Ärger am Mühlenkamp

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Genau hier könnte die neue Bushaltestelle entstehen: Wolfgang Kaufholz und Anwohnerin Elke Simon schauen sich noch einmal die Umgestaltungspläne am Mühlenkamp anFoto: nk
 
Großes Interesse an der Planungswekstatt Mühlenkamp

Planungswerkstatt: Bei Bus-Bauprogramm übergangen

Von Nicole Kuchenbecker
Winterhude. Schlechte Stimmung am Mühlenkamp. Was eigentlich als „Suchen von gemeinsamen Lösungen“ angedacht war, endete in einem Fiasko: die Planungswerkstatt im Goldbekhaus entwickelte sich zu einer Farce.
Unmut bei den Politikern, Unmut bei Anwohnern und Geschäftsleuten. Mit einer reinen Vorstellung eines Umgestaltungsplanes mit Schwerpunkt Busbeschleunigung mit anschließender Diskussion und Workshop hätte wohl niemand der 50 Teilnehmer der Planungswerkstatt gerechnet. „Diese Planungen sind eine Katastrophe“, sind sich Christoph Ploß, verkehrspolitischer Sprecher der CDU im Bezirk Nord, und Sven-C. Bergmann, Kreisvorsitzender der Mittestandsvereinigung (MIT) im Bezirk Nord einig, „eine wichtige Querverbindung (Gertigstraße, Anm. d. Red.) wird durch die Vorhaben von Bürgermeister Scholz im Quartier kaputt gemacht und dadurch den örtlichen Gewerbetreibenden systematisch geschadet. Das 259 Millionen Euro teure Busbeschleunigungsprogramm von Bürgermeister Olaf Scholz wird immer mehr zu einem Fiasko für unsere Stadt!“ Dabei war der Tenor des vorgestellten Konzeptes denkbar einfach: Die Errichtung eines Fahrradstreifens und die Verlegung der Bushaltestelle Gertigstraße vor den Mühlenkamp 10 bis 18. Doch das würde das Aus ihrer Existenz bedeuten, befürchten Gewerbetreibende.
Dorothee Gutschmidt, die seit mehr als 25 Jahren ein Blumenfachgeschäft am Mühlenkamp betreibt, sieht ihr Lebenswerk bedroht. Ihr Blumenladen liegt direkt in der geplanten neuen Buseinstiegszone. Ihre Außenflächen, die sie derzeit auf dem bereits schon heute schmalen Gehweg hat, würden komplett wegfallen. Gutschmidt: „Dieses Konzept ist von vorn bis hinten nicht durchdacht.“ Unverständnis auch bei Anwohnerin Elke Simon. Sie versteht es nicht, warum ein Bus 30 Sekunden schneller sein muss, wenn dabei die Existenz der Kaufleute leichtfertig aufs Spiel gesetzt wird. Denn das wäre die Zeitersparnis, welche die Verlegung der Bushaltestelle bringen würde.
Für Wolfgang Kaufholz macht die geplante Verlegung der Bushaltestelle keinen Sinn. Warum man gerade an die schmalste Stelle des Mühlenkamps eine Bushaltestelle bauen will, ist für ihn unverständlich. Kaufholz: „Wenn man die Einstiegszone abrechnen würde, bliebe nach dem Bau nur noch knapp ein Meter Fußweg übrig.“
Der Weinhändler, der jahrelang als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Universität Hamburg im Fachbereich Wirtschaftswissenschaft am Institut für Verkehrswissenschaften tätig war, hat einen anderen Lösungsvorschlag: Wenn Linksabbieger in Richtung Poelchaukamp und auch auf der Geradeausspur Mühlenkamp gleichzeitig und in gleicher Länge eine Grünphase hätten, würde dies seiner Meinung nach zu einer Entzerrung des Verkehrsnadelöhrs Mühlenkamp führen. Auch Kaufholz Weinhandlung ist durch die geplante Bushaltestellenverlegung betroffen; er befürchtet, dass seine Kundschaft, die darauf angewiesen ist, kurz vor dem Geschäft zu halten und die Weinkartons einzuladen, wegfallen würde.
Die Vorbereitungen und Durchführung der Planungswerkstatt rufen verschiedenste Kritiker auf den Plan: Obwohl Institutionen, Interessengemeinschaften und Politiker zu dieser Veranstaltung eingeladen werden sollten, verzichtete das vom Bezirksamt beauftragte Unternehmen Konsalt auf eine gesonderte Einladung und ließ stattdessen 50 Plakate rund um den Mühlenkamp aufstellen. Weiter wird auch die Terminwahl, an einem Freitag in den Ferien, bemängelt.
„Wir nehmen die Kritik an der Kommunikation im Vorfeld sehr ernst“, sagt Bezirksamts-Sprecherin Katja Glahn auf Anfrage, „auf der kommenden Sitzung des Regionalausschuss Eppendorf/Winterhude am 26. August möchte sich Fachamtsleiter Management des Öffentlichen Raums, Egbert Willing, auch dazu äußern.“ SPD-Bezirksabgeordneter Markus Hahn freute sich dennoch, dass so viele Interessierte an der Veranstaltung teilgenommen haben: „Ich finde es schön, dass die Problematik Mühlenkamp endlich angegangen wird.“
Wolfgang Kroll von der Bürgerinitiative Unser Mühlenkamp lehnt das auf der Planungswerkstatt vorgestellte Konzept ab und hat ganz klare Forderungen in Richtung Politik: „Dass der Regionalausschuss Eppendorf /Winterhude diese Planung einstimmig ablehnt.“ Martin Bill, Bezirksabgeordneter der Grünen und Vorsitzender des Regionalausschusses, hätte sich eine ergebnisoffene Diskussion gewünscht. Der Politiker: „Das letzte Wort zur Busbeschleunigung ist hier noch nicht gesprochen.“
Das stimmt wohl, denn erneut „geistert“ da das Gespenst Metrobus Linie 15, eine Verlängerung der Buslinie bis Barmbek Bahnhof, durch die Reihen. Und was so mancher befürchtet hatte, bestätigte nun auch VHH-Sprecher Martin Beckmann: „Konkrete Planungen sind das noch nicht, aber von ‚auf Eis gelegt‘ kann auch keine Rede sein.“
Was passieren muss, damit die Linie 15 doch noch kommt, lesen Sie in der kommenden Ausgabe. (nk)
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