Er sagt dem Stadtpark Ade

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Herzlicher Abschied: Jochen Köhler (l.) und einer seiner Stammgäste, Michael Schütz Foto: Haas
 
Ab 2015 im Ruhestand: Jochen Köhler war gerne „sein eigener Chef“ Foto: Haas

Zehn Jahre lang betrieb Jochen Köhler die bekannte Minigolf-Anlage

Von Waltraut Haas
Winterhude
Unter seinen Stammkunden hat es sich schon herumgesprochen: Jochen Köhler hat zum Jahresende aufgehört. „Es hat mir viel Spaß gemacht, denn hier im Stadtpark verkehrt ein richtig angenehmes Publikum.“ sagt der Betreiber der Minigolf-Anlage an der Südseite der Festwiese. „Aber zehn Jahre sind genug.“
Mit einem lachenden und einem weinenden Auge sei er gegangen. Fast schon verschmerzt sind wenige Fälle von Vandalismus, Einbrüche oder Einbruchsversuche im Kiosk. Seine Stammkunden aber seien ihm doch ans Herz gewachsen. Mit den meisten verkehrte Jochen Köhler auf freundschaftlichem Fuß, meistens per Du. Allen voran die Minigolfspieler und Kioskbesucher, unter ihnen viele Hundebesitzer, die sich hier bei jedem Wind und Wetter auf einen Snack mit Kaffee oder Glühwein treffen. Für ihre Vierbeiner hielt Jochen Köhler eigens eine Dose mit Hundekeksen bereit.
„Wir sind alle richtig traurig, dass er ging.“ Kiosk-Besucher Michael Schütz, auf Gassi-Tour mit seiner kleinen Hündin, macht sich zum Sprecher einer großen Fangemeinde, die Jochens freundschaftliche Art schätzt, seinen trockenen Humor ebenso wie die Klönschnacks übers Wetter, über die Politik und den HSV, aber auch sein offenes Ohr für manchen persönlichen Kummer. Zu Jochen an den Kiosk unter den alten Eichen kamen alle gern.

Quereinsteiger


Oder die Freizeitspieler, die sich bei besserem Wetter bei Jochen Fußballtore ausliehen. Nicht zu vergessen die Besucher der Festwiese an Sommerabenden, die hier immer Nachschub holen konnten, wenn ihr Vorrat an Sixpacks ausgetrunken war und das Wetter viel zu schön, um schon nach Hause zu gehen. „An manchen Sommertagen war die Festwiese früher so gut besucht, dass die Fußballer keinen Platz fanden, um die Verleihtore aufzustellen.“ erinnert sich Jochen. „Mein Start hier war ja ein beruflicher Neuanfang, ich hatte weder gastronomische Erfahrung noch kannte ich mich im Minigolf aus.“
Während 25 Jahren in einem großen Elektronik-Konzern hatte er sich hochgearbeitet in eine leitende Position im Marketing und Vertrieb von Endoskopen, als die Firmenleitung ihn im Zuge einer Umstrukturierung verabschiedete. „Zwar mit einer finanziellen Abfindung, wie sie heute nicht mehr üblich ist.“ erinnert sich Jochen nachdenklich. „Aber die Chancen, mit 55 Jahren eine andere Arbeit zu finden, waren schon damals rar.“ Und als er die Ausschreibung des Bezirksamtes Nord sah, bewarb sich Jochen Köhler kurzerhand, überzeugte und bekam die Konzession für Kiosk und die damals neu errichtete Minigolf-Bahn. „Und ich habe es genossen, nach 25 Jahren Arbeit in einem großen Konzern endlich mal mein eigener Herr zu sein.“ so sein Fazit. Positives Denken und eine optimistische Grundhaltung bewahrte er sich in jeder Lebenslage. So hat er 2007 ein – gottlob früh erkanntes – Krebsleiden überstanden: Ganze vier Wochen fiel er aus, in denen ihn seine Frau und seine drei Söhne vertreten mussten. Dann war Jochen wieder einsatzbereit.

Zeit für Reisen


Doch trotz der Unterstützung durch die Familie bedeutet Selbständigkeit eben „selbst“ und „ständig“. Es sei auch anstrengend gewesen. „Und mit zunehmendem Alter kommen eben die Zipperlein.“ gibt der Kioskbetreiber zu. Sommer wie Winter täglich ab Mittag bis zum Dunkelwerden war er auf seinem Posten, vormittags waren noch Einkäufe zu erledigen. Nur an stürmischen Tagen, bei Permafrost oder Dauerregen blieb auch der Kiosk am Minigolfplatz mal verwaist.
Endlich mehr Zeit für seine Frau und die Familie, wünscht sich Jochen jetzt. Und Zeit für Reisen – andere Länder kennen lernen, aber auch in Hamburg gebe es für ihn noch so viele Ecken zu erkunden, zu Fuß und per Fahrrad.
Beim Minigolf an der Festwiese geht es weiter: Rebekka Herrmann wurde vom Bezirksamt Nord zur neuen Pächterin und Nachfolgerin bestimmt.
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