Hamburg: Alkohol? Nein danke!

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Kämpfen bei den Guttemplern gegen den Alkoholkonsum: Bertold und Ursula Foth, Karin von Kampitz und Jörn Martens (v.l.) Foto: Hanke

Eppendorfer Guttempler kämpfen gegen die Sucht und setzen auf Kultur

Hamburg. Die Schauspielerin, Liedermacherin und Autorin Veronika Kranich stellt am Sonnabend, 5. April, um 16 Uhr die Werke und die Person des Malers Max Liebermann vor sowie die Zeit, in der er lebte - im Guttemplerhaus, Eppendorfer Landstraße 39. Nicht die erste und bestimmt nicht die letzte kulturelle Veranstaltung in der schmucken, 1874/75 erbauten Villa, die seit 1906 der Gemeinschaft der Guttempler gehört, einem 1851 in den USA gegründeten „Orden“, der sich der Bekämpfung der Alkoholsucht, heute ganz allgemein der Drogensucht verschrieben hat. In Eppendorf treffen sich drei Guttempler-Gemeinschaften. Außerdem die Mitglieder einer Gesprächsgruppe. Damit zählt Eppendorf zu den größten und ältesten Standorten der Kämpfer gegen die Alkoholsucht in Hamburg.
Die auch ein vielseitiges Kulturprogramm bieten: Musik, Vorträge, Kabarett. Während des Eppendorfer Landstraßenfestes wird im Garten Kaffee und Kuchen angeboten. „Für viele Eppendorfer ist das schon eine Institution, eine Oase im Festgetümmel“, erzählt Ursula Foth, die schon seit ihrer Kindheit Guttemplerin ist. „In diesem Haus steckt sehr viel Eigeninitiative“, erzählt ihr Ehemann, der Vorsitzende der Eppendorfer Guttempler, Bertold Foth. „Wir legen großen Wert auf die kulturelle Arbeit“, ergänzt Ursula Foth.
Die ist auch wichtig für trocken gewordene Ex-Alkoholiker. Veranstaltungen, Freizeitaktivitäten helfen, ihr Leben auszufüllen. „Wer den Alkohol überwunden hat, braucht Aktivitäten, die die Beschäftigungen mit dem Alkohol ersetzen“, erzählt Jörn Martens, der Leiter der Gesprächsgruppe in Eppendorf. Zu dieser Gruppe, die sich einmal in der Woche trifft, kann jeder mit einem Alkoholproblem kommen, muss nicht Mitglied der Guttempler sein oder werden. „Die Gesprächsgruppe ist der erste Ansatz“, erzählt Jörn Martens, der selbst über ein Alkoholproblem Mitglied wurde. Der nächste Schritt sind die Gemeinschaften, in denen ein alkoholfreies Leben praktiziert wird. Deren Mitglieder beschäftigen sich bei ihren wöchentlichen Treffen mit Musik und Literatur, mit Basteln oder anderen Themen. Manchmal wird auch einfach nur geredet. Gemeinsame Unternehmungen stehen ebenfalls auf dem Programm. Immer im Sinne des Mottos der Guttempler: Enthaltsamkeit, Geschwisterlichkeit, Frieden. Fröhliches Feiern ohne Alkohol gehört immer dazu. Außerdem haben sich Neigungsgruppen gebildet zum Beispiel zum Volks- und Gemeinschaftstanz.

Einsatz für Frieden

Die Guttempler-Gemeinschaften sind in eine weltweite, vielseitige Organisation eingebunden. In Hamburg werden Selbsthilfegruppen organisiert, auch nur für Frauen. Es gibt Beratungsstellen und einen Interessenkreis „Ältere Menschen“. 350 Mitglieder zählen die Hamburger Guttempler. 6.500 sind es in Deutschland. Sie feiern in diesem Jahr das 125. Jubiläum der Guttempler in Deutschland.
Viele Mitglieder sind über ihre Alkoholprobleme zu den Guttemplern gekommen. Aber es gibt auch andere Gründe für eine Mitgliedschaft. „Mich hat der Einsatz für Frieden angezogen“, erzählt zum Beispiel Karin von Kampitz von der Eppendorfer Gruppe. Die Bekämpfung des Alkoholkonsums sieht sie als Friedensarbeit, weil Alkohol zur Gewalttätigkeit verführt. Andere wie Ursula Foth sind in die Gemeinschaften hineingewachsen, weil zum Beispiel die Eltern bereits Guttempler waren.

Kritik an Alkohol

„Alkohol ist ein Nervengift. Der Umgang mit Alkohol muss überdacht werden“, findet Bertold Foth. Insbesondere die Verfügbarkeit von Alkohol und die Präsenz alkoholischer Getränke in Werbung und Film kritisieren die Guttempler, die sich aber auch über viele Fortschritte freuen. Über das Verbot von Alkohol in öffentlichen Verkehrsmitteln zum Beispiel. „Das ist ein Erfolg der Hartnäckigkeit der Verbände“, ist sich Bertold Foth sicher. Aber es gibt seiner Ansicht nach noch viel, zu tun... (ch)

Wer sich für die Eppendorfer Guttempler interessiert, erreicht sie unter Tel.: 47 07 87 oder über Ursula und Bertold Foth unter Tel.: 83 71 80.
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