Hamburg: Amira wünscht sich ein Zuhause

Anzeige
Najma (l.) und Amira wollen raus aus dem Wohncontainer Fotos: ks
 
Franca W. (r.) und Amira bauen gemeinsam das neue Bett auf

Fünfjährige lebt von klein auf in einem Wohncontainer. Kindgerecht ist anders

Von Klaus Schlichtmann
Hamburg. Ihre Augen strahlen - trotz allem. Amira ist fünf Jahre alt, ein aufgewecktes, dunkelhäutiges Mädchen, das gerne lacht, auch wenn ihr junges Leben eher traurig stimmt. Amira ist in Hamburg geboren und lebt mit ihrer Mutter Najma (30) seit fünf Jahren im Asylbewerberdorf an der Steilshooper Allee. Wohnen ist eigentlich nicht das richtige Wort - hausen würde es eher treffen. Ein 18 Quadratmeter großes Zimmer in einem zweistöckigen Wohncontainer - das ist Amiras Zuhause und das ihrer Mutter, so lange schon. Najma stammt aus Somalia und hat dort bis zu ihrer Flucht nach Deutschland vor acht Jahren viel Leid erlebt. Nun also lebt sie in Bramfeld, nennen wir es mal in einer Einzimmer-Bleibe. Mit ihrer kleinen Tochter schläft sie gemeinsam auf einer durchgelegenen Matratze, die auf dem Boden liegt. Das Mobilar ist überschaubar: Ein altes, wackeliges Regal, ein Kinderbett, das für Amira zu klein geworden ist, Tisch, zwei Stühle - das war‘s auch schon. Es gibt eine Gemeinschaftsküche für die zehn Bewohner auf der Etage sowie zwei Duschen, von denen eine schon lange defekt ist. Es gibt auch zwei Toiletten, aber nur eine funktioniert. Die Heizung fällt auch ziemlich regelmäßig aus.

Auch der Kinderarzt unterstützt das Anliegen

Amira ist stolz auf ihren Teddy „Foffy“ - ihr einziges Spielzeug. Das kleine Mädchen besucht seit dem Sommer die Vorschule und hat - neben einem gebrauchten Fahrrad vielleicht - eigentlich nur einen Wunsch, den ihr die Mutter gerne erfüllen würde: „Sie wünscht sich so sehr ein eigenes kleines Zuhause, mit Küche und Badezimmer“, sagt Najma in fast perfektem Deutsch. Oft hat sie bei den Ämtern vorgesprochen, nach einer menschenwürdigen Unterkunft nachgefragt - bislang vergebens.
„Es ist ja nicht nur dieses kleine, enge Zimmer“, erklärt Najma. „Die Nachbarn in den Räumen links und rechts feiern oft mit lauter Musik bis spät in die Nacht, die können im Gegensatz zu Amira ausschlafen!“ Andere Mitbewohner würden trinken, in den Tag hinein leben, aggressiv sein und sich um nichts kümmern. Amiras neuer Malkasten sei auch bereits nach wenigen Tagen gestohlen worden. „Ich könnte mich mit der Situation ja noch abfinden, aber ich muß doch auch an mein Kind denken, damit es eine Zukunft hat“, klagt Najma.
Vom Amt hat Najma einen Wohnungs-Dringlichkeitsschein erhalten. Der Kinderarzt hat die Notwendigkeit einer eigenen Wohnung mit Privatsphäre bescheinigt und dringend nahegelegt, die Situation zum Wohle des Kindes zu ändern - passiert ist bisher nichts.

Hilfe von Nachbarn

Seit kurzem nun hat Najma eine Mitstreiterin an ihrer Seite: Franca W. (37), eine engagierte Frau aus der Nachbarschaft und Mutter von Fabian, der mit Amira in dieselbe Vorschulklasse geht. „Als ich gesehen habe, unter welchen Umständen das Mädchen hier leben muss, tat es mir in der Seele weh“, sagt die Biologin. Und sie handelte mit ihren Möglichkeiten. Kaufte ein gebrauchtes Etagenbett und baute es auf. Brachte Bettwäsche und vor wenigen Tagen auch einen Heizlüfter, weil die Heizung mal wieder ausgefallen war. Vereinbarte eine Wohnungsbesichtigung, aber bei der angespannten Miet-Situation in Hamburg wohl mit wenig Aussicht auf Erfolg - bislang. „Vielleicht ändert sich das ja durch diese Veröffentlichung im Wochenblatt“, hofft Franca W.
Vielleicht gibt es Menschen die helfen können - damit Amiras Augen auch in Zukunft strahlen. Übrigens: Eine kleine Trumpfkarte besitzt Najma für ihre Suche nach einer Wohnung noch: die regelmäßigen Mietzahlungen und die Kaution werden vom Amt übernommen.
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige