City-Hochhäuser: Protest gegen Abriss

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Die City Hochhäuser am Klosterwall wurden von 1956 bis 1958 nach Plänen des Architekten Rudolf Klopphaus gebaut. Die Fassade war damals weiß Foto: C.G. Jastram

Stiftung: Senat missachtet Denkmalschutz

Hamburg Das Ensemble gilt als Ikone der Nachkriegsbauzeit und steht seit 2013 unter Denkmalschutz. Dennoch will der Senat nun die vier City-Hochhäuser am Klosterwall abreißen lassen. Ein Vorhaben, gegen das Vorstand und Wissenschaftliche Kommission der Deutschen Stiftung Denkmalschutz entschieden protestieren.
In einem offenen Brief an Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) appellieren sie an den Senat, das Gebäudeensemble Käufern nicht länger inklusive Genehmigung zum Abriss anzubieten. Ein Vorgehen, das „gegen die gültige Rechtskraft des Denkmalschutzes“ verstößt, wie die Stiftung schreibt.
Bisher ist in den meisten der Büroräume das Bezirksamt-Mitte untergebracht. Dessen Chef Andy Grote hält dagegen: „Die Arbeitsverhältnisse hier sind unzumutbar“, sagte er in einem Interview mit dem NDR. Veraltete Haustechnik, Asbest und von den Decken rieselnder Putz: Eine Sanierung wäre zu teuer. Grund genug für die Stadt, das Bezirksamt 2017 umziehen zu lassen. Die Vorverträge für die Büroräume des Springer-Verlags-Gebäudes an der Caffamacherreihe sind bereits unterzeichnet.
Hamburgs Oberbaudirektor Jörn Walter befindet schlicht, das 1950er-Jahre-Ensemble passe nicht zum schmucken Chilehaus mit Kontorhausviertel. Nicht ganz unbedeutend für die Abrisserlaubnis dürfte auch der Preis sein: Immerhin handelt es sich um ein 7000 Quadratmeter großes Filetstück in unmittelbarer Nachbarschaft zur Hafencity.
Für die Deutsche Stiftung Denkmalschutz „ein höchst zweifelhaftes Zeugnis kulturellen Unverständnisses“. Außerdem sei man überzeugt, die Gebäude ließen sich sehr wohl sanieren und unter anderem auch als Wohnraum nutzen.
Für die heutigen Mieter des Areals wird es bei einer neuen Bebauung wohl eng. Abgesehen von den Preisen wäre auch die Atmosphäre dahin – selbst wenn niemand die City-Hochhäuser schön nennen will. Aber was wäre der kleine Italiener im Erdgeschoss ohne die alten Regale voller Wein, seinen Stehtischen und der Pasta, die nur hier so frisch ist? Und auch der Buchhändler ein paar Türen weiter möchte bleiben. Für ihn würde eine Fassaden-Sanierung reichen. Auf keinen Fall will er „noch einen Glaspalast“. (ams)
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1 Kommentar
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Anne Weißnich aus Barmbek | 04.11.2015 | 12:03  
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