Grüne Idylle gerettet

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Gartenidyll bewahrt, weil Mieterinteressen berücksichtigt wurden. Der neue Gemeinschaftsgarten könnte Vorbild werden für manch anderes Bauprojekt…
 
Gustav-Falke-Straße: Energetische Optimierung abgeschlossen.

Gemeinschaftsgarten an der Gustav-Falke-Straße

Von Waltraut Haas
Grindel. Über 18 Monate lebten sie auf der Baustelle. Ihr Blick war nicht nur getrübt durch die mit Plastikfolie verhüllten Fenster. Auch Lärm, Staub und Dreck hatten ihren Nerven massiv zugesetzt. Doch jetzt können die Bewohner des Gebäudeensembles an Schlankreye, Gustav-Falke-Straße und Helene-Lange-Straße endlich aufatmen. Während die Bauarbeiter aufräumen, genießen die Mieter schon mal den Blick aufs Grüne: von den neuen, geräumigen Balkonen. Eine aufwändige „energetische Optimierung“ der Wohnanlage liegt hinter ihnen. Historisch originalgetreue Klinker zieren jetzt die Fassade nach erfolgter Wärmedämmung. Die Dächer, sämtliche Fenster und Balkone wurden erneuert, zudem eine Solaranlage installiert. Die „energetische Optimierung“ hatte die Wohnungsgenossenschaft von 1904 (WoGe) in Absprache mit ihren Mietern unternommen.
Dialog mit allen
Beteiligten
Noch im Sommer 2010 standen die Zeichen allerdings auf Sturm: „Wird die Kleingartenanlage zwischen Grindelberg und Gustav-Falke-Straße zugebaut?“
Mit dieser Frage berichtete damals das WochenBlatt über die Befürchtungen rund um die Gustav-Falke-Straße. Die elf Gartenparzellen waren schon gekündigt, sollten abgeholzt werden, den Baumaschinen und der Lagerung von Baumaterial weichen. Mieter und Anwohner machten sich per Unterschriftenliste stark: Das wertvolle Biotop mit altem Baumbestand wollten die streitbaren Geister keinesfalls opfern. Denn die Stadt Hamburg hatte das „vergessene“ Gartengrundstück inmitten des Gebäudeensembles der WoGe zum Verkauf angeboten, die das Gelände bis dahin nur verwaltete. Aber als Grünland oder Bauland? Die Vorsitzende der Eimsbütteler Bezirksversammlung Mechthild Führbaum (SPD) sowie Bezirksamtschef Torsten Sevecke setzten sich ein für die Erhaltung des Gartenlandes. Daraufhin verkaufte es die Finanzbehörde als nicht zu bebauende „Grünfläche“.
Zugleich fand bei der SPD Eimsbüttel ein Dialog aller Beteiligten statt: Die WoGe-Geschäftsführung lotete mit ihren Mietern die Interessen an der grünen Idylle aus.
Kompromiss mit
Vorbildcharakter
Das Resultat kann sich heute sehen lassen: Aus der Kleingartenanlage entstand im Dialog ein Gemeinschaftsgarten der neuen Art. Wertvoller Bestand an Pflanzen und Bäumen konnte zu einem großen Teil geschont werden.
Äpfel an Hochstammbäumen konnten weiter gedeihen; Buntspecht und Mönchsgrasmücke sowie Baumläufer und Heckenbraunelle konnten brüten – während die Baumaschinen nebenan eben behutsamer, auf einer schmalen Bautrasse manövrierten. „Jetzt zieren die wertvollen Edelrosen einer Kleingärtnerin einen neuen Sitzplatz. Und die Rosenliebhaberin pflegt sie gerne weiter.“ erklärt WoGe-Geschäftsführer Klaus Weise. Und die ehemalige Parzelle von Hans-Hermann Harms wurde neu eingezäunt. Denn mit Zutun des NABU wurde aus dem urwüchsigen Garten jetzt „Hamburgs kleinstes Naturschutzgebiet“: zum Schutz von zwei seltenen Molcharten, die im Teich hier leben.
Auch eine neuwertige Laube blieb stehen: Der ehemalige Besitzer Jürgen Muschik hatte sie für die allgemeine Nutzung gestiftet. „Neu dazu kamen eine Boule-Bahn, ein Kinderspielplatz und etliche Ruhezonen.“ so Weise.
Ende gut – alles gut
In der Gartenidylle wird unterdessen noch letzte Hand angelegt: Gärtner bepflanzen nach einem ausgeklügelten Plan die bis vor kurzem noch als Bautrasse fungierenden Schneisen, mit Beerensträuchern und Stauden. „Für die Bäume, die der Bautrasse weichen mussten, steht jetzt noch eine Ersatzpflanzung an.“ ergänzt Klaus Weise.
Bald heißt es hier also: „Ende gut – alles gut!“ Die Einweihungsparty der Grünanlage steht schon fest. Auch Bezirksamtsleiter Torsten Sevecke hat schon zugesagt, Ende August feiert er mit. (wh)
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1 Kommentar
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Steffi Aschenbrenner aus Harvestehude | 02.08.2012 | 07:44  
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