Digitale Geschichte

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Johannes Grossmann (r.) und Wolfgang Bauche hielten beim Jubiläum des Stadtteilarchivs Eppendorf in historischen Kostümen am stilisierten Eppendorfer Baum die Spendenbüchsen auf. Foto: Hanke

Eppendorfs Historie im Internet: Jeder kann mitmachen

Von Dr. Christian Hanke
Eppendorf. Jetzt kann Eppendorfs Geschichte kommentiert und damit ständig weiter geschrieben werden. Das Internet macht´s möglich. Anlässlich des 25-jährigen Jubiläums des Stadtteilarchivs Eppendorf stellten die Leiter Maria Koser und Hakim Raffat das Eppendorfer Geschichtslexikon vor, ein Online-Portal, in das das Stadtteilarchiv Artikel zu bestimmten historischen Ereignissen aus Eppendorf stellt, die von allen Interessierten kommentiert werden können. „Dadurch können andere Sichtweisen auf diese Ereignisse deutlich werden. Der persönliche Eindruck einzelner ergänzt die institutionelle Geschichtsschreibung“, erläutert Hakim Raffat. Die Artikel werden deshalb nicht verändert.
Kommentare erwünscht
„Wir wollten keine Endprodukte, wie sie in einem Lexikon stehen, wo dann niemand weiß, wie sie zustande gekommen sind“, erzählt der freie Historiker Joachim Räth, der dem Stadtteilarchiv bei der Installation des Geschichtslexikons maßgeblich geholfen hat. Anhand der Kommentare kann beim Eppendorfer Geschichtslexikon genau nachvollzogen werden, wer was zu einem bestimmten Ereignis geschrieben hat. Etwa 50 bis 100 Artikel beinhaltet das Lexikon schon. Auf rund 500 Artikel und Fotos soll es im nächsten Jahr anwachsen. Auch positive und negative Kommentare können die Nutzerinnen und Nutzer abgeben und neue Schlagwörter für die Artikel und Fotos eingeben. „So können die Artikel noch besser gefunden werden“, freut sich Hakim Raffat. Das 25-jährige Jubiläum des Stadtteilarchivs Eppendorfs wurde kürzlich in der Martinuskirche mit einem Konzert des Madrigalchors Eppendorf gefeiert. Das Stadtteilarchiv war 1987 als Geschichtsgruppe des Kulturhauses Eppendorf gegründet worden.
Seit 1992 ist das Stadtteilarchiv ein eingetragener Verein. Wegen knapper Mittel aus der Kulturbehörde konzentrierten sich die Gründer auf die Außenwirkung, auf Rundgänge, Ausstellungen und Veranstaltungen und nicht auf den Ausbau des Archivs wie andere Geschichtswerkstätten und Stadtteilarchive. Es bedient sich in starkem Maße der einst bei Historikern umstrittenen „oral history“, der „mündlichen Geschichte“, der Erzählung von Zeitzeugen. Die beiden Historiker Maria Koser und Hakim Raffat, die jeweils eine halbe Stelle ausfüllen, haben einige Bücher zur Eppendorfer Geschichte veröffentlicht. Das älteste, „Eppendorf und seine Parks“, war die erste wissenschaftliche Darstellung zur Eppendorfer Geschichte überhaupt. Es folgten das zweibändige Werk über die Stolpersteine in Eppendorf und kürzlich „Stifter, Schwestern, Zufluchtstätten“, ein Buch über Eppendorfs Wohnstifte. Außerdem ist in einer Reihe über Eppendorfs Straßen ein Werk über die Erikastraße erschienen. 2013 folgt der Band zur „Eppendorfer Landstraße“.
Trotz einer starken Reduzierung von Mitteln zur Zeit der Kultursenatorin Dana Horakova (2002-2004) um 25 Prozent befindet sich das Statteilarchiv dank eines wieder größeren Angebots und vieler Kooperationen derzeit im Aufwind. Insbesondere das Rundgangprogramm wurde erweitert. Einen Rundgang der ersten Stunde gibt es übrigens nach wie vor: der literarische Rundgang zum Leben von Wolfgang Borchert. Der erfreute sich immer großer Beliebtheit. (ch)
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