Eine Siedlung will Sicherheit

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Genießen nur Bestandsschutz in ihren Häusern am Weg beim Jäger: Andrea Mühlhausen sowie Svenja und Hayo Lewerentz (v.l.). Das wollen sie ändern. Foto: Hanke

Anwohner im Weg beim Jäger fordern Genehmigung ihrer Bauanträge

Von Christian Hanke
Groß Borstel. Eine Siedlung in Groß Borstel will Sicherheit. Die Häuser Weg beim Jäger 125-155 genießen nur Bestandsschutz. Sie liegen im „Flughafen-Sperrgebiet“ auf Flächen, die im zuständigen Baustufenplan Fuhlsbüttel-Alsterdorf-Groß Borstel von 1955 als Gewerbe- oder Grünflächen, aber nicht zur Wohnnutzung ausgewiesen sind. Die Folge: Bauanträge zum Ausbau der Häuser oder für neue Gebäude auf den bis zu 2000 Quadratmeter großen Grundstücken werden in der Regel abgelehnt. „Wir möchten hier nicht nur geduldet werden, sondern wirklich da sein“, fasst Andrea Mühlhäuser die Sorgen der Anwohner zusammen. Viele Häuser stehen hier schon seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts, schöne großzügig gestaltete Villen, die auch heute noch meist nur von einer Familie bewohnt werden. Dazu gesellten sich bis in die 1950er Jahre weitere schmucke Wohnhäuser. „Die Familien sind hier zum Teil schon seit 50 oder 60 Jahren ansässig“, erzählt Hayo Lewerentz, einer der Anwohner.
Als kürzlich wieder einmal ein Bauantrag abgelehnt wurde, schlossen sich das Ehepaar Lewerentz und ihre Nachbarn zu einer Initiative zusammen und baten das Bezirksamt Hamburg-Nord um eine Änderung des Flächennutzungsplans, „damit auch das Ostende von Groß Borstel weiterhin als Wohn-standort eine Zukunft hat.“
Das Bezirksamt lehnte ab, verwies auf „sich überlagernde Lärmquellen“, Fluglärm auf der einen, Straßenlärm auf der anderen Seite, „die die Rechtssicherheit für Wohnen infrage stellen.“ Die Beamten stellten außerdem klar heraus, dass bauliche Nachverdichtungen, eigentlich das Zauberwort für Wohnungsbau in Groß Borstel, hier „städtebaulich und landschaftsplanerisch nicht gewollt“ seien. Es fehle am ausreichenden Sicherheitsabstand zum nahen Gehölz „Borsteler Jäger“, das ein Bürger einst der Stadt zum „Wohle der Allgemeinheit“ geschenkt hat. Schließlich würden die Flughafenwirtschaft und die zuständigen Behörden „erfahrungsgemäß“ ihre Zustimmung verweigern. Eine aktuelle Planung der nahen Lufthansa-Werft, das Gelände der besagten Häuser zu bebauen, gibt es allerdings nicht.
Die Anwohner reagierten höchst unzufrieden auf die Antwort des Bezirksamtes. „Wir haben hier kein Lärmproblem. Der Straßenlärm hat erheblich abgenommen, seitdem es die Umgehungsstraße im Norden des Flughafens gibt und vom Fluglärm hören wir auch kaum noch etwas, seitdem die Lufthansa-Werft hohe Gebäude hinter unseren Grundstücken gebaut hat. Die wirken wie Lärmschutzwände“, weißt Hayo Lewerentz das Argument des Lärm belästigenden Wohnens zurück. Die Anwohner werden den Verdacht nicht los, dass das Bezirksamt ihnen etwas verschweigt. „Das Schreiben vermittelt den Eindruck von vehementer Abwehr. Es wirkt so, als ob die etwas wüßten, was wir nicht wissen“, findet Svenja Lewerentz. Auch eine der Fraktionen im Regionalausschuss Langenhorn/Fuhlsbüttel/Groß Borstel/Alsterdorf verhielt sich in den Augen der Anwohner so, als diese dort ihr Anliegen vortrugen. Deshalb sind die Anwohner auf höchste verärgert. Sie fühlen sich hintergangen. Auch die Praxis der Erteilung von Bauanträgen verstehen die Anwohner nicht. Ein Grundeigentümer, der vor zwei Jahren hier ein altes Haus kaufte, durfte es abreissen und neu bauen. Ansonsten wurden Neubauten nicht genehmigt. Vermietungen dürfen nicht stattfinden. Das Bezirksamt betont, dass die Bauanträge für bestandsbezogene Erweiterungen/Neubauten bisher genehmigt wurden. Dennoch haben die Anwohner den Eindruck, dass bei den Genehmigungen der Bauanträge mit „vielerlei Maß gemessen“ würde.
„Wir sind hier vogelfrei und zum Abschuss freigegeben. Darauf haben wir keine Lust“, erregt sich Svenja Lewerentz.
Deshalb wollen die Anwohner weiter für die Sicherung ihres Eigentums kämpfen. Svenja Lewerentz charakterisiert die Wohnsiedlung schon so: „Wir sind das gallische Dorf von Groß Borstel.“ (ch)
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