Besondere Lust auf Reisen

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Andrea Tapper und ihr Freund Ahmed Ally auf Sansibar Foto: Orell Füssli Verlag
 
Die Autorin genießt den Sommer am Goldbekkanal Foto: Gehm

Eine Winterhuder Autorin fand auf Sansibar ihre „unmögliche“ Liebe

Von Dagmar Gehm
Hamburg. An ihrem Hals hängt ein ganzer Kontinent. Nah am Herzen. Golden, glänzend, geheimnisvoll - Afrika.
Zehn Jahre lang hat sie dort gelebt, konnte sich der Magie nie entziehen, wollte es auch nicht. Nun schloss sie einen Kompromiss, von dem andere nur träumen: Den Sommer verbringt die Journalistin in Hamburg, den Winterhuder Winter verbringt sie auf Sansibar. Der Insel im Indischen Ozean vor Tansania, die 1890 angeblich gegen Helgoland eingetauscht wurde. Tatsächlich gehörte Sansibar aber nie zu Deutschland.
Das einzig echte Tauschgeschäft scheint dagegen Andrea Tapper gemacht zu haben: Hamburger Schmuddelwetter gegen Sansibars Sonne. Zusätzlich aufgeheizt durch eine Liebe, die so ungewöhnlich ist wie die Insel, auf der sie entstand. Zu der sich beide bekennen - die Frau, nach eigenen Aussagen „in Madonnas Alter“, und Ahmed, der rund zwanzig Jahre jüngere Mann. „From Sansibar with Love - meine unmögliche Affäre in Afrika“ heißt das Buch, in dem sie beide ihre Beziehung beleuchten. Manchmal klafft ihre Sichtweise auseinander – dem verschiedenen kulturellen Hintergrund geschuldet. Aber meist herrscht Übereinstimmung über das, was als Flirt begann und bald schon den fünften Winter erlebt.

Lesungen in Hamburg

Ortstermin in der Buchhandlung Dr. Götze Land & Karte am Alstertor. Die Besucher lauschen gebannt. Im Rahmen der Vortragsreihe „Komme gerade zurück von…“ liest Andrea Tapper aus ihrem Buch. Auf die Leinwand beamt sie Fotos. Von sich und Ahmed. Und von Sansibar. „Ich liebe Inseln, und ich liebe Städte“, erklärt die Winterhuderin. Deshalb ist die Altstadt mitten im Ozean ideal für mich.“ Und sie liebt „den schönsten Mann Sansibars“, wie sie ihren Freund, von Beruf Restaurator, nennt. Mit dem sie lacht, liebt, aber auch streitet. Dem sie gleich in der ersten Stunde nach ihrer Ankunft begegnete - in einem Internetcafé. Sie schildert die erotische Anziehungskraft. Sexy, ohne dirty zu sein. „Mir geht es in meinem Buch aber nicht nur um die Affäre, sondern auch darum, das moderne Afrika zu zeigen, den Alltag zwischen Internet und Traditionen.“ Seit 20 Jahren lebt die Düsseldorferin schon in Winterhude. Genießt den Sommer: „Ich mag die Mischung aus Quirligkeit und Bodenständigkeit zwischen Alster und Stadtpark.“ Mühelos legt sie ein paar Monate später, 7190 km entfernt, wieder den Schalter um. „Ob in Afrika oder in Europa - mein Lebensstil ändert sich nicht viel“, behauptet die Journalistin, die auch beruflich viel reist. „Ich arbeite am Computer, treffe mich mit Freunden, koche gern. Hier wie auf Sansibar.“ Vorurteilen begegne sie selten. Nur besorgten Fragen. Ob sie nicht von ihrem jungen Liebhaber ausgenutzt werde. „Das ist einer der wunden Punkte“, gibt sie zu, „klar, man muss darüber offen reden“. Und das tun die beiden in ihrem Buch, mit viel Humor, Gefühl - und oft mit überraschendem Ergebnis.Nur ein echtes Problem scheint es zu geben: Die Frau, die zwei erwachsene Kinder und einen vierjährigen Enkel hat, weiß, dass ihr Partner irgendwann selber eine Familie gründen möchte. Es ist nur eine Frage der Zeit. „Vielleicht haben wir keine Zukunft“, sagt sie. „Aber die Gegenwart ist es wert. Durch ihn habe ich wieder gelernt, im Moment zu leben“.
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