Autoteile-Mafia am Werk

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Autoteile-Diebstahl in Serie: Polizei vermutet, dass die Täter auf Bestellung arbeiten Fotos: Schlichtmann
 
Kfz-Meister Klaus Thele muss in seiner Werkstatt immer öfter von Dieben ausgeschlachtete Autos reparieren

Raubzüge in Harvestehude und Eppendorf reißen nicht ab

Von Klaus Schlichtmann
Harvestehude/Eppendorf. Morgens gegen vier Uhr in der Isestraße: Geschäftsmann Dirk Cusian (44) kommt nachts von der Arbeit nach Hause. Er parkt seinen Porsche Carrera am Straßenrand vor seiner Wohnung, ausnahmsweise, denn der Weg bis zur angemieteten Garage ist ihm zu dieser späten respektive frühen Stunde zu weit. Und er braucht den Wagen ja schon ein paar Stunden später, denn er hat seiner Frau versprochen, mit ihr Einkaufen zu fahren. Morgens schaut Cusian aus dem Fenster und wundert sich über die Menschen, die um sein Auto herum stehen, gestikulieren. Er geht hinunter - und sieht nun, warum die Passanten an seinem Porsche stehen geblieben sind: Der schwarze Sportwagen hat keine Scheinwerfer mehr. Wo sie einmal eingebaut waren, sind nur noch dunkle, hohle Löcher und abgetrennte Kabel. Als der Besitzer später auf dem 17. Polizeikommissariat in der Sedanstraße Anzeige erstattet, erfährt Cusian, dass er an diesem Tag der 13. Fahrzeughalter aus der Gegend ist, dem in der Nacht Spiegel oder Scheinwerfer, Blinker oder Rückleuchten von ihren Autos abgebaut oder mit Gewalt heraus gestemmt wurden.
Die Autoteile-Mafia hatte wieder zugeschlagen. Dieser Raubzug in Harvestehude und Eppendorf spielte im Januar, doch bis heute werden und wurden auch in diesen Stadtteilen besonders die Besitzer von BMW und Porsche von den Tätern heimgesucht – in der Innocentiastraße, in der Parkallee, in der Oberstraße und der Rothenbaumchaussee. In allen Fällen fehlten morgens die Außenspiegel. Über die Räuber weiß man wenig.

„Es sind Auftragstäter am Werk“


So gab es im vergangenen Jahr laut Kriminalstatistik allein in Harvestehude 241 Fälle von „Diebstählen an bzw. aus Kraftfahrzeugen“ (42 mehr als ein Jahr zuvor) - aber lediglich ein Fall konnte aufgeklärt werden. „Wir können davon ausgehen, dass es sich um Auftragstäter handelt, die auf Bestellung arbeiten“, erklärt Polizei-Sprecherin Sandra Levgrün. Osteuropäische Banden, die die Teile dann ins Ausland schaffen.
Sandra Levgrün: „Es gibt aber sicher auch Einzeltäter, die gestohlene Scheinwerfer, Spiegel oder Navigationsgeräte im Internet anbieten.“
„Der Markt für dieses Diebesgut ist jedenfalls vorhanden, der Trend zeigt nach oben“, weiß auch Bernhard Ederer, Pressesprecher bei BMW in München. Mit hochwertigen Autoteilen lässt sich viel Geld verdienen - oder auch sparen. Beispiel Außenspiegel für einen BMW X5: Der kostet – mit Heizung und automatischer Abblendfunktion – bei einem Vertragshändler zirka 760 Euro. Allein das hauchdünn beschichtete Spezial-Spiegelglas - das begehrteste Teil beim Diebstahl - schlägt dabei mit 330 Euro zu Buche. Auf entsprechenden Seiten im Internet gibt‘s einen vergleichbaren Spiegel deutlich preiswerter. Und wo genau der herkommt, will der Käufer im Zweifel gar nicht wissen...
Die Kosten für Ersatz und Montage der geklauten Teile sind in der Regel durch die Versicherung abgedeckt, lediglich der Eigenanteil
wird fällig. Und der Autoversicherer kommt auch für die Kosten auf, die die Diebesbanden nicht selten auf ihren brachialen Raubzügen hinterlassen und die oft höher sind als der Wert der Beute. So geschehen am Porsche eines Hamburger Arztes, dessen Carrera in der Inselstraße gefleddert und vergangenen Freitag in der Werkstatt von Klaus Thele (64) in Winterhude wieder aufgerüstet wurde. „Die Täter haben beide Rückleuchten und die vorderen Blinker inklusive Nebelscheinwerfer sauber ausgebaut“, erklärt Kfz-Meister Thele. „Die beiden Außenspiegel aber haben sie mit Gewalt aus den Türen gerissen, die müssen nun ausgebeult und lackiert werden!“ Gesamtschaden: rund 4.000 Euro.
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