Die letzte Oase am Kellerbleek

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Ambiente wie aus 1001 Nacht: Die märchenhaften Exponate können im „Le Marrakech“ bestaunt werden Foto: Haas
 
Die Seniorchefs: Hans Többen und Kirsten Wellkamp Foto: Haas

Ein spezieller Mietvertrag rettet das „Le Marrakech“ in Groß Borstel

Von Waltraut Haas
Groß Borstel
Nur wenige Gewerbetreibende hielt es noch auf dem Brachland um den alten Güterbahnhof. Über die Jahre sind die meisten weggezogen. Bis auf einen Zimmererbetrieb und „Le Marrakech“: Am Ende dieses „Lost Place“ am Kellerbleek tut sich Besuchern eine wahrhafte Oase auf. Das begrünte und umgestaltete alte Bahnhofsgebäude ist für Anwohner und Kunden ein verwunschener, märchenhafter Ort. „Er scheint wie aus 1001 Nacht“, sagen sie. Original marokkanische Möbel und Teppiche, handbemalte Fliesen, außergewöhnliche Leuchter, exotische Accessoires sind hier in einer verzaubernden Wohlfühl-Atmosphäre kunstvoll arrangiert.
Dank eines langjährigen Mietvertrags blieb „Le Marrakech“ von Anfang an bei der Planung der Wohnsiedlung am Kellerbleek ausgespart. „Bald werden wir hier wohl die Platzhirsche“, sagt Hans Többen optimistisch. „Denn am Ende der geplanten Grünfläche mit einer Fußgängerbrücke über die Tarpenbek kommt unsere Oase ganz neu zur Geltung.“ Többen und Kirsten Wellenkamp haben ihre Oase vor 16 Jahren nach aufwändiger Umgestaltung hier geschaffen. Nur der Zementfußboden mit den alten Gleisen erinnert hier an den früheren Bahnhof. Doch dafür hat keiner ein Auge, der zum „Arabischen Abend“ freitags oder sonnabends kommt. Dann werden im Schein von Leuchtern und Kerzen orientalische Köstlichkeiten am Buffet aufgetischt. Die oft Wochen vorher ausgebuchten Abende sind längst kein Geheimtipp mehr.

Familienbetrieb aus drei Generationen


Die beiden Töchter Kristin und Verena wuchsen im Geschäft auf. Inzwischen arbeiten sie beide mit und ermöglichen eine familiäre Arbeitsteilung: nach Absprache übernehmen sie Restaurant, Verkauf, Einkauf, Büro, Buchhaltung, Mail-Anfragen und den Auftritt im Netz. Oma Kirsten kümmert sich indessen eingehend um alles, was hier rankt und grünt. Ihr Stolz sind selbstgezogene Olivenbäume in großen Kübeln. Wegen des milden Winters konnten sie draußen bleiben.
Sie schwärmt auch von der Brachvegetation auf dem Kellerbleek, die bald ebenso wie die Kleingärten nebenan verschwinden, wenn die Planierraupen kommen. Zugleich bedauert Kirsten Wellenkamp, dass wohl einige ihrer Bäume wegen der überplanten Grundstückgrenze gefällt werden müssen. Ihre Liebe zu Marokko entdeckten sie vor Jahrzehnten bei Reisen zu Freunden. Die exotischen Mitbringsel für den Bekanntenkreis zeigte ein erstaunliches Echo. Daraus erwuchs ihre Geschäftsidee.
„Wir haben unsere Container anfangs noch eigenhändig ausgeladen und nutzten ein Lager für Einzelhändler.“ Mit einem großen Kreis von Stammkunden wagten sie sich schließlich ans Ende der Welt – in den alten Güterbahnhof am Kellerbleek.

Was ist los am Kellerbleek?
Bauzäune entlang des Weges zu „Le Marrakech“ künden inzwischen vom Vorhaben der Bauunternehmung Otto Wulff. Einige Hallen geräumter Betriebe sind schon abgerissen. Jetzt ist Schluss mit den wilden Müllkippen. Nach jahrelangem Stillstand hatte die Firma Wulff das Areal am Kellerbleek im Frühjahr gekauft. Demnächst sollen im umbenannten Bauprojekt „Tarpenbeker Ufer“ 750 Wohnungen entstehen. Dafür wurden auch die 75 Kleingärten der „Bahn Landwirtschaft“ überplant. Die Parzelleninhaber bekommen Ausweichflächen im Park der Seniorenwohnanlage an der Borsteler Chaussee zugewiesen (das Wochenblatt berichtete). Voraussichtlich schon im Herbst sollen sie ihre Gärten am Kellerbleek räumen. (wh)
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