„Ehrenamt braucht Geld“

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Volker Okun ist seit 1991 Schatzmeister und seit 1997 Ehrenamtsbeauftragter des Hamburger Fußball-Verbands Foto: Sichting
 
7.800 ehrenamtliche Helfer betreuen die Vereinsfußballer in Hamburg Symbolfoto: thinkstock

Fußball-Ehrenamtsbeauftragter fordert Unterstützung vom Senat

Von Mathias Sichting
Hamburg
In Hamburg spielen 170.000 Menschen in etwa 420 Vereinen organisiert Fußball. Sie trainieren regelmäßig, treten Woche für Woche in verschiedenen Ligen im Punktspielbetrieb gegeneinander an und kämpfen um Pokale, Meisterschaften und Aufstiege. Betreut werden die Vereinsfußballer von etwa 7.800 ehrenamtlichen Helfern. Darunter allein 3.500 Schiedsrichter. Ohne das Ehrenamt wird in der Hansestadt kein Ball aufgepumpt, keine Platz abgekreidet und kein Spiel angepfiffen. Es ist das Herz des Fußballs, in manchen Vereinen auch die Seele. Volker Okun (67) ist seit 1991 Schatzmeister und seit 1997 Ehrenamtsbeauftragter des Hamburger Fußball-Verbands (HFV) und zugleich Präsidiumsmitglied für Ehrenamtsfragen im Norddeutschen Fußballverband. Er weiß, wo der Schuh in Sachen Ehrenamt in der Hansestadt drückt.
Im Gespräch mit dem Wochenblatt verweist Okun auf die unglaublich hohen sozialen Leistungen, die durch den Fußball in den Vereinen und im Verband erbracht werden, gerade in so wichtigen Bereichen wie Integration, Inklusion und Gesundheit. Dafür wünscht sich Volker Okun von der Stadt Hamburg mehr Geld, weil diese Leistungen sonst nicht länger erbracht werden können. Laut Okun muss gerade in finanzieller Hinsicht vom Senat mehr für die Arbeit mit Ehrenamtlichen getan werden.

Im Schnitt fünf Stunden pro Woche aktiv


„Die 7.800 ehrenamtlichen Mitarbeiter sind durchschnittlich mindestens fünf Stunden pro Woche ehrenamtlich aktiv. Das macht bei einem fiktiven Stundenlohn von zehn Euro einen Gegenwert von rund 20 Millionen aus. Dem stehen 1,3 Millionen Euro, die wir im Rahmen des Sportfördervertrags vom Senat bekommen, gegenüber. Das ist unverhältnismäßig“, findet Okun. Er fordert eine Nachzahlung für die seit 2007 unveränderte Zuwendung und eine zukünftige Übernahme der Tariferhöhungen für seine Verbandsmitarbeiter.
Mit etwa 20 hauptamtlichen und 160 ehrenamtlichen Mitarbeitern bildet der HFV das organisatorische Dach aller Hamburger Fußballvereine. Sportvereine haben es laut Okun allgemein schwer, ehrenamtliche Helfer zu finden. Die fehlende Zeit und das jobähnliche Image eines Ehrenamtes schrecken viele potenzielle Helfer ab. Der HFV bietet Schulungen zur Qualifizierung im Ehrenamt an und kümmert sich um die Schiedsrichteransetzungen in unterschiedlichen Ligen. Sechs Mitglieder einer Kommission gehen in die Vereine und versuchen Strukturen für eine erfolgreiche Arbeit mit Ehrenamtlichen zu schaffen. Die Idee: Jeder Verein sollte einen eigenen Ehrenamtsbeauftragten im Präsidium haben, der als Experte für die Arbeit mit den freiwillig Engagierten fungiert.

1.000 Helfer fehlen


„Es fehlen in allen Vereinen ehrenamtliche Mitarbeiter in den verschiedensten Bereichen, wie wir aus den zahlreichen regelmäßigen Gesprächen wissen. Wenn wir den Vereinen weitere 1.000 ehrenamtliche Mitarbeiter anbieten könnten, würden diese Helfer sicher platziert werden können“, sagt Okun.
Auf dem Weg in die Zukunft hat sich der HFV auf die Fahnen geschrieben, das „Neue Ehren-amt“ verstärkt zu unterstützen. „Im alten Ehrenamt ist beispielsweise der Schatzmeister eines Vereins ein Multifunktionär. Er ist sich für nichts zu schade, kassiert am Spieltag die Eintrittsgelder, arbeitet unter der Woche als Platzwart und organisiert nebenbei noch die nächste Mitgliederversammlung. Fällt er aus, entsteht ein großes Vakuum“, warnt Volker Okun. Genau dieses Vakuum soll zur Vergangenheit gehören. Die Vereine stehen vor der schwierigen Aufgabe, den neuen Weg mitzugehen. „Der Deutsche Fußball Bund und der HFV helfen, eine Zukunftsorientierung im Ehrenamt zu finden, die sicherstellt, dass sich der Verein weiter vernünftig entwickeln kann“, so Okun.
Gewinnen, binden, qualifizieren, anerkennen, verabschieden – das sind die neuen Schlagworte des modernen Ehrenamts. „Wir haben erkannt, dass die Vereine ein neues, den veränderten gesellschaftlichen Verhältnissen angepasstes Ehrenamt brauchen. Das heißt, wir müssen uns drehen und wenden, damit wir junge Leute ins Ehrenamt holen. Es gibt einen vom DFB-Bundestag 2013 verabschiedeten Masterplan mit Punkten zur Förderung des Ehrenamts: Idealerweise gewinnen die Vereine die Ehrenamtlichen durch direkte Ansprache im Verein, aber auch durch gezielte Maßnahmen, Schulungen oder eine öffentliche Ausschreibung. Man bindet sie in einer zu ihren Fähigkeiten passenden Aufgabe, dann qualifiziert man sie und lässt sie längerfristig arbeiten. Unumgänglich ist eine angemessene Verabschiedungskultur. Freiwilliges Engagement muss entsprechend aufgewogen werden. Mit diesem System haben wir aktuell gute Erfolge“, weiß der Ehrenamtsbeauftragte. „Der wahre Schatz des HFV ist nicht unser Geld, sondern sind die vielen ehrenamtlichen Helfer, die Woche für Woche den Spielbetrieb in allen Spielklassen sicherstellen“, so Volker Okun weiter.

Kampagnen und Preise


Das neue Ehrenamt lebt von der Öffentlichkeit. Um im Zeitalter von Social Media möglichst viele Menschen für die Mitarbeit zu begeistern, geht der HFV neue Wege: In Zusammenarbeit mit der „medienakademie Hamburg“ wurde eine Viral-Kampagne unter dem Motto „#ohnegehtsnicht – Ehrenamt was uns zusammenHELD“ ins Leben gerufen. Über soziale Netzwerke wie Facebook, Instagram und Twitter wird unter dem Hashtag „#ohnegehtsnicht“ verstärkt nach neuen Helfern gesucht. Flyer, Plakate und ein Werbespot sorgen für zusätzliche Aufmerksamkeit.
Neben dieser verstärkten Öffentlichkeitsarbeit gibt es zahlreiche Ehrenamtspreise, wie die silberne und goldene Ehrennadel sowie zahlreiche weitere Personenehrungen, die der Hamburger Fußballverband und der DFB vergeben. Aushängeschild dieser Ehrungen ist der Vereins-Ehrenamtspreis. Dieser ist mit 15.000 Euro dotiert und wird für herausragendes ehrenamtliches Engagement vergeben. Sieger-Verein der sechsten Auflage im Jahr 2015 ist der SV Grün-Weiss Harburg. (ms)

Weitere Informationen zum Ehrenamt beim HFV und eine Ehrenamtsbörse mit
Stellenausschreibungen gibt es online auf www.hfv.de
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1 Kommentar
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Elke Noack aus Rahlstedt | 25.05.2015 | 11:29  
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