Geld fürs Jugendhaus gefordert – ohne Rücksprache

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Setzen sich für die Jugendlichen im Jugendhaus Alsterdorf ein: Geschäftsführerin Hanne Stiefvater, Daniel Kootz, Ismail El-Shaikh und Nina Ismail (v.l.)Foto: Hanke
Alsterdorf. Ist das Jugendhaus Alsterdorf personell unterbesetzt? Besteht dringender Handlungsbedarf? Die Linke vermittelte diesen Eindruck in der letzten Sitzung der Bezirksversammlung Hamburg-Nord, beantragte eine sofortige Hilfe für die 2001 auf dem Gelände der Evangelischen Stiftung Alsterdorf eröffnete Einrichtung für Jugendliche und Jungerwachsene in Höhe von 5.000 Euro aus dem Quartiersfonds sowie die Einrichtung von zwei vollen Erzieherstellen für das Jahr 2014. Grüne, CDU und FDP stimmten grundsätzlich zu, wiesen aber darauf hin, dass auch andere soziale Einrichtungen Bedarfe hätte. Martin Baade (SPD) wies den Antrag als unausgegoren zurück, verwies darauf, dass sich im Quartiersfonds nur 8.000 Euro befänden, somit nur 3.000 Euro für andere Einrichtungen übrigbleiben würden. Der Antrag der Linken wurde zur weiteren Beratung in den Jugendhilfeaussschuss überwiesen.
Die Evangelische Stiftung Alsterdorf zeigte sich über die Initiative zu ihren Gunsten überrascht. „Wir wussten nichts von dem Antrag der Linken. Wir haben sie nicht gebeten, ihn zu stellen. Natürlich sind mehr Stellen immer schön. Wir sind aber mit dem Jugendamt über die weitere Entwicklung bereits im guten Austausch“, kommentierte Hanne Stiefvater, die Geschäftsführerin der alsterdorf assistenz west gGmbh, eines Unternehmens der Evangelischen Stiftung Alsterdorf, welches das Jugendhaus betreibt. Einen akuten Handlungsbedarf sehen die Verantwortlichen aber nicht. Zwar ist der Ägypter Ismail El-Shaikh, der das Jugendhaus aufgebaut hat, die einzige Vollzeitkraft für diese Einrichtung, aber ihm assistieren zwei Teilzeitkräfte - und El-Shaikh gilt allen kraft seiner Autorität als höchst effektive Vaterfigur für die betreuten Jugendlichen, die größtenteils einen Migrationshintergrund aufweisen und in umliegenden Einrichtungen für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge leben. Derzeit kommen viele aus nordafrikanischen Ländern.
Rund 80 besuchen täglich zwischen 14.15 und 20 beziehungsweise 19 (montags) Uhr (freitags 16-21 Uhr) das Jugendhaus. „30 kommen regelmäßig. Viele auch, wenn sie nicht mehr in der Umgebung wohnen“, erzählt Ismail El-Shaikh. Gemeinsam wird gekocht, Billard gespielt und Sport getrieben. „Wir versuchen sie zu beschäftigen und sie zu lehren, Verantwortung zu übernehmen, denn das kennen viele in ihrer Heimat nicht“, erzählt El-Shaikh bescheiden. Das scheint überwiegend gut zu gelingen. Es treten wenige Probleme auf, obwohl die Jugendlichen aus ganz verschiedenen Ländern kommen. Die meisten stammen aus Afghanistan, viele aus Nordafrika, einige auch aus Syrien. „Hier begehen sie keine Straftaten“, erzählt Ismail El-Shaikh. Stattdessen ist Teamwork angesagt. Jeden Tag wird ein anderes Programm geboten. Von einigen weiß der Betreuer zu berichten, dass sie Deutsch gelernt und den Hauptschulabschluss geschafft haben. (ch)
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