Als die Peitschen knapp wurden

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Bei Kathy Mussäus gibt es maßgefertigte Korsetts und Dessous Foto: Flüß

Die Inhaberin der „Kleinen Freiheit“ über Bucherfolge, Lust im Alter und pubertierende Jungs

Winterhude „Rot werde ich nur noch ganz selten“, sagt Kathy Mussäus. Als die 43jährige vor einigen Jahren als Aushilfe in dem Winterhuder Erotik-Shop für Frauen „Kleine Freiheit“ anfing, war das noch anders: „Ich bin wirklich oft rot geworden und dachte mir: Du sprichst hier über Themen, über die Du sonst nicht redest!“
Mittlerweile ist Kathy Mussäus Inhaberin des Geschäftes in der Hudtwalcker Straße, das so gar nichts Verruchtes oder Schmuddeliges hat. Das liegt nicht nur an der stilvollen Einrichtung sondern auch an der fröhlich-bodenständigen Inhaberin. Die Bedürfnisse und auch Probleme ihrer vorwiegend weiblichen, zwischen 35 und 50 Jahre alten Kundschaft sind selbstverständlich für die ehemalige Unternehmensberaterin geworden. „Mit meinem Beruf war ich nie richtig glücklich“, sagt Mussäus. Sie hat sich eine Auszeit genommen, reiste ein Jahr durch Südamerika und Indien und begann danach als Aushilfe in der „Kleinen Freiheit“. „Das war ein Volltreffer!“ freut sie sich. Dessous, Korsagen, Sex-Spielzeug, DVDs und hochwertige Massage-Öle bietet Kathy Mussäus mitten im gutsituiert-bürgerlichen Winterhude an. „Meine Kundinnen sind froh, dass sie nicht auf den Kiez müssen“, sagt Mussäus. Viele Frauen hätten sich anfangs kaum in das Geschäft getraut. Im Laufe der Jahre ist der Umgang mit den eigenen Bedürfnissen viel offener und selbstverständlicher geworden, hat Kathy Mussäus beobachtet. Auch 70jährige Frauen kommen in ihren Shop. „Auch im Alter die Lust zu leben finde ich super!“ Vielen Kundinnen wird die „Kleine Freiheit“ von ihren Frauenärzten oder Hebammen empfohlen. Spielzeug wie beispielsweise die sogenannten „Liebeskugeln“ haben neben dem lustvollen nämlich auch einen guten Trainingseffekt für den Beckenboden. Um ihre Kundinnen noch umfassender beraten zu können und tiefer in die ganzheitlichen Zusammenhänge von Körper, Emotion und Geist einzudringen, absolviert Kathy Mussäus seit drei Jahren eine Ausbildung zur Sexualberaterin. „In der Werbung wird zwar viel kokettiert“, sagt sie „aber bei Frauen ist die Auseinandersetzung mit dem eigenen Geschlecht oft noch verpönt.“ Manche Fantasien werden erst durch Medien gesellschaftsfähig: „Als die Fifty Shades of Grey Bücher erschienen, habe ich kaum noch Peitschen und Handfesseln bekommen. Über die Qualität der Bücher kann man streiten, aber sie waren ein toller Türöffner.“ Im Laufe der Jahre finden auch mehr Männer den Weg durch die Tür der „Kleinen Freiheit“: „Es kommen Männer, die etwas für ihre Frauen kaufen möchten – oder weil die Frauen sich nicht trauen.“ Auch ganz junge Männer stecken hin und wieder die Köpfe durch die Tür oder rufen an: „Pubertierende Jungs fordert der Laden heraus“, sagt Mussäus lachend. „Manchmal rufen die an und fragen nach Dildos. Anfangs habe ich dann ruppig reagiert, aber jetzt versuche ich, sie abzuholen und frage nach, was sie genau wissen wollen.“ (flü)
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1 Kommentar
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Tobias Tantius aus Fuhlsbüttel | 30.06.2015 | 12:36  
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