Ganz persönliche Begrüßung

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Renate Kellner (61) zeigt Besuchern, „wo sich Winterhuder rumdrücken“ Foto: Flüß

Ehrenamtliche „Greeter“ wie Renate Kellner führen Hamburg-Gäste durch die Stadtteile

Winterhude/Eppendorf „Meine Gäste wollen erkunden, wo sich die Winterhuder so rumtreiben“, bringt Renate Kellner ihre ehrenamtliche Tätigkeit auf den Punkt. Die 61-Jährige aus Winterhude gibt Touristen aus dem In- und Ausland als „Hamburg Greeter“ ganz besondere Einblicke in ihren Stadtteil, das benachbarte Eppendorf, St. Georg und die Innenstadt. Besucher können die Hansestadt so abseits der ausgetretenen Touristenpfade kennenlernen und erfahren vieles, was in keinem Reiseführer steht. „Ein umfassendes Wissen über Hamburg braucht man nicht. Wir ersetzen keine Fremdenführer“, erklärt Renate Kellner. Mit ihren Gästen startet sie gern am Schauspielhaus mit dem Bus oder Stadtrad nach Winterhude, erkundet den Mühlenkamp, den Schinkelplatz und die Gertigstraße, gibt Restaurant-Tipps, gibt einen Einblick in das Goldbekhaus und seine Historie oder bummelt über den Goldbek-Markt. In Eppendorf ist der Isemarkt für Besucher ein Highlight: „Der Markt fasziniert die Menschen. Ich empfehle immer, vorher nicht zu frühstücken“, sagt Renate Kellner lachend. Im Anschluss geht es entlang der Stadtvillen und großbürgerlichen Häuser vom Eppendorfer Baum bis zur Eppendorfer Landstraße: „Hier findet man eine zusammengehörige Bausubstanz, die in Hamburg selten ist“, erzählt sie. Wohnen und Bauen ist ein Thema, das Renate Kellner und viele ihrer Gäste umtreibt: „Viele wollen wissen, was auf dem Miet- und Wohnmarkt passiert und wie sich das Leben abspielt. An der Ecke Gertigstraße und Barmbeker Straße kann man sehen, wie das Wohnungsbauprogramm umgesetzt wird und wo einmal Kleingewerbe war. Die Gentrifizierung im Stadtteil, der früher vom unteren Mittelstand geprägt war, kann man gut am Unterschied zwischen Mühlenkamp und Alsterdorfer Straße zeigen.“ Letztere sei noch „ein bisschen unberührt mit der wild gemischten Ladenstruktur“, während der Mühlenkamp vom Niveau „eher an den Eppendorfer Baum“ rückt. Während eines Chicago-Aufenthaltes 2005 haben Renate Kellner und ihr Mann selbst einen „Greet“ in Anspruch genommen und waren begeistert von dem Konzept. Als der Vorruhestand der ehemaligen Prokuristin die Zeit ließ, wurde sie 2013 selbst als „Hamburg Greeter“ aktiv. Die Mehrheit ihrer Gäste kommt aus Deutschland, aber auch Besucher aus Chile, Russland und Österreich hat sie schon begleitet. „Seitdem gehe ich mit einem anderen Blick durch die Stadt“, erzählt Renate Kellner.
Ins Leben gerufen wurden die Hamburg Greeter, von denen es mittlerweile 85 gibt, 2012 in Winterhude von Klaus Bostelmann. Der ehemalige Leiter der Volkshochschule Norderstedt suchte nach einer sinnvollen Tätigkeit für die Altersteilzeit und konnte mit dem Verbinden und Integrieren von Menschen seinen roten Faden aufnehmen. „Die Gäste kommen zu 80 Prozent aus dem deutschsprachigen Raum“, erzählt Bostelmann. (flü)

Weitere Infos: www.hamburg-greeter.de
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