Die Seelsorge auf Kurs halten

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Hier an der Hohen Brücke 2 liegt die Flussschifferkirche in der Speicherstadt Fotos: Ch. Möller
 
Christel Zeidler engagiert sich für die Flussschifferkirche

Diakonin des Rauhen Hauses ist ehrenamtlich für die Flussschifferkirche tätig

Von Christa Möller
Winterhude/Hafencity. Für Christel Zeidler ist das Leben im Fluss. Im Rheinland geboren hat es sie schon als Kind ans Wasser gezogen. Und das ist noch heute so: „Wasser ist mein Element“, sagt die Winterhuderin. Für ihre Hobbys Schwimmen und Segeln bietet ihr die Hafenstadt zahlreiche Möglichkeiten – aber auch ehrenamtlich ist sie auf dem Wasser aktiv. Eine große Rolle spielt dabei Johann Hinrich Wichern, der Gründer des Rauhen Hauses. Auf der gleichnamigen Barkasse ist die Diakonin des Rauhen Hauses seit etwa sechs Jahren im mobilen Einsatz für die Flussschifferkirche, ein Gotteshaus auf Schiffsplanken, das in der Speicherstadt im Hamburger Binnenhafen liegt (Hohe Brücke 2).
Zusammen mit einem Schiffsführer und einem Festmacher geht es für Christel Zeidler, 66, oder ein anderes Mitglied des Seelsorgeteams montags und donnerstags zu den Binnenschiffern im Hafen, im vergangenen Jahr haben sie 1.203 Schiffe besucht und dabei knapp 3.000 Menschen angesprochen. Wenn die Johann Hinrich Wichern neben den Schiffen festmacht, wird sie meist schon sehnlich erwartet. Der überwiegende Teil der Flussschiffer, etwa 55 bis 60 Prozent, kommt aus Deutschland. Zahlreiche polnische und tschechische Schiffsführer sind hier ebenso unterwegs. Manchmal gibt es dann schon eine Sprachbarriere, doch irgendwie klappt die Verständigung immer. Zur Begrüßung hat sie etwas Obst und Schokolade sowie Tageszeitungen („auch polnische und tschechische“) dabei. „Die meisten Menschen freuen sich - ich habe es nur einmal erlebt, dass jemand gesagt hat, wir wollen nicht, dass Sie kommen.“ An Bord geht Christel Zeidler meistens nicht, doch das ist kein Hindernis für die Gespräche von Schiff zu Schiff. Häufig geht es um Themen wie geschlossene Schleusen oder lange Winter, aber auch die Trennungsproblematik spielt manchmal eine Rolle.

Letzte Fahrt im Jahr am Nikolaustag

Im Winter müssen die Flussschiffer auf den seelsorgerischen Beistand verzichten: Traditionell findet die letzte Fahrt im Jahr am Nikolaustag statt, die Pause dauert dann je nach Witterung bis etwa Mitte März. Die Binnenschifferseelsorge ist ein wichtiger Teil der Aufgaben der Flussschifferkirche. Schon 1870 schickte Johann Hinrich Wichern die ersten Hafenmissionare auf Barkassen zu den Binnenschiffen im Hamburger Hafen – getreu seinem Motto: „Wenn die Menschen nicht zur Kirche kommen können, muss die Kirche zu den Menschen gehen.“ Die Kirche befindet sich seit 1952 auf einem alten Weserkahn mit 25,5 Metern Länge, sieben Metern Breite und über einhundert Sitzplätzen und liegt in der Speicherstadt. 2007 übergab der Kirchenkreis Alt-Hamburg die Flussschifferkirche dem Verein zur Förderung und Erhaltung der evangelischen Flussschifferkirche zu Hamburg. Zur evangelisch-lutherischen Flussschiffergemeinde gehören Binnenschiffer und ihre Familien sowie in Hafennähe wohnende Menschen.
Etwa 40 Besucher kommen durchschnittlich zu den Gottesdiensten auf das Kirchenschiff, das leicht zu finden ist: Ein hohes Ankerkreuz ziert das Dach des danebenliegenden Gemeindehauses. Christel Zeidler koordiniert gemeinsam mit Manfred Jahnke den Einsatz der über 50 teilweise schon pensionierten Pastoren, die hier sonntags um 15 Uhr predigen, sowie der Diakone des Rauhen Hauses, die jeden 3. Sonntag die Predigt übernehmen. Nicht selten ist sie selbst dann auch im Dienst: „Ich küstere auf der Flussschifferkirche“, sagt sie. Am beliebtesten ist der plattdeutsche Gottesdienst jeweils am 4. Sonntag im Monat, der mit einem gemeinsamen Kaffeetrinken im Café/Bistro Weite Welt ausklingt, das vom Rauhen Haus betrieben wird. Im vergangenen Jahr wurden außerdem 81 Trauungen und Taufen gefeiert. Weitere Gottesdienste gibt es zu Weihnachten und Silvester. Außerdem finden Lesungen und Konzerte statt. Die gesamte Organisation wird nur mit ehrenamtlichen Helfern geleistet, auch die Pastoren und Diakone sind freiwillig im Einsatz. Trotzdem fallen jährlich noch rund 80.000 Euro feste Kosten an (für das Kirchenschiff und Reparaturarbeiten) die der Förderverein finanziert. (wb)

Flussschifferkirche oder Tel.: 040 - 78 36 88
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