Die Mauer ist weg

Anzeige
Wird hier ein Denkmal zerstört? Bauarbeiter entfernen mit Preßlufthammern die kleine Ziegelmauer vor der Hauswand von Alsterchaussee Nr. 19. Die Mauer steht bereits auf dem Grundstück Nr. 17, das neu bebaut werden soll. Foto: Hanke

Bauvorhaben in der Alsterchaussee geht voran

Pöseldorf. Neue Aufregung um das Bauvorhaben Alsterchaussee 17. Nachdem Anwohner gegen den Abriss eines alten Hauses und den geplanten Neubau protestierten, der ihrer Ansicht nach die Dimensionen der Straße sprengen würde, haben die Eigentümer des Grundstücks Alsterchaussee 17 nun eine alte Ziegelmauer entfernen lassen, die sich unterhalb der Erdoberfläche etwa 20 Zentimeter vor der westlichen Hauswand des Hauses Alsterchaussee 19 befand. Sie schützte dieses Haus bislang vor Feuchtigkeit, denn die Alsterchaussee ist zur Alster hin abschüssig. Wasser drückt hier von Westen gegen die Grundmauern der Gebäude. Das Problem: die kleine, nicht sichtbare Mauer diente dem Haus Nr. 19 als perfekte Drainage, gehörte baugeschichtlich zu diesem Grundstück, stand allerdings mittlerweile auf dem Grundstück Nr. 17. Die Grundstücksgrenze ist identisch mit der Hauswand Nr. 19. Weil der Inhaber von Nr. 17 sein Grundstück in voller Breite bebauen möchte, also bis an die Hauswand Nr. 19 ran, störte ihn die kleine Mauer. Weil sie auf seinem Grundstück stand, ließ er sie abreissen.
Der Inhaber von Nr. 19 hatte, dies voraussehend, vor dem Abriss gewarnt. Zwei Bausachverständige und zwei Sachverständige für Denkmalschutz, die er mit einer Untersuchung der kleinen Mauer bauftragte, kamen übereinstimmend zu dem Ergebnis, dass die jetzt entfernte Mauer für die Feuchtigkeit und sogar die Standsicherheit des Hauses Nr. 19 von Bedeutung war. Da dieses Gebäude außerdem als Denkmal anerkannt ist, hätte auch die kleine Mauer unter Schutz gestanden, da sie baugeschichtlich zu diesem Haus gehörte. Der Denkmal-Sachverständige Geerd Dahms kommt zu dem Ergebnis: „Die Ziegelvormauer ist durchgehend mit der Kellerwand und dem Fundament des Gebäudes (Nr.19) konstruktiv verbunden, somit wäre ein Abbruch auch mit einem baulichen Eingriff in die Giebelwand des Gebäudes Alsterchaussee 19 verbunden.“ Sein Kollege Helmut Behrens spricht von „schweren irreparablen Schäden“, die durch den Abbruch am Haus Nr. 19 entstehen könnten. Der Bausachverständige Werner Riechwien kommt sogar zu dem Schluß: „Die vorliegende Planung (für Nr.17) enthält erhebliche technische und baurechtliche Risiken und darf daher dem Eigentümer des Hauses Alsterchaussee 19 nicht zugemutet werden.“ Das Denkmalschutzamt hat allerdings keine Bedenken. Weil der Abstand zwischen den beiden Häusern wegfällt, hätte die Ziegelmaurer ihre Bedeutung als Drainage verloren.
Per einstweiliger Verfügung hatte Lennart Elze, der Bruder des Eigentümers von Nr. 19, daraufhin den Bau auf dem Nachbargrundstück stoppen lassen. Dessen Eigentümer ließ die Ziegelmauer trotzdem abbrechen. Elze alarmierte die Polizei, die sich für nicht zuständig erklärte, da keine Straftat vorläge. Auch der Rechtsanwalt von Elze und die Eigentümer von Nr. 17 waren vor Ort.
Lennart Elze hat inzwischen Risse im Mauerwerk von Nr. 19 entdeckt. Womöglich muss er auch um eine Rotbuche in seinem Garten fürchten. Deren Wurzeln reichen tief in den Garten von Nr. 17, weshalb ein Wurzelschutzzaun gezogen wurde. Jenseits dieses Zaunes wurde nun eine große Grube gegraben. Wurzeln in Gefahr! Lennart Elze informierte auch das Bauamt im Bezirk Eimsbüttel. Noch hat sich niemand gemeldet oder ist wie angekündigt vorbeigekommen. Sein Anwalt hat jetzt die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Lennart Elze ist entsetzt: „Das ist der Wilde Westen in Pöseldorf.“ (ch)
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige