Bei ITA wird Trauer gelebt

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Christiane Lambert (rechts) und Heike Blumenberg vom Institut für Trauerarbeit unterstützen Trauernde auf ihrem Weg. In den Gruppen spielen Rituale für den Alltag eine große Rolle. Foto: Gemeinholzer

Gemeinnütziger Verein engagiert sich seit 20 Jahren für Trauernde

Winterhude. Trauernde haben einen schweren Stand in unserer Gesellschaft. Viele Menschen fühlen sich überfordert, wenn jemand seinen Schmerz zeigt. Dabei kann eine kleine Berührung, vielleicht eine Umarmung, zeigen: Du bist nicht allein.
Auf Trauernde zuzugehen und sie aus ihrer Isolation zu holen, dazu wollen Trauerbegleiterin Christiane Lambert und ihre Kollegen vom Institut für Trauerarbeit (ITA) anregen. Dort, in den Räumen an der Bogenstraße 26, finden Trauernde seit zwanzig Jahren einen Ort, wo sie ihre Trauer leben dürfen.
„Hier dürfen Gefühle sein – jeder Art“, betont Christiane Lambert. Neben der Sehnsucht nach dem Verstorbenen empfinden viele Menschen auch Wut, Schuldgefühle und Apathie angesichts ihres Verlusts. In den Gruppen von ITA können Trauernde ihre Gefühle zeigen, sich im Gespräch austauschen oder kreativ mit ihrem Schmerz und dessen Bewältigung auseinandersetzen. Bunte Collagen und Gedichte hängen in den Gruppenräumen an den Wänden. Alle vierzehn Tage kommen hier Menschen zwischen Mitte 30 und 80 für zwei Stunden zusammen. In den zehn Gruppen finden zurzeit etwa 90 Trauernde Unterstützung. „Zu Anfang zünden wir immer eine Kerze für jeden Verstorbenen an“, erzählt Heike Blumenberg. Die 51-Jährige hat wie Christiane Lambert ihre Ausbildung zur Trauerbegleiterin bei ITA gemacht. Jetzt leitet sie eine Gruppe für verwaiste Eltern bei dem gleichnamigen Verein, mit dem sich ITA die Räume teilt. Christiane Lambert leitet eine Trauergruppe an ihrem Wohnort in Rahlstedt. „Uns ist wichtig, das Thema Trauer in die Stadtteile hineinzubringen“, sagt die 61-Jährige, die sich als zweite Vorsitzende im Vereinsvorstand engagiert. Bevor sie zusammen mit Heike Blumenberg die zweijährige Ausbildung bei ITA begann, arbeitete Christiane Lambert schon zehn Jahre im ambulanten
Hospizdienst.

„Viele unserer Trauerbegleiter haben die Erfahrung eines tiefen Verlusts selbst gemacht“Christiane Lambert

„Viele unserer Trauerbegleiter haben die Erfahrung eines tiefen Verlusts selbst gemacht“, sagt sie. „Sie wollen aus diesem Unglück etwas Neues entstehen lassen und dafür sorgen, dass andere mit ihrem Verlust anders umgehen dürfen.“ Sich verstanden zu wissen, Gefühle ausleben zu dürfen, Rückschläge zugeben zu dürfen, das alles seien wichtige Erfahrungen für die Trauernden. „Das Ziel ist es, Rituale für sich zu finden, die man mit in den Alltag hinein nimmt“, erzählt Christiane Lambert. Besondere Schwierigkeiten haben die meisten Menschen, wenn der Partner verstirbt. Deshalb bietet ITA in diesem Bereich die meisten Gruppen an. Weil Männer anders trauern als Frauen, wird für sie eine gesonderte Gruppe angeboten. Auch für Menschen, die den Suizid eines Angehörigen erleben mussten. Ab März neu eingerichtet wird eine Gruppe, die sich „Menschen in Trauer zwischen zwei Kulturen“ nennt. (ag)

Nachdem der Schwerpunkt von ITA in den vergangenen Jahren überwiegend auf der inhaltlichen Arbeit und der Ausbildung lag – bisher wurden etwa 300 Menschen zu Trauerbegleitern qualifiziert –, wird momentan in einer Zukunftswerkstatt an neuen Betätigungsfeldern gestrickt. So wird überlegt, ein Trauertelefon einzurichten.
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