacht jetzt den Balkon von Redakteurin Ines Fedder Foto: ife

Mission „Balkon zurückerobern“: Was tun, wenn man plötzlich tierische Mitbewohner hat?

Von Ines Fedder
Hamburg
Auch wenn sich die Sonne in Hamburg gerade wieder kurz verabschiedet hat, ein paar Sonnenstrahlen gab es schon. Wer sich allerdings, so wie ich, den Winter über auf seinem Balkon nicht hat blicken lassen, für den könnte es eine schlüpfrige Überraschung geben. Denn während der schmuddeligen Tage hat sich ein turtelndes Taubenpaar dazu entschieden, auf meinem Balkon zu nisten. Die Überraschung war verständlicherweise groß, als ich das Taubennest samt zwei Eier gut versteckt hinter den Blumentöpfen erspähte. Wie man in einem solchen Fall reagiert, darüber macht man sich wohl erst Gedanken, wenn man selbst in diese Lage gerät. Dabei ist die vermehrte Stadttauben-Population in Hamburg ein bekanntes Problem. Ein kurzer Blick ins Internet brachte mich schnell an die richtige Adresse.

Nest entfernen

„Ob man das Nest einfach entfernt oder die Vögel brüten lässt, das ist eine Ermessenssache“, erklärt Maria Hanika vom Verein Hamburger Stadttauben. Der Verein kümmert sich um das Wohl der Tiere, hat sogar ein Notruf-Telefon (Telefon 040/84 20 25 01) eingerichtet. „Es dauert circa drei Wochen, bis die Küken geschlüpft sind und dann noch einmal fünf Wochen, bis sie flugreif sind“, erklärt mir Maria Hanika. Das ist eine lange Zeit. „Wenn man die Tiere einmal brüten lässt, kommen sie immer wieder. Ruhige Stunden hast du dann nicht mehr,“ redet mir mein Nachbar Dieter Schumacher ins Gewissen, der sich hier in unserem Haus seit Jahren um die Belange der Mieter kümmert. Eine Gewissensfrage also, die für mich schnell beantwortet ist. Schweren Herzens entfernen Dieter und ich das Nest, nicht jedoch ohne den faden Beigeschmack zu spüren.

Taubenfütterungsverbot

Ein wenig Beruhigung konnte mir allerdings Maria Hanika vom Stadttauben-Verein verschaffen: „Die Vögel haben heute ein sehr schlechtes Leben mit widrigen Umständen. Man muss wissen, dass sie fast 90 Prozent ihrer Brut nicht durchbringen.“ Grund dafür ist in erster Linie der Nahrungsmangel. Füttern darf man die Tauben in Hamburg trotzdem nicht. Seit 2003 gibt es hier das Taubenfütterungsverbot. Eine umstrittene Maßnahme, damit sich die Tauben nicht weiter verbreiten. In den Augen des Stadttauben-Vereins eindeutig Tierquälerei. Gemeinsam mit dem Tierschutzverein sucht der Verein daher nach Alternativen. Seit 2016 gibt es in St. Georg auf der Centrum-Moschee und im Mäuseturm des Hauptbahnhofs zwei Taubenschläge, in denen die Tiere brüten können (das Wochenblatt berichtete). Die Eier werden anschließend mit Gipseiern ausgetauscht, so dass sich die Vögel nicht weiter unkontrolliert vermehren. Eine weitere Idee des Vereins Hamburger Stadttauben: Die Errichtung eines betreuten Futterplatzes, bei denen die Vögel regelmäßig zu einer bestimmten Uhrzeit gefüttert werden, so dass sie anschließend wieder davon fliegen können und nicht weiter am Boden auf Nahrungssuche gehen. Bisher wurde dieser Vorschlag von der Stadt jedoch vehement abgeblockt, die Gefahr, dass sich die Tauben weiter zunehmend vermehren, sei einfach zu groß. Damit sich bei mir auf dem Balkon nicht noch einmal ein Taubenpaar niederlässt, habe ich mir eine „falsche Krähe“ besorgt, die ab sofort als Abschreckung dient. Ob das wirklich etwas bringt, wird sich allerdings noch zeigen.

Weitere Infos: Hamburger Stadttauben und Tiere in der Stadt

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