Die Höschen-Debatte

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Sophie-Barat-Schule:Die Schulkonferenz aus Schülern, Lehrer- und Elternvertretern einen Dresscode gegen Hotpants und Bauchfrei-T-Shirts eingeführt Symbolfoto: Thinkstock
 
Die Sophie-Barat-Schule bietet Schulkleidung mit Logo an Foto: SBS/wb

Dresscode gegen Hotpants an der Sophie-Barat-Schule heiß diskutiert

Rotherbaum Sophie Barat (1779 – 1865) widmete ihr Leben Gott und der Erziehung junger Menschen. Die Kloster-schwester der Gesellschaft vom heiligen Herz Jesu wurde 1925 heiliggesprochen. Was die Französin wohl über die Diskussion über freizügige Kleidung an der nach ihr benannten Schule sagen würde?
Dort hat die Schulkonferenz aus Schülern, Lehrer- und Elternvertretern einen Dresscode gegen Hotpants und Bauchfrei-T-Shirts eingeführt. Nachdem das Hamburger Wochenblatt exklusiv am Donnerstag online über die neuen Kleidungs-Richtlinien berichtet hatte, schrieb das Abendblatt (erscheint wie das Wochenblatt in der Funke-Mediengruppe) darüber. Die Bild-Zeitung titelte: „Tiefe Dekolletés und knappe Höschen tabu“. Andere Medien griffen bundesweit das Thema auf.
Das Alsterradio 106.8 schickte ein Team vor die „Sophie“ und hörte dort gemischte Reaktionen: „Also ich finde es eigentlich nicht so gut. Die Mädchen sollen das selbst entscheiden“, sagte ein Schüler. Ein Mädchen meinte: „Das ist übertrieben – das kann man nicht für alle verbieten.“ Manche Schüler verwiesen auf die Freiheit der eigenen Meinung, andere äußerten Verständnis, „extreme Mode einzuschränken“.

Ausschlussliste


Der Hintergrund: Künftig steht in der Hausordnung eine Ausschlussliste, was man im Klassenzimmer oder auf dem Schulhof nicht sehen möchte: „Brustansatz, Bauchfreiheit, Unterwäsche/Unterhosen, zu viel Oberschenkel, Aufdrucke mit Aussagen, die andere in ihrer Würde verletzen – insbesondere sexistische, rassistische oder anti-demokratische Botschaften“. In fünf ausführlich begründeten Absätzen wird den neuen Richtlinien ein Kapitel in der Hausordnung gewidmet. Die Sophie-Barat-Schule sei eine Bildungseinrichtung und damit ein öffentlicher Ort gemeinsamen Lernens. Damit unterscheide sie sich „also wesentlich von der Freizeit“. Für eine gute und erfolgversprechende Arbeitsatmosphäre sei im Umgang miteinander die gegenseitige Wertschätzung und Toleranz unerlässlich. Dieser Umgang werde auch durch die Kleidung unterstrichen – als „Zeichen von Respekt und nicht nur Geschmacks- oder Stilfrage“. Allzu freizügige und nachlässige Garderobe könne ungute Gefühle auf Lehrer-, aber auch auf Schülerseite hervorrufen. Und weiter: „Auch wenn tiefe Dekolletés, Bauchfrei-Shirts, tief sitzende und stark abgerissene Jeans gegenwärtig Mode sind, muss immer wieder diskutiert werden, wofür Kleidung, aber auch Mode gerade bei Jugendlichen steht, wie sie integriert und ausschließt, anzieht oder abstößt.“ Schließlich gehe es auch um die Konzentration, wenn man die Kleidung seines Gegenüber sieht. Bei so viel Haut, wie manche Schülerinnen zeigen, oder angesichts der Boxershorts, die aus den Jeans vieler Jungs hervorlugen, dürfte dieser Hinweis berechtigt sein – werden zumindest einige Eltern überzeugt sein.

Schulkleidung


An der „Sophie“ gibt es im Übrigen auch Schulkleidung, beispielsweise Sweatshirts und Jogginghosen mit Schullogo. Die katholischen Schulen sind in Hamburg individuell mit der Frage befasst, ob und welche Kleiderordnung gilt oder ob beispielsweise eine Schulkleidung empfohlen wird. Eine Vorgabe durch den Schulverband besteht laut Sprecher Christoph Schommer nicht. (sta)
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