„Große Prägnanz“ mit 102

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Ingeborg Syllm-Rapoport freute sich riesig über die endlich verliehene Promotionsurkunde Foto: Hanke

Die bewegende Geschichte einer Ärztin aus Eppendorf

Eppendorf Das war auch für das an Sensationen und Höchstleistungen gewöhnte Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) eine Premiere: die Promotion einer 102-jährigen Ärztin. Im Festsaal des Erika-Hauses auf dem UKE-Gelände überreichte Uwe Koch-Gromus, der Dekan der Medizinischen Fakultät und UKE-Vorstandsmitglied, kürzlich der 102-jährigen Ärztin Ingeborg Syllm-Rapoport ihre Promotionsurkunde. Die Doktorandin hatte im Mai in ihrer Wohnung in Berlin die mündliche Prüfung abgelegt. Koch-Gromus und zwei UKE-Kollegen waren dafür extra nach Berlin gereist. Die Hamburgerin Ingeborg Syllm-Rapoport, in Eppendorf aufgewachsen, hatte 1937 ihr Medizinstudium abgeschlossen und fertigte 1937/38 ihre Doktorarbeit über Diphterie an, während sie am Israelitischen Krankenhaus als Assistenzärztin arbeitete.
Aufgrund ihrer jüdischen Herkunft wurde die Dissertation nicht angenommen. Im selben Jahr emigrierte sie in die USA, wo sie ihren Abschluss nach zwei weiteren Studienjahren erneut ablegen konnte. Mit ihrem Mann Samuel Mitja Rapoport und ihren vier Kindern zog sie 1950 in die DDR und übernahm 1969 an der Berliner Charité den ersten Lehrstuhl für Neonatologie (Neugeborenenmedizin) in Deutschland. Professor Koch-Gromus erfuhr anlässlich ihres 100. Geburtstages von dieser Geschichte und schlug ihr das Ablegen der mündlichen Prüfung vor, die ihr 1938 versagt worden war. Die drei UKE-Mediziner waren während der Prüfung tief beeindruckt von ihrem Fachwissen, auch im Bereich der modernen Medizin. „Sie hat ihre Arbeit mit großer Prägnanz vorgestellt und sich kritisch mit ihr auseinandergesetzt“, erzählte Koch-Gromus bei der Promotionsfeier. Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank sprach von einer „wunderbaren geschichtsbewussten Geste“. Ingeborg Syllm-Rapoport, die ihr Studium nun mit „Magna cum laude“ abschloss, hielt eine kurze Ansprache, „auch im Namen aller, die hier nicht mehr sprechen können.“ (ch)
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