Der Ort der guten Geister

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Efeuumrankte Laube: Sylvia Heinlein lebt im Gartenidyll zwischen Gewerbegebiet und Startbahn Foto: Haas
 
Kinderbuchautorin Sylvia Heinlein Foto: Haas

Kinderbuchautorin Sylvia Heinlein lebt in einer Gartenlaube auf Tarpenhöh‘

Groß Borstel Niemand vermutet Idylle zwischen dem Gewerbegebiet Haldenstieg und der Flughafen-Startbahn. Doch das von Efeu umrankte Gartenhaus ist ein Kleinod. Geschützt hinter hohen Hecken steht auf wenigen Quadratmetern ein uralter Apfelbaum, ebenso alte Sorten von Stachel- und Johannisbeeren. Kirschen- und Pflaumenbäume gibt es, zudem wachsen mehrjährige Blumenstauden zwischen Küchenkräutern. Bei Vogelgezwitscher blühen schon Immergrün, Krokus und Szilla. Acht verschiedene Minzsorten treiben in Terrakotta-Töpfen aus.
Inmitten dieses Idylls entsteht Literatur. Sylvia Heinlein, 52, hat hier neben einem Sachbuch und – im Autorinnen-Team „Lia Norden“ – zwei Krimis verfasst. Und 22 Kinderbücher, das erste erschien 1998, drei Jahre nach der Geburt ihres Sohnes. Die Schriftstellerin und Journalistin kann ihren Sohn Berry gut verstehen: Als kleiner Junge war er sicher, dass unter der dichten Hecke Trolle wohnten. Auch für die Mutter ist es ein Ort, an dem gute Geister hausen, eine Quelle der Inspiration. „Beim Nichtstun kommen mir hier die besten Ideen“, sagt sie lächelnd. Gerade schloss sie die Arbeiten an einem Drehbuch ab: Ihr preisgekröntes Kinderbuch „Mittwochtage“ soll verfilmt werden. Zuletzt erschienen bei Tulipan drei Leseförderbücher für Kinder.
Sylvia Heinleins Familie gehört bis heute zu den wenigen „Dauerbewohnern“ mit Sonderstatus in Kleingartenvereinen. Die Laube des Urgroßvaters auf Tarpenhöh wurde zur Zuflucht der Großeltern, als sie 1943 im Krieg ausgebombt wurden. Der Opa, ein alter Seemann, folgte der Vorschrift gleich gründlich, die Laube sei „winterfest“ zu machen. Aus alten Straßenbahnschienen entstanden Träger, aufgeklaubte Bretter und Balken von damals halten das Dach. Und so wurde die Laube zur Heimat einer Großfamilie, die hier auch die Hungersnot nach dem Krieg überstand: mit Hühnern und Kaninchen, mit Obst und Gemüse im Kleingarten.

Schützenwerter Lebensraum


Bis jetzt verleihen die mächtigen Efeuranken dem Häuschen Klimaschutz und auch Halt. „Bis zu sieben Personen haben hier zeitweise gelebt“, erinnert sich
Heinlein, die ihre Kindheit oft bei den Großeltern verbrachte.
Der Garten habe im Lauf der Zeit mehrere Stadien durchlaufen: „Der Nutzgarten wurde zum Naturgarten, ein schützenswerter Lebensraum“, ist die Autorin überzeugt. „Und nicht zuletzt ein Stück Kultur- und Zeitgeschichte.“ Sie kommt in Rage, wenn sie erfährt, wie schnell Kleingärten verschwinden können: „Sie werden einfach überplant und dann plattgemacht.“ So auch kürzlich die alten Bäume an der Tarpenbek: gefällt, angeblich, weil die Tarpenbek renaturiert werden soll. Dass es anders geht, beweise ihr Garten. Gar manchen Vereinsvorschriften hat sie sich über die Jahrzehnte erfolgreich widersetzt, als Ziergärten zur Mode wurden. Doch auch ihre Vereinskameraden lernen dazu, allmählich setzen sich Naturgärten durch. Immerhin erwirkten Sylvia Heinlein und ihr Mann schon vor Jahren zwei wesentliche Satzungsänderungen: In den Kleingärten auf Tarpenhöh genießen jetzt alte Obstbäume besonderen Schutz. (wh)
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