Den Hamburger Stadtpark ertasten

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Erstklässler ertasten die Skulptur „Diana mit den Hunden“Fotos: wb

Sehbehinderte und blinde Schüler vom Borgweg erkundeten „Nachbar-Oase“

Hamburg. Das Bildungszentrum für Blinde und Sehbehinderte (BZBS) am Borgweg 17a unterhält mit dem Stadtpark eine gute Nachbarschaft. Die nahe Naturoase mit Spielplätzen, Sportflächen, Ententeich und Planetarium ist für Lehrer und Schüler immer wieder ein beliebtes Ziel für kürzere Unterrichtsgänge und ausgedehntere Ausflüge.
Zum 100-jährigen Jubiläum in diesem Jahr hielt der Stadtpark Einzug als Unterrichtsthema in alle Klassen am BZBS. Die Lerngruppen der sehbehinderten und zum Teil blinden Kinder suchten sich mit ihren Lehrern zum Thema „Stadtpark“ einen Aspekt aus, mit dem sie sich näher beschäftigten wollten. Von August bis Oktober haben sich die Schülerinnen und Schüler von Klasse 1 bis zur Handelsschule dazu viele unterschiedliche Fragen gestellt:
Welche Angebote gibt es überhaupt im Stadtpark und wo sind die? Wie kommt man von der U-Bahn Borgweg zum Café Trinkhalle oder zu anderen Zielen im Stadtpark? Und wie kann man die Wegstrecken dahin beschreiben – auch auf Englisch? Wie kommt man vom BZBS in den Sinnesgarten? Welche Spiele bringen dort Spaß? Welche Bäume wachsen im Stadtpark? Wie wird der Müll im Stadtpark entsorgt? Wo gibt es Namen im Stadtpark und woher stammen die? Wie sah das Stadtparkgelände vor 100 Jahren aus?
Zu diesen und anderen Fragen wurde am BZBS wochenlang erkundet, geforscht, experimentiert, entdeckt, gesammelt, sortiert und ausgewertet. Nach sechs Wochen emsiger Projektarbeit stieg dann am Dienstag im BZBS die große Projektabschlussfeier.
Vormittags fand die schulinterne Präsentation der Projekte statt. In den Räumlichkeiten am Borgweg zeigten sich alle Gruppen gegenseitig ihre Ergebnisse. Und sie konnten berichten, wie sie zu ihren Informationen und Ideen gelangt waren.

Box mit Parkgeräuschen

Die Präsentationsformen waren so vielfältig wie die Projekte selbst. Es gab zum Beispiel Info-Plakate zu Sportangeboten im Stadtpark, Balanciervorführungen auf der Slagline, eine interaktive Landkarte zu den Veranstaltungsorten, einen selbst erstellten Ordner mit Spielvorschlägen im Stadtpark und mit Wegbeschreibungen. Auch geografische Pläne von Abschnitten des Stadtparks- zum Ansehen und Fühlen hatten die Schüler erstellt oder Anleitungen zum Geo-Caching im Stadtpark, eine kleine Kunstausstellung zur Natur im Stadtpark und Mitmachstationen zum Ausprobieren von Gebärden und Wahrnehmungsspielen. Ein Klasse hat eine Geräusche-Box mit typischen Stadtparkgeräuschen gebaut sowie einen Müll-Rap komponiert. Biografisches zu den Stadtparkgründern zeigt ein selbst produzierter Film zur Entwicklung des Stadtparks, der auch einen Blick in die Zukunft wagt. Die Schule bot auch Kreatives Schreiben zum Stadtpark, eine Lesung von Auszügen eines Krimis, in dessen Handlung eine Klasse ihre Stadtparkideen eingefügt hatte. Dann hieß es für alle: Auf in den Unterricht im Stadtpark - Betreten und ertasten erwünscht! (wb)
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