Buch über Israelitisches Krankenhaus

Anzeige
1841 noch vor Hamburgs Toren in der heutigen Simon-von-Utrecht-Straße gelegen: „Krankenhaus der deutsch-israelitischen Gemeinde“ Repro: Haas

Die 175-jährige Geschichte des IK in Alsterdorf auf 168 Seiten

Alsterdorf Das Israelitische Krankenhaus (IK) weist eine 175-jährige wechselvolle Geschichte auf. Dass diese jetzt in Buchform vorliegt, verdankt es dem Arzt und Medizinhistoriker Dr. Harro Jenss und drei Mitherausgebern. Sie unternahmen detaillierte Recherchen, sammelten zahlreiche wertvolle historische Abbildungen und dokumentierten so auf eindrucksvolle Art den Werdegang des Hauses. Eingehend würdigt das Buch die Leistungen und Beiträge von Menschen, die dem Krankenhaus ihr Profil gaben und geben. Allen voran portraitiert es ausführlich dessen Stifter: Den Kaufmann und Bankier Salomon Heine (1767-1844) und dessen Liebe zu seiner Ehefrau Betty (1777-1837), die unerwartet im Alter von 59 Jahren starb. Das Krankenhaus wurde „der seligen Frau Betty zu ihrem Andenken erbaut von ihrem Gatten.“ Von Bankier Heine, dem Onkel und Mäzen des Dichters Heinrich Heine, stammen auch die zu seiner Zeit bahnbrechenden, bis dato hochaktuellen Grundsätze der Behandlung und Pflege von Patienten: eine gelebte Zuwendung unabhängig von der Religionszugehörigkeit sowie die bestmögliche medizinische Behandlung. Das bis heute gültige Leitmotiv des Krankenhauses rückt Salomon Heines philanthropische Gesinnung in den Mittelpunkt: „Menschenliebe ist die Krone aller Tugenden.“ Auch eine dunkle Epoche, begleitet von tiefgehenden Einschnitten und existenziellen Bedrohungen der Ärzte und des Klinikpersonals durch das Nazi-Regime, beschreibt Harro Jenss eindringlich. Jüdischen Ärzten wurde ab 1933 die Kassenzulassung, ab 1938 die Approbation entzogen. Fortan zu „Krankenbehandlern“ degradiert, durften sie „arische Patienten“ nicht mehr aufnehmen. Angesichts solcher Drangsale war ein Großteil der Bediensteten zur Emigration gezwungen. Das Krankenhaus musste schließlich aufgeben und das Grundstück in St. Pauli 1938 verkaufen. Die Behandlung und Pflege ausschließlich jüdischer Patienten durch wenige Ärzte und Schwestern wurde von den Nazis zunächst noch in der Johnsallee 68 zugelassen, zuletzt als „jüdische Krankenstation“ im ehemaligen „Siechenheim“ an der Schäferkampsalle – bis zur Deportation von Ärzten, Krankenschwestern und Patienten in die Vernichtungslager. Ebenso wird der mühsame Neubeginn des IK nach Kriegsende geschildert, der 1960 in den Bezug des Neubaus am Orchideenstieg mündet und eine neue klinische Profilierung ermöglicht. Heute ist das IK ein interdisziplinär vernetztes Krankenhaus von überregionaler Bedeutung. Jährlich werden hier 7.800 Patienten stationär, 6.500 Patienten ambulant behandelt. (wh)

Der Band „Israelitisches Krankenhaus – 175 Jahre“, herausgegeben von Harro Jenss, Marcus Jahn, Peter Layer und Carsten Zornig, ist bei Hentrich & Hentrich erschienen und im Buchhandel erhältlich. Preis: 29,90 Euro
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige