Ein Cowboy in der Stadt

Anzeige
Frontmann Andreas Cisek (57) an einem seiner Lieblingsplätze im Hayns Park Foto: Flüß
 
Frischer und moderner präsentiert sich die mehr als 40 Jahre alte Band Truck Stop Foto: Christian Barz

Andreas Cisek (Truck Stop) über Schickimicki und mehr

Von Miriam Flüß
Eppendorf
So mancher Eppendorfer hat vielleicht schon einmal ganz ahnungslos Musik mit dem Frontmann von Truck Stop gemacht. „Ich fahre gern Fahrrad. Morgens drehe ich eine Runde über die Eppendorfer Landstraße und durch den Hayns Park. Oft habe ich meine Reisegitarre dabei. Treffe ich auf andere Musiker im Park, kommt es zu einer spontanen Jam-Session. Ich mag den musikalischen Austausch.“ Als Sänger der erfolgreichsten deutschen Country-Band outet Andreas Cisek sich allerdings nicht. Nach dem Tod zweier Gründungsmitglieder stieg der 57-Jährige 2012 als Frontmann ein: „Seit mehr als 20 Jahren bewege ich mich im Dunstkreis der Band und habe auch Songs für sie geschrieben. Es ist ein komisches Gefühl, die jetzt selber zu singen“, so Cisek.
Am 19. Dezember steht der Musiker aus Eppendorf mit Truck Stop zum traditionellen Weihnachtskonzert auf der Bühne des CCH. Mit dabei sind neben den Band-Urgesteinen Teddy Ibing, Knut Bewersdorff und Uwe Lost die neuen Mitglieder Chris Kaufmann und Tim Reese. „Das gibt ordentlich Dampf auf der Bühne“, freut sich Cisek. „Es kommen viel Erfahrung und heißes Blut zusammen. Und wir müssen Gas geben – Chris und Tim sehen gut aus und sind herausragende Musiker!“ „Männer sind so“ heißt das neue Album, das auch im Mittelpunkt des Konzertes stehen soll. Und wie sind Männer so? „Männer geben nach außen gern mal den Krafmeier, sind aber innen oft sensibel und verletzlich. Lebewesen voller Gegensätze eben“, findet der Sänger, der vor drei Jahren „aus Liebe“ nach Eppendorf gezogen ist. Und hat auch selbst einige Überraschungen zu bieten: „Mit Amerika habe ich persönlich wenig am Hut. Aber der Ursprung unserer Musik kommt von da und hat mich fasziniert.
Das Country-Feeling trägt man in sich, das ist nicht an einen Ort gebunden.“ Nicht das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, sondern Portugal steht ganz oben auf seiner Reisewunschliste: „Ich mag Fado-Musik, die geht unheimlich tief. Diese Traurigkeit und das Morbide von Lissabon reizen mich.“ Seine Songs schreibt der gelernte Möbeltischler Cisek mit einem Art Pen, einer Mischung aus Füllfederhalter und Zeicheninstrument: „Von Hand zu schreiben, klar und in in ursprünglicher Form, das ist auch Country. Nichts Künstliches, sondern geradeaus von Herzen zu den Leuten!“ Freiheit, Geradlinigkeit und Ursprünglichkeit seien die Werte, für die der Musiker und seine Band-Kollegen stünden. Und etwas von dem ursprünglichen Country-Gefühl findet sich doch in Eppendorf: Einen maßgefertigten Cowboyhut hat Cisek gerade bei dem Eppendorfer Hutmacher Peter de Vries in Auftrag gegeben, sein Brot kauft er gegenüber in der kleinen Bäckerei bei Laura und Joanne.
Und den Art Pen ersteht Cisek in einem seiner Eppendorfer Lieblingsgeschäfte, dem traditionsreichen Schreibwarenladen Otto F. K. Koch (siehe Seite 3). „Ich mag Eppendorf, das ist ein Klassiker in Hamburg mit alten Wurzeln. Es wird auch mehr Multikulti. Schickimicki, Normalos und Arbeiter mischen sich – das alte Klischee stimmt nicht mehr.“ Trotzdem: „Ich könnte nicht gut an einem und demselben Ort arbeiten. Ich bin viel auf der Autobahn und mag das Gefühl, on the road zu sein.“ Ein wenig wie auf den amerikanischen Highways sei das schon.
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige