Autoklau in Eppendorf

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Edle Automarken werden osteuropäischen Tätern in Eppendorf „auf dem Tablett serviert“. Foto: Hemera

Stadtteil in Sachen Diebstahl führend

Von Christian Hanke
Winterhude/Eppendorf. Plötzlich ist mein Auto weg! Diesen Schock mussten im vergangenen Jahr in Winterhude 72 und in Eppendorf 70 Fahrzeughalter verdauen. Die beiden schönen Stadtteile waren 2011 führend in Sachen Autoklau. Nirgendwo in Hamburg wurden mehr Kraftfahrzeuge entwendet als zwischen Außenalster, Stadtpark und UKE. Natürlich stehen hier viele hochwertige Fahrzeuge, lohnende Beute für professionelle Autoschieber. Doch warum in Winterhude und Eppendorf so viel mehr Diebstähle als beispielsweise in den Elbvororten oder im Alstertal? Das „Stehen“ ist tatsächlich einer der Gründe. Im eng bebauten Eppendorf und Winterhude stehen die teuren Karossen viel häufiger „im öffentlichen Verkehrsraum“, so der stellvertretende Leiter des für Eppendorf zuständigen Polizeikommissariats 23 an der Troplowitzstraße Timo Zill, als in Garagen. In Eppendorf ergibt sich daher für Autodiebe „eine gute Tatgelegenheitsstruktur“, so der Polizeibeamte. „Die Autos werden den Tätern auf dem Tablett serviert“, wird Zill noch deutlicher. Mit Abstand am beliebtesten bei den Autodieben sind BMW´s der Reihe X5 und X6. Es folgen Vokswagen T4 und T5 sowie Audi A6 und A4. Mit Mercedes tun sich die Gangster dagegen schwer. „Da funktionieren die selbst gebastelten Steuergeräte der Diebe meistens nicht“, erläutert Oberkommissar Thorsten Schleef, Einsatzleiter PKW im Polizeikommissariat 33 am Wiesendamm, das für Winterhude zuständig ist. Mit Steuergeräten überbrücken die Täter die Elektronik der Autos, um sie starten zu können. Die meisten teuren Wagen werden von professionellen Teams gestohlen. „Einer kundschaftet die Autos aus, ein zweiter öffnet sie und ein dritter fährt mit ihnen weg“, beschreibt Timo Zill die Vorgehensweise der Täter. Das Ziel liegt in der Regel in Osteuropa. Deshalb, so vermutet Thorsten Schleef, ist Winterhude auch so besonders beliebt bei den Autoknackern. Denn von dort sind´s nur rund 20 Minuten Fahrzeit bis zum Horner Kreisel und zur A24 nach Berlin. Besonders beliebt sind im Osten Europas übrigens nicht nur bestimmte Marken, sondern vor allem Autos mit gut ausgerüsteten Innenausstattungen. „Dort wird gern das ganze „Paket“ mit Navi und allen Extras gekauft“, weiß Thorsten Schleef. Die Polizei hat diesem professionellen Autoklau wenig entgegenzusetzen. Zivifahnder sind des Nachts unterwegs, aber Thorsten Schleefs Bilanz fällt ernüchternd aus: „Es ist sehr schwer, der Sache Herr zu werden.“ (ch)
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