Aus für die drei Kastanien

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Diese drei Kastanien vor dem früheren Restaurant Tre Castagne werden gefällt. Bauarbeiten für einen Neubau würden die Bäume beschädigen Fotos: Hanke
 
Bald Vergangenheit: das einstige Brauhaus an der Ecke Martini- und Eppendorfer Landstraße Foto: Hanke

Bezirksamt beschließt trotz Protesten Abriss von Tre Castagne

Von Christian Hanke
Hamburg. Die drei Kastanien vor dem früheren Restaurant Tre Castagne werden fallen, auch wenn viele es bedauern. Das wurde auf der letzten Sitzung des Regionalausschusses Eppendorf/Winterhude deutlich. Der Investor, der an der Ecke Eppendorfer Landstraße / Martinistraße neu bauen möchte, sein Rechtsanwalt und der beauftragte Architekt stellten ihr Projekt in diesem Ausschuss vor. Es baut auf dem Entwurf auf, der für dieses Grundstück und die angrenzenden Flächen in der Eppendorfer Landstraße vor eingen Jahren eingereicht wurde.

Statt Brauhaus nun ein Wohnhaus

Bisher war in dem kleinen Gebäudes das Rstaurant „Tre Castagne“ untergebracht, in Teilen eines alten Brauhauses aus dem 18. Jahrhundert. Nun will der Investor, Sohn des früheren Grundstücksbesitzers, ein Wohn- und Geschäftshaus mit 18 Wohnungen in Größen von 45 bis 85 Quadratmetern und einem Restaurant im Erdgeschoss errichten. Der Neubau orientiert sich an der Höhe des Nachbarhauses in der Martinistraße. Die Hausfront im Eckbereich Martini- / Eppendorfer Landstraße wird um 4,50 Meter zurückgenommen, wodurch eine kleine Grünfläche vor dem Gebäude angelegt werden kann. Die drei Kastanien aus dem Jahre 1920 können dadurch nach Ansicht des Investors aber nicht gerettet werden, weil sie durch die Anlieferung von Baumaterial und die Baustellensituation nachhaltig beschädigt würden. Dieser Auffassung hat sich das Bezirksamt angeschlossen. Obwohl die Bäume kerngesund sind, wie ein Gutachten im Auftrag der Initiative Wir-sind-Eppendorf festgestellt hatte. Wenn die Bäume gefällt werden, wird zwar nachgepflanzt, doch die neuen Bäume werden aufgrund der starken Verkehrsbelastung an dieser Stelle nicht wieder so hoch wie ihre Vorgänger, fürchten Kritiker.
Der positive Bauvorbescheid aus dem Dezember 2013 an den Investor lässt nun nichts anderes mehr zu, als diesen Plänen zu folgen, argumentiert das Bezirksamt. Alle Fraktionen bis auf die Linke schlossen sich trotz massiver Proteste aus dem Plenum dieser Argumentation an. Viele Gäste setzten sich für den Erhalt nicht nur der Bäume, sondern auch des kleinen Eckhauses an Martini- und Eppendorfer Landstraße ein, das als stadtteilprägendes Relikt der ersten Eppendorfer Bebauung empfunden wird.
Auch die CDU forderte in einem Antrag den Erhalt der Bäume. Ihr Abgeordneter Niklas Bohlen appellierte sogar an den Investor, angesichts der breiten Ablehnung des Abrisses und der Fällung der drei Kastanien, zumindest die Entscheidung, die Bäume zu fällen, noch einmal zu überdenken. Auch Michael Schilf von den Grünen forderte den Investor auf, noch einmal zu überlegen. Ihm kam die unglückliche Aufgabe zu, als Vertreter der Grünen mit dem neuen Koalitionspartner SPD für die Fällung von drei Bäumen zu votieren.

Initiative will klagen

Der Unmut über die Politik war groß im Saal. Die meisten Gäste fühlten sich in ihrem Willen, Haus und Bäume zu retten, nicht berücksichtigt. Eine Anwohnerin brachte den allgemeinen Ärger auf den Punkt: „Wie kann ein Bauvorbescheid getroffen werden, wenn ein ganzer Stadtteil dagegen ist?“ Auch Edith Aufdembrinke von Wir-sind-Eppendorf ärgerte sich: „Es ist erschreckend, wie hier über die Wünsche der Bürger hinweggegangen wird. Dem Willen, 6.000 Wohnungen zu bauen, wird alles untergeordnet. Man kann auch Altes erhalten und Neues darum herum bauen.“
Die Initiative will gegen das Bauvorhaben klagen. Götz von Grone von der Initiative führte ein Beispiel aus der unmittelbaren Nachbarschaft an, wie auch ganz anders entschieden werden kann. Das kleine Haus Erikastraße 50 aus dem Jahre 1911, das ein Investor ebenfalls abreißen möchte, darf stehen bleiben, weil es von der Stadt- und Landschaftsplanung als stadtteilprägend eingestuft wird.
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