Groß Borsteler gegen Tempo-30-Gebühr

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Borsteler Bürger vor der Carl-Götze-Schule, darunter Ulrike Zeisig (2.v.l.) vomKommunalverein und Schul-Leiterin Barbara Blunck (4.v.l.) Foto: ch
Hamburg: Borsteler Chaussee |

Protest-Brief an den Innensenator Andy Grote

Christian Hanke
Groß Borstel
Tempo 30 ist in Hamburg mehr denn je in aller Munde. Die magische Geschwindigkeitsgrenze hat den Allgemeinen Deutschen Fahrrad Club (ADFC) zu einer Aufforderung an alle Hamburger inspiriert, Anträge auf verkehrsberuhigende Maßnahmen an die Stadt zu stellen, die alle Polizeikommissariate entgegen nehmen. Das Problem: Die Stadt verlangt für die Prüfung viel Geld. In Groß Borstel hat man diese neuen Aktivitäten zur Reduzierung von Lärm, Verschmutzung und Gefahren im Straßenverkehr zum Anlass genommen, die Stadt an ihre Verantwortung für die Gesundheit der Hamburger zu erinnern. Was nicht nur die Borsteler bei den Anträgen besonders ärgert: die Innenbehörde bittet jeden Antragsteller für die Bearbeitung mit 360 Euro zur Kasse.

Stadt schützt Anwohner nicht

„Wegen der Verkehrsdichte – allein auf der Borsteler Chaussee gut 27.000 Autos pro Tag – und seiner Nähe zum Flughafen sind die Menschen durch Luftschadstoffe und Lärm sehr stark belastet“, schrieb der Kommunalverein in Groß Borstel über die als wenig angenehm empfundene Verkehrssituation in Groß Borstel kürzlich an Innensenator Andy Grote. Auf der letzten Mitgliederversammlung des Kommunalvereins forderten die Mitglieder die Innenbehörde auf, auf die Erhebung der 360 Euro Gebühr für die Antragstellung zu verzichten. Die Innenbehörde habe Anwohner von Hauptstraßen wie der Borsteler Chaussee „nicht in ausreichendem Maße“ vor Gesundheitsgefahren im Straßenverkehr geschützt, so der Kommunalverein. „Für die bislang unterlassene Behördentätigkeit“ dürften Anwohner nicht zur Kasse gebeten werden. Insbesondere an der Kreuzung Borsteler Chaussee / Brödermannsweg / Köppenstraße wünschen sich die Borsteler eine Tempo-30-Reglung, denn an der Ecke Borsteler Chaussee / Bördermannsweg befindet sich die Carl-Götze-Schule, Groß Borstels einzige staatliche Grundschule.

Unfälle ab Tempo 50 tödlich

Seit kurzem ermöglicht ein Bundesgesetz die Einrichtung von Tempo-30 -Strecken, die kürzer als die Zonen sind, vor Schulen, Kindertagesstätten und sozialen Einrichtungen. Nicht weit entfernt ist außerdem die Moderne Schule Hamburg. 2016 waren hier drei Kinder durch Autos verletzt worden. Kurios: die Tempo-30-Zone im Bördermannsweg beginnt erst vor dem Schuleingang. Die Carl-Götze-Schule wird in einigen Jahren vierzügig gefahren, wenn das große Wohnungsbauprojekt Tarpenbeker Ufer fertiggestellt wird, und erhält deshalb einen Zu- und einen Erweiterungsbau.„Fußgänger überleben bei Tempo 30 in der Regel einen Zusammenstoß mit einem Auto, bei Tempo 50 kaum noch“, erläutert Uwe Schröder vom Kommunalverein die lebensnotwendige Bedeutung einer Tempo 30-Zone vor Schulen. Die Antwort auf die Forderung an Andy Grote steht noch aus.
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