Der Herr der Wachs-Stars

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Panoptikum Fotos: ho
 
Hayo Faerber hat ein Herz fürs Panoptikum Fotos: ho

Alsterdorfer ist Panoptikum-Chef. „Angelina Jolie kommt“

Von Holger Hollmann
Alsterdorf. Grand-Prix-
Gewinnerin Lena, Bundes-kanzlerin Angela Merkel,
Robbie Williams oder Barak Obama - mehr als 100 weltbekannte Stars, Politiker und Persönlichkeiten hat der
Alsterdorfer Hayo Faerber täglich bei der Arbeit um sich. Er könnte sogar mit ihnen
reden - nur leider antworten sie ihm nicht. Denn Faerber, der seit Mitte der 80er-Jahre in der Alsterdorfer Gartenstadt wohnt, gehört das Panoptikum auf der Reeperbahn. Bei den Prominenten handelt es sich um Wachsfiguren, die ihren realen Protagonisten zum Verwechseln ähnlich sehen.

Familienbetrieb seit 1879

Über 120 von ihnen stehen im Panoptikum, unter ihnen auch historische Personen wie Friedrich der Große, verstorbene Künstler wie Hans Albers und Romy Schneider oder Romanfiguren wie Harry Potter. Gegründet wurde das Wachsfigurenkabinett 1879 von seinem Urgroßvater, seit dem ersten Tag ist es fest in Familienhand. „Damals gab es noch kein Fernsehen oder Kinos. Fotos waren nur wenig verbreitet. So war das Bestaunen der prominenten Personen aus Wachs eine Attraktion, zu der man damals mit der gesamten Familie kam“, sagt der 66-Jährige, zu dessen Lieblingsfiguren neben Friedrich dem Großen auch Helmut Schmidt und - passend zum Wagner-Jahr - der gerade erst überarbeitete Komponist gehören.

„Mein eigentliches
Zuhause ist Alsterdorf,
wo ich sehr gerne wohne. Aber durch das
Panoptikum bin ich auch
sehr eng mit
St. Pauli verbunden.“
Hayo Faerber


„Richard Wagner war eine alte Figur, die unsere Bildhauerin jetzt neu koloriert und mit neuer Frisur versehen hat. Er sieht dadurch sehr lebendig aus.“ Auch die nächsten Neuzugänge stehen bereits fest: „Vitali Klitschko ist fast fertig, und danach kommt Angelina Jolie“, sagt der Alsterdorfer. „Wer dann kommt, wissen wir noch nicht. Das diskutieren wir immer gemeinsam mit allen Panoptikum-Mitarbeitern.“
Standort des Panoptikums ist seit 134 Jahren der Spielbudenplatz auf der Reeperbahn,
wo sich damals auch noch
andere Attraktionen wie das St. Pauli Theater befanden oder Vorführungen mit Tieren von Carl Hagenbeck bestaunt werden konnten, dem Gründer des bekannten Tierparks in Stellingen. So schlagen in Hayo Faerbers Brust zwei Herzen - das eines Alsterdorfers und das eines St. Paulianers. „Mein eigentliches Zuhause ist Alsterdorf, wo ich sehr gerne wohne. Aber durch das Panoptikum bin ich auch sehr eng mit St. Pauli verbunden. Ich würde es aber niemals wagen, mich als St. Paulianer zu bezeichnen.


200.000 Besucher
pro Jahr

Meine Familie hat nie dort
gewohnt“, sagt er. Er zeigt damit seinen großen Respekt vor dem Traditions-Stadtteil und seinen Menschen.

Ursprünglich hatte Faerbers Frau die Kiez-Institution, die jährlich mehr als 200.000 Besucher anzieht, seit Anfang der 80er-Jahre geleitet. Doch als sie vor sieben Jahren starb, verließ der Alsterdorfer, der bis dahin als Internist gearbeitet hatte, die alte Gemeinschaftspraxis in Bramfeld. „Das war eine riesige Umstellung, weil ich mich bis dahin nur um Medizin gekümmert hatte. Das war mein Traumberuf“, sagt er.
„Bevor ich 2006 die Arbeit mit dem Panoptikum übernahm, hatte ich sogar Berührungsängste mit St. Pauli, aber seitdem habe ich dort viele Menschen kennen gelernt, die ich sehr schätze und respektiere.“ Und noch viel mehr: Hayo Faerber setzt sich aus Verbundenheit zum Kiez für die Bewahrung der Kiez-Kultur ein. Beispielsweise durch die Mitarbeit beim St. Pauli-Museum, wo er im Vorstand sitzt - wie auch im Bürgerverein und der Kirche von St. Pauli. So sieht er die Veränderungen durch den Bau teurer Wohnungen. „Die Gentrifizierung hat durchaus positive Effekte für St. Pauli, aber die alten Bewohner dürfen durch sie nicht verdrängt werden“, sagt Hayo Faerber und blickt hinaus in den grünen Garten seines Alsterdorfer Hauses.
Seine Nachfolge beim Wachsfigurenkabinett steht auch schon fest: Seine Tochter, die derzeit noch Internationales Management studiert, wird einmal die Leitung übernehmen. Nur der Zeitpunkt ist noch offen, denn an Rente mag der Alsterdorfer noch gar nicht denken. (ho)
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1 Kommentar
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Gerhard Vlach aus Ahrensburg | 06.08.2013 | 10:39  
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