Aus für die Schlosserei in Hamburg?

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Günther Fahlbusch arbeitet seit 18 Jahren in der Schlosserei Möller Fotos: Barth
 
Lange, schwere Metallstücke werden zweimal in der Woche angeliefert oder abgeholt

Traditions-Betrieb in der Gertigstraße fürchtet wegen Bus-Umbau um Existenz

Hamburg. Verlöschen die Flammen bald für immer? Das Schmiedefeuer in der Schlosserei von Vater Michael und Sohn Jörn Möller lodert nun schon in der siebten Generation. Doch durch geplante Umbaumaßnahmen für das Busbeschleunigungsprogramm sieht sich der Traditions-Handwerksbetrieb an der Gertigstraße 4 bedroht.

Die Schlosserei Möller ist vermutlich die einzige Hamburgs, in der noch richtig am offenen Feuer geschmiedet wird. Zäune und Gartentore aus Stahl werden hier zum Beispiel gefertigt. Allerdings verzinkt der Betrieb die metallenen Produkte nicht selbst. Deshalb fährt zweimal in der Woche ein 18-Tonnen-Lkw vor und holt beziehungsweise bringt die schwere Ladung. Die Werkstatt befindet sich in einem Hinterhof, in den der Lastwagen nicht hineinfahren kann, er muss also auf der Straße parken. Die Schlosser transportieren dann die Metallstücke, die bis zu sechs Meter lang sein können, mit einem kleinen Wägelchen von der Gertigstraße in die Schlosserei oder umgekehrt.
Das Problem: Für das Busbeschleunigungsprogramm soll im März 2015 eine Verkehrsinsel im Knick vom Mühlenkamp auf die Gertigstraße errichtet werden. Dann ist kein Platz mehr für den Laster, der die Kurve im wahrsten Sinne des Wortes nicht mehr kriegen würde. Jörn Möller (36) hat die Werkstatt mit fünf Angestellten und einem Azubi 2011 von seinem Vater Michael (65) übernommen: „Keiner hat im Vorfeld mit uns gesprochen. Wir hängen in der Luft.“
Der Schlossermeister wandte sich hilfesuchend an die Handwerkskammer, die durch mehrmaliges Nachhaken beim zuständigen Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG) in der vergangenen Woche eine Vor-Ort-Begehung mit der Polizei durchsetzte.
„Fakt ist, dass die Verkehrsinsel kommt“, resümiert Jörn Möller gegenüber dem Wochenblatt. Dies habe ihm der LSBG versichert. Das heißt, die Laster werden definitiv nicht mehr vom Mühlenkamp einbiegen können, sondern müssen von der Barmbeker Straße in die schmale Gertigstraße einfahren.

Modellversuch der Polizei

Doch es gibt noch eine Hoffnung für die Schlosserei: Die Abteilung Prävention und Verkehr des zuständigen Polizeikommissariats will – nach Bau der Verkehrsinsel – einen Modellversuch starten: „In Höhe Gertigstraße 4 soll ein Halteverbot eingeführt werden, in dieser Zone darf strikt nur Be- und Entladen werden“, bestätigt Abteilungsleiter Hartmut Herbst im Gespräch mit dem Wochenblatt. Allerdings müssten die Lkw dann entgegen der Fahrtrichtung halten – und das macht den Schlossermeister skeptisch: „Bekommen wir dann jedes Mal ein Knöllchen, wenn wir entladen?“
Hartmut Herbst von der Polizei sieht das weniger problematisch: „Wir verfolgen Verkehrswidrigkeiten nach pflichtgemäßem Ermessen.“ Wenn keiner beim Be- und Entladen entgegen der Fahrrichtung gefährdet werde, dann werden seine Kollegen kaum einschreiten, ist er sich sicher.
Schlosser Jörn Möller bleibt jetzt nichts anderes übrig als abzuwarten, „was dann tatsächlich passiert“.
Josef Katzer, Präsident der Handwerkskammer Hamburg, sagt zum Fall der Schlosserei: „Der Fall ist uns gut bekannt und wir haben uns bereits frühzeitig für die Belange der Schlosserei Möller, speziell die Notwendigkeit einer An- und Ablieferung aus Richtung des Mühlenkamps mit Lkws, eingesetzt. Nach unserem ersten Kontakt im August 2013 verfassten wir mehrere Stellungnahmen, die wir in das Verfahren zur Busbeschleunigung eingebracht haben. Bisher war es noch nicht möglich, eine zufriedenstellende Regelung für den Betrieb zu erwirken, aber wir werden weiterhin nach einer geeigneten Lösung für alle Beteiligten suchen.“ Er empfiehlt Betrieben bei ähnlichen Standortproblemen auf die Handwerkskammer zuzukommen, damit man sich in Verkehrsplanungen einbringen könne. (ba)
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