Alte Häuser sacken ab

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Das Haus Brabandstraße 7 sackte um 6 bis 7 Grad nach hinten, als nebenan ein Neubau gebaut wurdeFotos: Hanke
 
Edeltraut Ness zeigt, wo ein dicker Riss durch die Schwimmbad-Mauer geht

Grundwasser abgepumpt, Risse im Nachbar-Schwimmbad

Von Christian Hanke
Alsterdorf. Edeltraut Ness hat Angst und ist empört. Die freundliche Dame wohnt in der ruhigen Brabandstraße in einem 1960/61 erbauten schönen Einzelhaus. Seit einem halben Jahr ist es nicht mehr ruhig. Auf dem Nachbargrundstück wird ununterbrochen gepumpt und im Schwimmbad und im Badezimmer von Edeltraut Ness zeigen sich Risse, die sich zum Teil vergrößert haben. Ihre Nachbarin war bis vor zwei Jahren die beliebte Schauspielerin Witta Pohl. Deren kleine Villa wurde abgerissen. Die Top Bauträger GmbH aus Villingen-Schwenningen hat das Grundstück gemeinsam mit dem Hamburger Rechtsanwalt Jörg von Schwabe erworben. Auch die Familie Voscherau soll an dem Eigentum der Fläche beteiligt sein. Vier Doppelhäuser werden hier jetzt gebaut. Doch vorher musste Grundwasser abgepumpt werden. Das war nicht nur laut. Es führte, so glaubt Edeltraut Ness, auch zu Absenkungen in ihrem Garten und zu einem Riss in der Schwimmbad-Mauer, der sich, so hat die Eigentümerin beobachtet, in letzter Zeit vergrößert hat. Auch im Badezimmer zeigen sich neuerdings ganz feine Risse. Edeltraut Ness beschwerte sich bei den neuen Nachbarn. Ein Gutachten wurde erstellt, das besagte, dass die Risse auf ihrem Grundstück nicht mit dem Neubau zusammenhängen. Edeltraut Ness kann es nicht glauben.
Grundwasserabsenkung
„Der Riss am Schwimmbad hat sich in letzter Zeit vergrößert. Ich habe nachgemessen“, erzählt sie. Nach ihrer Beschwerde erhielt sie außerdem ein Kaufangebot von den neuen Nachbarn. Rund 260.000 Euro boten sie für die Villa. Edeltraut Ness sollte im Fall eines Verkaufs 2015 ausziehen. Die Eigentümerin reagierte erneut empört: „Ich verschenke mein Grundstück doch nicht!“ Dietrich Schultes, einem guten Bekannten von Edeltraut Ness, drohte ein ähnliches Problem. Er wohnt im Maienweg in unmittelbarer Nachbarschaft des Grundstücks an der Ecke Alsterkrugchaussee / Alsterdorfer Damm, das neu bebaut werden soll. Hier stand einst die Villa, in der Max Schmeling wohnte und in die später Schlagersänger Freddy Quinn einzog. Auch hier war eine erhebliche Grundwasserabsenkung erforderlich, um überhaupt bauen zu können, die die Nachbarn beunruhigte, zumal das Grundstück um ein vielfaches größer ist als die Fläche hinter dem Haus von Edeltraut Ness. Doch nachdem Dietrich Schultes das Bezirksamt Hamburg-Nord auf die Gefahren aufmerksam machte, die mit dem Sinken des Grundwasserspiegels für die Nachbarn verbunden sind, reagierte Bezirksamtsleiter Harald Rösler prompt. Die trichterförmige Absenkung auf 6,10 Meter soll nun auf 4,40 Meter beschränkt werden. Was eine solche Grundwasserabsenkung bewirken kann, ist am Haus Brabandstraße 7 zu beobachten. Als neben dem schönen Altbau ein Neubau hochgezogen wurde, sackte Nr. 7 um sechs bis sieben Grad nach hinten.
Anwohner Dietrich Schultes erläutert anhand alter Alsterkarten, warum Hausbau in Alsterdorf, vor allem in Alsternähe, so schwierig ist.
Die Alster wurde von 1913 bis 1926 kanalisiert. Vorher mäandrierte sie wie jeder Fluss, bildete große Schleifen und Bögen, von denen Reste noch heute als kleine Kanäle vorhanden sind (Skagerrak- und Brabandkanal). „Die ganze Fläche, in der die Alster früher floss, ist auch heute noch sumpfig. Das wissen aber auswärtige Bauunternehmer nicht und werden durch das viele Grundwasser überrascht“, erläutert Schultes. Die Alster floss vor der Kanalisierung sogar genau über das heutige Grundstück Alsterkrugchaussee / Maienweg. Im Alsterdorfer Untergrund befinden sich viel Torf, Lehmlinsen und andere Sedimente. „Wenn dieses Gemisch austrocknet, senkt sich das Gelände und es besteht die Gefahr von Setzungsrissen“, erklärt Dietrich Schultes. Da die Bodenzusammensetzung aber äußerst unterschiedlich ist, sind auch die Folgen schwer berechenbar. Manchmal sinkt das Gelände ab, manchmal auch nicht.
An der Ecke Alsterkrugchaussee/Maienweg scheint die Gefahr gebannt. Glücklich sind die Nachbar aber trotzdem nicht. Auf dem einstigen Villengrundstück sollen 58 Wohnungen mit 81 Garagenplätzen gebaut werden. Dietrich Schultes hat schon gesehen, wie´s aussehen soll. „Wie übereinandergestapelte Schuhkartons“, findet der Alsterdorfer. Und das in Weiß. Wo doch in der Umgebung der typisch Hamburgische Rotklinker dominiert. Dietrich Schultes und viele seiner Nachbarn können das nicht verstehen. (ch)
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