Besitz belastet

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Die Martinuskirche steht nicht zur Disposition. Nur von Teilen des Gemeindehauses könnte sich die Gemeinde trennen Foto: St. Martinus
 
Pastor Ulrich Thomas Foto: Hanke

Kirchenkreis plant Einsparungen. St. Martinus und St. Anschar betroffen

Eppendorf St. Martinus
und St. Anschar haben jetzt den „Schwarzen Peter“ – oder laut Kirchenpapier: das „C“. Will heißen, den Gemeinden drohen in den nächsten Jahren herbe Einsparmaßnahmen! Der Kirchenkreis Hamburg-Ost plant in den nächsten zehn bis 15 Jahren den Gebäudebestand der Gemeinden in seinem Gebiet, rund zwei Drittel der evangelisch-lutherischen Kirchen in Hamburg, um rund 30 Prozent zu verringern. Der kontinuierliche Rückgang von Gemeindemitgliedern mache einen langfristigen Einsparplan notwendig. Denn obwohl die finanzielle Situation der Hamburger Gemeinden derzeit relativ unbedenklich ist, will der Kirchenkreis sich für schlechtere Zeiten wappnen. Nur 28,4 Prozent der Bevölkerung im Gebiet des Kirchenkreises Hamburg-Ost sind noch Mitglieder der evangelischen Kirche. Da bisher nur am Personal gespart wurde, stehen nun die Gebäude auf dem Prüfstand.

Drei Kategorien


In einem ersten Diskussionspapier sind die Hamburg-Ost-Kirchengemeinden nach einer Reihe von Kriterien in drei Kategorien eingeteilt worden. Gemeinden von höchster Priorität (A), „förderungsfähige“ (B) und „nicht förderungsfähige“ (C) Gemeinden. Die Eppendorfer Gemeinden St. Martinus und St. Anschar wurden mit einem C versehen. „Das bedeutet nicht, dass die Gemeinde aufgegeben wird. Das ist Unsinn“, stellt Martinus-Pastor Ulrich Thomas gegenüber dem Wochenblatt gleich klar. Über eine Aufgabe einer Gemeinde kann nur die Gemeinde selbst, nicht der Kirchenkreis entscheiden. Die geplanten Einsparungen beziehen sich daher auch nicht auf die Kirche, sondern auf andere Gebäude oder Gebäudeteile in Kirchenbesitz. Im Falle St. Martinus stehen auch das Pastorat und die Räumlichkeiten für die Veranstaltungen „Leben im Alter“ nicht zur Disposition. Von Teilen des Gemeindehauses könnte sich die Gemeinde aber trennen. Zugunsten von anderen kirchlichen oder gemeinnützigen Einrichtungen. Verkäufe favorisiert der Kirchenkreis angeblich nicht, wie Probst Johann Hinrich Claussen in der Vergangenheit ausführte.
Die Martinusgemeinde sieht sich aber gut aufgestellt und ist daher zuversichtlich, dass sie trotz der C-Kategorie keine wesentlichen Einschränkungen hinnehmen muss. Die Anzahl der Gemeindeglieder ist mit etwa 3.050 in den vergangenen Jahren konstant geblieben. Die kirchlichen Gebäude wurden 2010/11 saniert und teilweise umgebaut. Außerdem hat sich St. Martinus mit drei benachbarten Gemeinden zum Alsterbund zusammengeschlossen.

„In dieser Kooperation sind wir sehr weit vorangeschritten.“ Ulrich Thomas

„In dieser Kooperation sind wir sehr weit vorangeschritten“, erzählt Ulrich Thomas. Jede der vier Gemeinden hat sich auf ein Gebiet spezialisiert, Martinus zum Beispiel auf die Seniorenarbeit. Die Mitarbeiter werden aus einem gemeinsamen Topf der vier Gemeinden finanziert. „Dadurch sind wir auf die Zukunft sehr gut vorbereitet“, findet Thomas, der die Initiative des Kirchenkreises nicht als Bedrohung, sondern als kluge vorausschauende Maßnahme empfindet. „Meine Generation hat jetzt die Aufgabe, die Weichen zu stellen, damit die nächste Generation eine reelle Chance hat zu arbeiten“, erläutert der Martinus-Pastor. „Das alte volkskirchliche Netz ist ausgedünnt. Kirchliche Arbeit muss sich serviceorientierter entwickeln“, fasst Thomas zusammen. Die wirtschaftlichen Voraussetzungen für diese neu begriffene kirchliche Arbeit müssen jetzt gelegt werden, so der Eppendorfer Pastor.

St. Anschar verhandelt


Nicht „nicht förderungsfähig“ sieht sich auch die St. Anschar-Kirchengemeinde, die seit einigen Jahren über keine Pfarrstelle mehr verfügt, da sie nur noch für rund 1.500 Gemeindeglieder zuständig ist. Seit zwei Jahren nimmt Pastor Horst-Dieter Schultz die vakante Pastorenstelle ehrenamtlich wahr (das Wochenblatt berichtete). Schultz war bereits in den Ruhestand gegangen. Der Gebäudebestand steht hier nicht zur Disposition, da die Gebäude größtenteils von der Stiftung Anscharhöhe mitgenutzt werden. Schultz befindet sich derzeit in Verhandlungen mit dem Kirchenkreis über die Bewilligung einer Dreiviertelstelle. Außerdem beabsichtigt die Gemeinde, sich dem Alsterbund anzuschließen. Gespräche laufen auch in dieser Angelegenheit. (ch)
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