Fernweh liegt in der Familie

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Wird sein nächstes Projekt ein Kochbuch? Hobby-Koch Matthias Stolt am „Krisen-Herd“. Fotos: Haas

Wie Matthias Stolt die Galapagos-Inseln entdeckte

Von Waltraut Haas
Winterhude. Am vergangenen Donnerstag erschien sein bemerkenswertes Buch „Kurs: Galapagos. Das abenteuerliche Leben der Gebrüder Angermeyer“. Matthias Stolt legt eine spannende Geschichte seines Besuchs bei außergewöhnlichen Verwandten vor, den Cousins seiner Mutter.

„Das Buch war längst überfällig“, sagt der Hamburger Fotograf und Sachbuchautor, der seit neun Jahren in Winterhude lebt und arbeitet. Er ist sichtlich erleichtert, dass er sein neues Werk – zum ersten Mal eines mit so persönlicher Note – jetzt in gedruckter Form in Händen hält. Schon 2003 hatte er ein Reisebuch über die Galapagos-Inselgruppe in deutsch und englisch herausgegeben.
Dass die Gebrüder Angermeyer aus Hamburg einst das Weite suchten und sich auf den Galapagos-Inseln niederließen, das wusste Stolt aus vielen Erzählungen seiner Mutter, die vier wagemutigen Brüder sind deren Cousins. Auf Geheiß ihrer weitsichtigen Eltern sollten sie dem Nazi-Regime und der Einberufung zum Militär entgehen durch ihre Auswanderung. Das war 1935. Die Angermeyers schlagen sich wacker auf der damals noch dünn besiedelten tropischen Inselgruppe am Äquator – ohne fließendes Wasser und Strom, ohne medizinische Versorgung oder Telefon.

Lebensbericht

Erst Jahrzehnte später lernt Matthias Stolt einen seiner Cousins zweiten Grades persönlich kennen. Als Karl Angermeyer wieder einmal zu Besuch in Hamburg ist, lädt er ihn ein.
Und Stolt folgt der Einladung, besucht 1988 zum ersten Mal die Galapagos-Inseln, mit einem Auftrag für eine Zeitschriften-Reportage. Dort lernt er die Brüder und deren Familien kennen. Und ist begeistert von der Schönheit der Landschaft und der exotischen Tierwelt mit fast zahmen Meerechsen, Seelöwen und Riesenschildkröten. Zugleich interessiert er sich brennend für die Geschichte seiner Großonkel und ihrer Familien.
Die ihm ausführlich erzählt wird. Stolt macht Notizen, Fotos und Reproaufnahmen ihrer Dokumente. In seinem Buch erzählt er von seiner Reise und verfasst zugleich – 77 Jahre nach dem Anfang der Geschichte 1935 – den dramatischen Lebensbericht der Angermeyer-Brüder, illustriert mit vielen Abbildungen.

Fernweh

Das Fernweh liegt in der Familie.Geboren 1954, wächst der Hamburger Jung in Hamm und Sasel auf, macht eine Ausbildung zum Tiefdruckretouscheur. „Dieser Beruf ist heute ausgestorben.“ sagt Stolt.
Nur gut, dass er schon während der Ausbildung sein Interesse für die Fotografie entdeckt. Seinen Wehrdienst leistet er beim Bundesgrenzschutz als Fotograf, wird beauftragt mit Passbildern oder Luftaufnahmen von Grenzabschnitten. „Das war Learning by doing – damals gab’s ja noch keine Digitalfotografie.
Man musste in der Dunkelkammer arbeiten, seine Filme selbst entwickeln und vergößern.“ sagt er lächelnd. Danach arbeitet er 25 Jahre bei Minolta, zunächst in der Reparaturannahme, dann zehn Jahre lang als Kundenberater, zuletzt als Pressechef. Und fotografiert nebenbei für namhafte Kunden, kann seine Bilder auch veröffentlichen in zahlreichen Zeitschriften.
Und reist immer wieder – rund um den Globus.
Im Jahr 2000 zieht die Firma von Hamburg nach Hannover, und Stolt, der in seiner Vaterstadt bleiben möchte, macht sich selbständig als Fotograf und Fachbuchautor. „Inzwischen leben über 40.000 Menschen auf Galapagos, und die Angermeyer-Nachkommen können vom Tourismus leben.“ weiß Stolt. Dass sein Buch einen Ansturm auslöse, sei nicht zu befürchten. Denn schon die Reise dorthin kostet ein kleines Vermögen, dazu kommen Nationalpark-Gebühr und strenge Auflagen.
Für Naturinteressierte sei die Inselgruppe trotzdem immer noch ein absolutes Highlight. Auch Matthias Stolt wird immer wieder vom Fernweh gepackt. Die nächsten Ziele sind Vietnam und Brasilien. Zwischendurch will er ein Kochbuch verfassen. Sein Motto – von den Angemeyers vorgelebt: „Träume nicht dein Leben, sondern lebe deinen Traum“ (wh)
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