Beten mit den Füßen

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Ilse Zeuner führt Pilgerer durch den Stadtpark Foto: sg

Kirchengemeinden bieten im Stadtpark spirituelle Führungen an

Von Susanne Gabriel
Winterhude
Mit Pilgern verbinden viele Menschen den bekanntesten Teil des Jakobsweges, der im spanischen Wallfahrtsort Santiago de Compostela endet. Doch genau genommen besteht der Jakobsweg aus einem ganzen Netz von Pilgerwegen, die auch durch Deutschland führen, Hamburg eingeschlossen. Seit dem vergangenen Jahr kann man auch im Stadtpark pilgern: Anlässlich des 100. Geburtstages des bedeutenden Gartendenkmals setzten sich Vertreter der umliegenden Kirchengemeinden zusammen und schenkten dem Jubilar einen eigenen Pilgerweg (das Wochenblatt berichtete). Unter dem Motto „Rauswege“ startete im Frühjahr die Saison 2015 mit einer Führung über die volle Länge von fast sechs Kilometern.
„Im letzten Jahr hatten wir bis zu fünfzig Teilnehmer pro Führung“, berichtet Ilse Zeuner, Sozialarbeiterin und diakonische Mitarbeiterin der Gemeinde Winterhude-Uhlenhorst. „Ein gutes Argument, noch eine Runde dranzuhängen.“ Die begeisterte Pilgerin führt die Teilnehmer durch den Stadtpark. Halt wird an über zwanzig Stationen gemacht. Ein starker Regenschauer erwischt die Gruppe noch am Treffpunkt. Regenjacken werden ausgepackt, man sucht Unterschlupf in der nahe gelegenen Trinkhalle. Einen Pilgerstab hat niemand dabei, die Ausrüstung besteht zumeist aus Schirmen, Rucksäcken und Thermos-kannen. Das Wetter wechselt im Viertelstundentakt, doch die Launen des Aprils werden mit Gelassenheit hingenommen.
Knapp drei Stunden sind die Teilnehmer unterwegs, um die Natur mit allen Sinnen wahrzunehmen. Als Wegbegleiter dient eine kleine Broschüre, die die beteiligten Kirchengemeinden herausgegeben haben. Das Heftchen wurde kostenlos ausgelegt, unter anderem in der Trinkhalle und im Sierichschen Forsthaus. Mittlerweile ist die erste Auflage vergriffen, eine zweite wurde in Auftrag gegeben. Als „Beten mit den Füßen“ bezeichnet Bernd Lohse, Pilgerpastor an St. Jacobi, das Pilgern, das in allen Religionen der Menschheit beheimatet ist. Im Stadtpark kann man das auch in Etappen tun, Umwege und Abkürzungen sind jederzeit erlaubt.

Religiöse Orte im Stadtpark


Sichtbar religiöse Bezüge finden sich nur wenige im Park, etwa auf der Friedensstele nahe dem Planetarium und auf der Skulptur „Knabe mit Fischen“, die auf einer Kugel mit Symbolen aller Weltreligionen steht. Doch auch andere Orte haben eine spirituelle Ausstrahlung. „Sie fordern uns auf, innezuhalten und die eigene Situation zu hinterfragen“, erklärt Ilse Zeuner. Auch das Labyrinth im „Garten der Sinne“ bei der Festwiese regt zum Nachdenken an. Das Labyrinth bildet auch den Abschluss der Führung. Hier entzündet Ilse Zeuner eine Kerze, die einst bereits im spanischen Finisterre den Weg erleuchtet hat.

Weitere Informationen unter www.stadtpark-kirchen.de
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