Baustopp durch Anwohner

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Bewohner im Gespräch mit Polizistin Voigt. Foto: Haas

Ärger in der Dorotheenstraße um ungesicherte Baustelle

Von Waltraut Haas
Winterhude. Bewohner der Dorotheenstraße 72 trauten ihren Augen nicht, als sie sahen, wie an ihrer Hausfassade gearbeitet wird: Mit Presslufthämmern wurden die Balkone vor ihren Wohnungen abgetrennt, die Betontrümmer fielen ungesichert direkt vor die Haustür und in den Vorgarten. Die beauftragte Firma hatte es weder für notwendig erachtet, geeignete Gerüste aufzubauen noch die gängigen Sicherheitsvorschriften zu beachten. So trug keiner der Bauarbeiter den vorgeschriebenen Sicherheitshelm, ebenso waren Hausbewohner und Passanten gefährdet: durch herabfallende Trümmer und Staubentwicklung. Dazu kam ein ohrenbetäubender Lärm. 90 Dezibel konnten in einem Arbeitszimmer gemessen werden. „Das ist eindeutig zu viel.“ empörte sich ein Mieter. „An meine Rosen im Vorgarten darf ich gar nicht denken.“ seuftzte Nachbarin Ingrid Freyer. Auch Mieter Werner Egge war verärgert, beschwerte sich über die Rücksichtslosigkeit des Vermieters. „Man hat uns nur mangelhaft informiert, mit einem Schreiben zu Jahresbeginn, dass ein Dachausbau und Bauarbeiten zur Wärmedämmung an der Hausfassade geplant seien, dass dabei die Fenster ausgetauscht werden müssten.“ Erst in einem Brief des zuständigen Bauingenieurs Tage vor Baubeginn war auch die Rede vom Abbruch der Balkone. Und von unvermeidbarem Lärm. Die Mieter alarmierten die Polizei. Polizeiobermeisterin Voigt stellte fest: „Diese Baustelle ist nicht ordnungsgemäß abgesichert. Jetzt muss die zuständige Fachbehörde klären, welche Ordnungswidrigkeiten vorliegen.“ Zur Gefahrenabwehr verständigte die Polizistin umgehend das zuständige Amt für Bauordnung und Hochbau. Zwei Spezialisten des Amtes waren schnell vor Ort, stoppten die Bauarbeiter, erkundigten sich nach dem zuständigen Vorarbeiter, der – im Urlaub – zunächst nur telefonisch erreichbar war. Der von der Bauherrin Grundstücksverwaltung Kehrwieder beauftragte Bauingenieur war schnell zur Stelle und zeigte sich betroffen: „Ich bin von dieser Situation etwas überrollt. So etwas habe ich noch nicht erlebt.“ sagte André Ludanek. Bei einem Ortstermin vor 14 Tagen habe er das beauftragte Sub-Unternehmen, eine auf Abbrucharbeiten spezialisierte Firma aus Norderstedt, über die notwendigen Arbeitsschritte und Sicherheitsmaßnahmen eingehend unterrichtet. Die Bauarbeiten wurden vorübergehend eingestellt, mit einer gebührenpfllichtigen Anordnung des Amtes für Bauordnung und Hochbau: Und zwar so lange, bis die Einhaltung sämtlicher Vorschriften der Hamburgischen Bauordnung sichergestellt werden könne. Und so lange müssen die Mieter auch nicht in abgedunkelten Zimmern leben: Die Bretter vor ihren Fenstern werden entfernt. Bauingenieur André Ludanek löste noch ein weiteres Rätsel: „Die abgerissenen Balkone werden erneuert und vergrößert. Zusammen mit der Wärmedämmung kann die Wohnqualität so wesentlich gesteigert werden.“ (wh)
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